Das St.-Alexius-/St.-Josef Krankenhaus Neuss gewährt Einblick in den Alltag

Arbeitsalltag in der Psychiatrie : Wie die Psychiatrie ihren Helfern hilft

Der Alltag in einer Psychiatrie setzt die Beschäftigten besonderen Belastungen aus. Doch mit ihren Sorgen bleiben sie nicht alleine.

Arbeiten in einer Psychiatrie – da denken viele Menschen gleich an verschlossene Stationen mit Ärzten und Pflegern, die ihre Patienten durch Glasscheiben beobachten und schnell zu Beruhigungsspritzen greifen. Das St.-Alexius /St.-Josef-Krankenhaus hat nun Einblick in den Berufsalltag seiner Mitarbeiter gewährt und die Erkenntnis vermittelt: Der Arbeitstag einer Pflegekraft in der Psychiatrie hat mit dem Kopfkino nichts zu tun.

„Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt ganz klar auf der Sprache. Darauf, mit dem Patienten zu reden und mit allen, die in die Behandlung eingebunden sind“, erklärt Pflegefachkraft Sabine Müskes. Ein Beispiel: Ein Patient, der an einer schweren Depression leidet, wird stationär aufgenommen. Nun wird eine Pflegefachkraft bestimmt, die speziell für diesen Patienten zuständig ist. Sie gehört außerdem in das Team von Ärzten und Therapeuten, das gemeinsam entscheiden, welche Therapiemaßnahmen eingesetzt wird, berichtet Professor Ulrich Sprick, Ärztlicher Leiter des ambulanten Zentrums und der Tageskliniken. Aus vielen Gesprächen entsteht dann ein Therapieplan mit einer detaillierten Tagesstruktur. „Gerade für Menschen mit einer Depression, die es teilweise kaum schaffen aufzustehen, ist es sehr wichtig, dass der Tag Struktur bekommt“, sagt Sprick.

Damit der Patient in diese Struktur hineinfindet, steht ihm die Pflegekraft beständig zur Seite. Sie hilft beim Aufstehen, begleitet ihn zu den Therapieangeboten und holt ihn auch wieder ab. Vor allem aber steht sie als Gesprächspartner zur Verfügung. In aller Regel sei sie auch der erste, der Rückschläge  wahrnimmt oder wenn den Patienten andere Probleme belasten,  erklärt Sprick.

Wie  in anderen Krankenhäusern, gehören auch in dem Fachkrankenhaus für Psychiatrie  für physisch Kranke  Körperpflege, Blutdruckmessen und die Kontrolle anderer gesundheitlicher Parameter zu den Aufgaben der Pflegekraft. „Insbesondere in der Gerontopsychiatrie, übernimmt sie viele Aufgaben, die auch körperlich sehr anstrengend sind“, sagt Sprick. Vor allem aber durch den oft längeren stationären Aufenthalt der Patienten, den wichtigen empathischen Umgang mit ihnen aber auch durch Grenzsituationen wie körperliche Übergriffe ist die psychische Belastung für Pfleger, Ärzte und Therapeuten größer als in anderen Krankenhäusern.

Damit diese Belastungen auf Dauer nicht zum Problem für sie werden, versucht das Krankenhaus,  Folgen wie etwa einem Burnout-Syndrom vorzubeugen. Dazu zählen Sportangebote, Yoga-Kurse aber auch Beratungsangebote für Kollegen in Doppelbelastung –  die etwa daheim noch Angehörige pflegen. Es gibt aber auch Online-Programme, mit denen Mitarbeiter testen können, wie hoch ihr „Stresslevel“ ist – und in dem sie lernen, wie sie Stress abbauen können.

Am Donnerstag kam noch ein Gesundheitstag hinzu. Mit Angeboten zur Ernährungsberatung , Reisemedizinberatung oder für den eigenen Fitness-Check, zählt Dominik Danieluk auf, der Gesundheitsmanager im Haus. Diese Fürsorge zahlt sich offensichtlich aus. Pflegenotstand ist im Haus ein Fremdwort.

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