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Neuss: Das soziale Gesicht der Caritas

Neuss : Das soziale Gesicht der Caritas

Der stellvertretende Caritas-Geschäftsführer und Leiter der Sozialen Dienste, Reinhard Döring (62), wird heute nach 34 Jahren im Dienste des katholischen Sozialverbandes in den Ruhestand verabschiedet.

Reines Hochdeutsch spricht er selten. Dafür ein Nüsser Platt, das mit einer winzigen Prise Sächsisch gewürzt ist: Reinhard Döring (62) stammt aus Hainichen in Sachsen, kam mit sechs Jahren nach Reuschenberg. Platt ist für den diplomierten Sozialarbeiter (Uni Düsseldorf) und ausgebildeten Therapeuten (Uni Köln) nicht plump: "Es erleichtert den Zugang zu den Menschen, und manche Wahrheit lässt sich gelassener aussprechen."

Mehr als 34 Jahre als Leiter der Suchtkrankenhilfe, als stellvertretender Geschäftsführer des Caritas-Verbandes im Rhein-Kreis Neuss mit rund 1000 Mitarbeitern, Leiter der Sozialen Dienste GmbH der Caritas — Reinhard Döring wurde zum sozialen Gesicht der Caritas.

Am Freitag wird der 62-Jährige in den Ruhestand verabschiedet. Ehefrau Annette, die beiden Töchter, der Sohn, der in Kürze heiraten wird, und die fünf Enkelinnen werden mehr in den Mittelpunkt des immer noch rastlosen Helfers verzweifelter Menschen rücken. Er freut sich auf den Ruhestand. Doch wenn er über seinen Beruf und seine Berufung spricht, lebt er mit, bearbeiten die Hände die Probleme, blüht der Charakterkopf auf.

Wie hält einer wie Reinhard Döring es aus, fast dreieinhalb Jahrzehnte auf der Schattenseite des Lebens für ein wenig Licht zu sorgen? Zum Beispiel in der Hilfe für Suchtkranke? "Mit dem Herzen sehen", lautet seine einfache Antwort. Den Menschen so annehmen, wie er ist, selbst wenn er in der Gosse steckt. Döring glaubt auch nach langer Erfahrung immer noch an das Gute im Menschen — auch beim Alkoholiker, auch beim Spieler.

"Der Eine trage des Anderen Last", nennt Döring eines seiner wichtigsten Leitmotive und Kern seiner Arbeit bei der Caritas. Mit klarer Ansprache findet er Zugang zu den Menschen. Und in Anflügen rheinischer Leichtigkeit gelingt es ihm, Hoffnung zu vermitteln. Selbst dem, der gerade ganz unten ist. "Es ist das Glück im Gesicht des anderen, das mich treibt", schildert er die Erfolgsmomente, wenn jemand für lange Zeit die Sucht überwunden, nach der Arbeit in der Fahrradwerkstatt einen Job gefunden oder nach einer Verzweiflungsphase wieder zur Ehefrau zurückgefunden hat.

Dörings Fundament und Motivation für die Arbeit ist sein christlicher Glaube: "Jesus war der erste Sozialarbeiter." Sein Wunsch an die Zukunft der Caritas: "Weniger Bürokratie, mehr Zeit für die Arbeit mit den Menschen." Gelder müssten wieder auf die Kernaufgaben fokussiert werden.

Im Ruhestand wird Reinhard Döring jetzt häufiger auf die Pirsch gehen. Und er wird sich daheim in Korschenbroich auf seine 40 Jahre alte BMW R 70/5 schwingen und durch die Lande kurven.

(NGZ)