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Das plant Marc Hillen als Schützenkönig in Neuss

Schützenkönig in Neuss : König in doppelter Mission

Marc Hillen ist dem Schützenwesen in doppelter Funktion verbunden. Beides will er trennen und als König vor allem helfen, dass das  Schützenfest ein Fest der Vielfalt bleibt.

Rund 350 Tage vor seinem Königsehrenabend lässt Marc Hillen schon einmal eine Nachricht aus dem Sack: Ein Königsgeschenk wird eine Checkliste für Schützenkönige sein, verpackt in eine App, zu der sein Nachfolger die Zugangsdaten erhält. Ganz digital – wie alle Unternehmungen, die der 52-Jährige betreibt. Und ganz nützlich. Denn dass es keine Liste gibt, die ein Schützenkönig in der kurzen Zeitspanne zwischen Vogelschuss und Krönungsball zur Vorbereitung abarbeiten kann, war das erste, was er in seinem neuen Amt lernen musste. 

Marc Hillen hatte sich erst am Sonntag als letzter Königsbewerber gemeldet und war deshalb schlechter vorbereitet als seine drei Mitstreiter an der Vogelstange, die – wie Jochem Kirschbaum – sogar schon ein Motto für ihr Königsjahr formuliert hatten. Hillen hatte nichts vorbereitet – „Das entspricht meiner Mentalität bei emotionalen Angelegenheiten.“ – und musste sich am Tag eins nach dem Wettkampf durchfragen, wie er sagt. In einem Punkt war er sich aber schon vorher mit Ehefrau Jutta (50) einig: keine Geschenke. Lieber sammelt das Paar für eine – noch zu benennende – Initiative vor Ort, die sich um Krebskranke bemüht. Denn Hillen war vor viereinhalb Jahren selbst mit einer solchen Diagnose konfroniert und, wie er sagt, „fast weg vom Fenster“.

 Als neuer Schützenkönig erlebte Marc Hillen den Wackelzug am Dienstagabend standesgemäß in der Kutsche.  Das kannte er schon – vom Vorbeimarschieren. Viele andere Dinge, die zum „Königsein“ gehören, lernt er jetzt.
Als neuer Schützenkönig erlebte Marc Hillen den Wackelzug am Dienstagabend standesgemäß in der Kutsche.  Das kannte er schon – vom Vorbeimarschieren. Viele andere Dinge, die zum „Königsein“ gehören, lernt er jetzt. Foto: Georg Salzburg (salz)
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Marc und Jutta Hillen lernten sich in der Katholischen jungen Gemeinde St. Cornelius Erfttal kennen und bei einer Sommerfahrt 1990 mit Pastor Jochen Koenig, die sie im Leiterteam mitmachten, auch lieben. Nicht zuletzt bei diesen Gemeinschaftserlebnissen in der KjG hätten sie eine gewisse Bescheidenheit gelernt, die – wenn der Begriff für den Marketingmann Hillen nicht zu altbacken klänge – man auch Bodenständigkeit nennen würde. Aber genau so stellt er sich eigentlich sein Königsjahr vor.

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Hillen ist dem Schützenwesen eng verbunden – privat und beruflich. Zehn Jahre hat er mit seiner Agentur „h1“, die ihren Sitz im Haus am Pegel hat, das Schützenfest vermarktet und das Programmheft gestaltet. Seit dem vergangenen Donnerstag steht fest, dass „h1“ erneut mit einem Beratervertrag Partner des Neusser Bürger-Schützen-Vereins wird. Einen Interessenkonflikt kann Hillen darin nicht erkennen, denn er wird dieses Mandat nicht selbst ausüben, sondern einem seiner rund 30 Mitarbeiter anvertrauen. Hillen weiß aber auch, dass die Herausforderungen für den Verein und die Schützen nicht kleiner werden. „Es ist eine große Aufgabe, Menschen zu motivieren, Verantwortung für die Marke Schützenfest zu übernehmen“, sagt Hillen. Genau das soll „h1“ mit übernehmen.

Dass sich Hillen dann doch zu dem Ziel des Mandats äußert, hat mit seinem Wunsch zu tun, dass das Schützenfest ein Volksfest für alle bleibt. Ein Volksfest der Vielfalt. Er selbst werde das vorleben und keine neuen Superlative anstreben, sagt Hillen. Das werde man schon seiner Residenz am Samstag ansehen, die vor dem Haus Oberstraße 3 seines Grenadierkameraden Christian Burlage sein wird. Flaggen statt großer Aufbauten – „schlicht, aber elegant“, sagt Hillen, dem die Nähe zum Obertor wichtig war.

Privat bedeutet das Schützenwesen für die Majestäten Lebensfreude pur, die sie mit allen teilen wollen. Das war schon für den kleinen Marc so, wenn er Jahr für Jahr mit Vater Theo loszog, sich die Parade anzusehen. Und das ist in den 28 Jahren, die Vater und Sohn im Grenadierzug „Liebe Jungen“ marschieren, nicht anders geworden. Als Schützenkönig kam noch der Gänsehautmoment oben drauf. „Ich wusste vor dem letzten Schuss, dass es klappt“, sagt Hillen. Doch der emotionalste Moment danach kam erst, als er auf den Schultern seiner Freunde in die Menschenmenge getragen wurde. „Alleine dafür hat sich schon alles gelohnt.“