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Neuss: Das Tiertaxi für den Notfall

Neuss : Das Tiertaxi für den Notfall

Andreas Höninger fährt seit mehr als drei Jahren mit dem Kleintransporter des Tierschutzvereins Neuss durch den Kreis und sammelt entlaufene oder ausgesetzte Tiere ein. Regelmäßig muss er dafür mitten in der Nacht raus.

Meist ist Andreas Höninger allein auf der Straße. Und meist ist es mitten in der Nacht. Hunderte von Kilometern legt er im Monat zurück. Ihn rufen Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt an, wenn eine entlaufene Katze gesichtet, ein Hund ausgesetzt wurde oder herrenlose Schildkröten gefunden wurden.

Es kann nachts sein, am Wochenende oder bei privaten Feiern, dass ein solcher "Notruf" bei Höninger eingeht. Dann muss er raus. Mit dem weißen Kleintransporter des Tierschutzvereins Neuss startet er vom Tierheim Oekhoven aus, wo er auch wohnt und fährt dorthin, wo ein herrenloses Tier gesehen wurde, um es einzufangen.

Oft helfen die Leute mit

Oft haben aber sogar schon die Anrufer den Hund angeleint, die Katze ins Gästeklo gesperrt oder über die Taube einen Karton gestellt. "Das ist auch gut", sagt Höninger. Denn einmal entwischte ihm ein Kaiserfasan, als der 53-Jährige ihn abholen wollte. "Gerade als ich an dem Garten stand, flog er davon", erzählt Höninger. Zuletzt hat Höninger beim Neusser Schützenfest fünf Hunde eingefangen. Etwa 20 Mal im Monat hat Höninger Einsätze, manchmal mehr als zehn am Tag, dann wieder einige Tage gar keinen. Auch kranke Tierheim-Tiere fährt Höninger regelmäßig zum Tierarzt.

Seit 2008 fährt er Tiertaxi, vorher übernahmen Polizei, Feuerwehr und später eine selbstständige Fahrerin die Arbeit. Aber die Nachteinsätze wurden zahlreicher und die Frau hängte den Job an den Nagel. So sprach der Tierschutzverein Neuss um die erste Vorsitzende Uta Wegener Andreas Höninger an. Seitdem ist Höningers Handy nie aus, stets ist er auf dem Sprung. Die Fahrten machen ihm Spaß, er hat selbst immer Tiere gehabt und scheut daher den Umgang nicht.

Im Tiertaxi befindet sich immer eine Standartausrüstung: Hunde-/Katzenbox, Fangstange, Kescher, Maulkorb, Leinen, Decke und Leckerli. Finanziert wird das Taxi unter anderem vom Verein und einem Zuschuss der Kommunen. Für jede Fahrt gibt es einen Fixbetrag, für jede Leerfahrt die Hälfte.

Viele der Findeltiere seien tatsächlich nur entlaufen und werden wieder abgeholt, andere warten im Tierheim auf einen neuen Besitzer. Gebissen wurde Höninger bislang nur einmal von einer Katze. Von anderen — gerade Hunden — seiner temporären Schützlinge noch nie.

Mischlingsrüde Bobby wurde sogar zu einem Begleiter für Höninger. Den Hund hatte er vor etwa zweieinhalb Jahren in seinem Tiertaxi gefahren. "Damals hat er mir direkt gesagt, dass er bei mir bleiben will", sagt Höninger und lacht. Tatsächlich kommt Bobby freudig angelaufen, wenn er Höninger sieht und lässt sich den Rücken kraulen. Bobby hat sich inzwischen zu Höningers Begleiter gemausert.

"Das kann auf andere Hunde beruhigend wirken, wenn ein weiterer Hund dabei ist", sagt Höninger. Um Bobby muss er sich keine Sorgen machen. Der hat bei Höninger und dessen Tiertaxi ein neues Zuhause gefunden.

(NGZ/rl)