David Münch aus Neuss auf Fahrrad-Weltreise: 2500 Kilometer durch den Iran

Neusser auf Fahrrad-Weltreise : David Münch radelt 2500 Kilometer durch den Iran

Der Neusser David Münch ist seit dem 1. Januar unterwegs. Sein Ziel: die Welt, die er rund vier Jahre lang mit dem Fahrrad erkunden möchte. Nun wurde es besonders abenteuerlich.

Übernachten in der Wüste, wilde Kamele streicheln, sich vor giftigen Skorpionen erschrecken – was klingt, als würde es aus einem Indianer-Jones-Film stammen, ist David Münch aus Neuss in den vergangenen rund anderthalb Monaten widerfahren. Am 1. Januar machte sich der 34-Jährige von Neuss aus auf den Weg. Sein Ziel: die Welt, die er rund vier Jahre lang mit dem Fahrrad erkunden möchte.

Nach Stationen in Tschechien, Österreich und der Türkei legte der Neusser nun die bislang abenteuerlichste Etappe zurück: 44 Tage durch den Iran. Am Ende sollte er 2500 Kilometer in der Republik am Persischen Golf zurücklegen. Eine Geschichte über zufällige Bekanntschaften, einen Betrugsversuch – und Gastfreundschaft.

Bereits bei seiner Ankunft im Iran machte David Münch Bekanntschaft mit der Herzlichkeit der Einwohner. Ein Mann kam mit seiner Tochter auf dem Arm auf ihn zu. Das Kind überreichte ihm eine Blume und der Vater sagte zu dem Neusser: „Welcome to Iran“. In Marand lernte er Yashar kennen, der ihm nicht nur eine Sim-Karte besorgte, sondern ihm auch dabei half, sein Geld wiederzubekommen – kurz zuvor war David nämlich beim Geld-Wechseln an der Grenze übers Ohr gehauen worden. „Ich habe fast alles zurück bekommen“, sagt der Neusser.

„Wie klein die Welt doch ist!“ Ein Satz mit zehn von zehn Punkten auf der Floskel-Skala. Doch im Hinblick auf Davids Erlebnis auf dem Weg Richtung Teheran ist er absolut berechtigt. „Ich habe Irina und Erik kennengelernt, die ebenfalls mit dem Fahrrad reisen. Sie kommen gebürtig aus Dormagen und leben mittlerweile in Köln“, sagt der 34-Jährige. Fünf Tage lang fuhren die drei in die selbe Richtung.

Doch plötzlich folgte das nächste Problem. In Teheran wollte David eigentlich nur sein iranisches Visum verlängern, doch die Polizei-Station behielt seinen Reisepass für fünf Tage ein. Die Zeit konnte er zwar nutzen, um ein paar Erledigungen zu machen, doch die Tatsache, dass er grundlos nur 21 statt 30 zusätzliche Aufenthalts-Tage genehmigt bekam, stellte ihn vor die nächste Herausforderung. Verzweifelt versuchte er, seine Reise so umzuplanen, um wenigstens bis nach Isfahan zu kommen und dann Richtung Turkmenistan zu fahren. „Dann haben sich plötzlich Eva und Jannis gemeldet, die ich schon in der Türkei getroffen habe“, sagt David Münch. Die beiden sind mit einem umgebauten Transporter unterwegs und waren gerade in Teheran angekommen. Das Angebot, ihn ein Stück mitzunehmen, rettete den Zeitplan des Fahrrad-Weltreisenden. „Mit den beiden habe ich dann die schönsten Sachen erlebt“, sagt der 34-Jährige und erinnert sich an das Campen in der Wüste, die wilden Kamele oder die einheimischen Gesänge bei den beeindruckenden Brücken von Isfahan.

Auf dem Weg nach Yazd geriet der Abenteurer plötzlich in einen Sandsturm: „Meine Augen brannten, mein Mund war voller Sand und es war schwer zu atmen. Der Sand war wie Nadeln auf meiner Haut.“ Erst nach zwei Stunden fand er ein kleines verlassenes Gebäude, hinter dem er Schutz fand und sein Zelt aufschlagen konnte. Am nächsten Morgen war es windstill – und der Himmel strahlte blau als wäre nichts gewesen.

Nach einem Halt in Garmeh – eine Bilderbuch-Stadt mit Dattelpalmen, Wasserquellen und nächtlichen Lagerfeuern unterm Sternenhimmel – stand die letzte Station im Iran auf dem Programm, ehe David die Grenze zu Turkmenistan überquerte: In Maschhad lud ihn eine junge Familie ein, die Stadt zu besichtigen. Zwei Tage blieb er bei ihnen. „Zum Abschluss habe ich von Shayan, dem 15-jährigen Sohn, sogar ein wunderschönes Hemd und eine Hose aus Isfahan geschenkt bekommen. Zum Glück wusste ich, dass er Geldscheine aus aller Welt sammelt. Und davon hatte ich noch jede Menge, die ich wiederum ihm schenken konnte“, sagt der Neusser.

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