Das Teatre Papahema gastierte im Neusser Globe

Shakespeare-Festival in Neuss : Eine dreifache Katharina gezähmt 

Mit der Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ gastierte das polnische Teatre Papahema im Globe. Die Hauptfigur gab es gleich in dreifacher, völlig unterschiedlicher Ausführung.

Eines ist sicher: das Gastspiel der polnischen Truppe „Teatre Papahema“ beim Globe-Festival wird den Zuschauern in bester Erinnerung bleiben. Und dies, obwohl die jungen Schauspieler mit einem höchst umstrittenen Shakespeare-Stück nach Neuss gereist waren: „The Taming of a Shrew“ (Die Zähmung der Widerspenstigen“) klingt wie ein sexistisches Gegenprogramm zum derzeitigen „Me Too“- Aufschrei. Die Handlung ist bekannt: Der reiche Kaufmann Baptista will seine Tochter Bianca erst dann verheiraten, wenn er deren widerborstige Schwester Katharina unter die Haube gebracht hat. Mit Petruchio findet sich schließlich ein adliger Macho, der aus der Falknerei gelernt hat, wie man einen Wildvogel handzahm macht.

Schon zu Zeiten des Barden war die Komödie weniger frauenfeindlich als einfach vergnüglich, denn es standen ja nur Männer auf der Bühne. Das Theater Papahema aus dem ostpolnischen Bialystol setzt in seinem Spiel scheinbar auf historisierende Kostüme. Aber die Polen ließen sich einiges mehr einfallen: aus Katharina wurden hier gleich drei völlig verschiedene Frauen. Drei Arten von Sinnlichkeit, drei Arten von Weiblichkeit. Eine von ihnen liebt den Tyrannen Petruchio, eine andere widerspricht der Männerherrschaft, und die dritte entdeckt in der Zähmung ihre Sexualität. Petruchio selbst, als Stückfigur ein männlich-kantiger Typ, offenbart schon beim ersten Erscheinen homo-erotische Neigungen. Noch wichtiger aber für diese Inszenierung ist ihr Umgang mit dem Schluss-Monolog der gezähmten Katharina. Was da gleich am Anfang aus dem Off ertönt, hat es in sich und bringt das Publikum zum Staunen und Raunen. Vor allem Katharinas Selbsterkenntnis (in deutschen Übertiteln): „Die Frau im Zorn ist wie ein Quell im Schlamm, versumpft und brackig, schal und ohne Schönheit.. Wenig später heißt es bei Shakespeare „dein Mann, das ist dein Herr, dein Leben, dein Ernährer“. Aus diesem Vers machte man einen fetzigen Song als ironisches Handlungsmotiv. Man hört ihn immer wieder bei dem auf drei Ebenen sichtbaren Gedränge, Geschiebe, Gezerre und Gegrabsche der neun Darsteller.

Unter diesen spielt Mateusz Trzmiel eine herausragende Rolle. Der 27-Jährige taucht wie ein verhuschter, verschüchterter, ungelenker Junge ins Bühnenlicht. Das soll Petruchio sein, der Falken- und Frauenbezwinger? Wer soll das glauben? Schlimmer noch: Statt sich dem Vater seiner zukünftigen Braut als würdiger Ehemann zu präsentieren, drückt sein weißgeschminktes Gesicht dem erstbesten Kumpel (einem Mitbewerber namens Hortensio, gespielt von Przemyslaw Bollin) einen zarten Schmatzer hin.

Trzmiels sehr variantenreiches Spiel dominiert dann den knapp zweistündigen Abend. Seine Posen, seine Tänze, seine wilden Luftritte treiben das Spiel voran. Und dann, ganz plötzlich, wird aus dem zarten Flaumbart ein Mann, der mit strenger Fuchtel gleich drei Eheweiber domestiziert. Um sich ebenso unvermittelt zu outen, selbst zu einer gezähmten Kate zu werden und mit dem jetzt an der richtigen Stelle deklamierten Schluss-Monolog über die Rampe abzutreten.

Das Publikum, eine Mischung aus polnischen, englischen und deutschen Muttersprachlern, zeigte sich mit seinem überlangen Applaus begeistert.

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