Das Neusser Lukaskrankenhaus weist Rekordgewinn aus

Interview zur Jahresbilanz: Das Lukaskrankenhaus legt Rekordzahlen vor

Verwaltungsratschef Thomas Nickel und Geschäftsführer Nicolas Krämer sprechen über Geld und die Fusion mit den Kreis-Kliniken.

Herr Nickel, Herr Krämer Das städtische Lukaskrankenhaus war im Geschäftsjahr 2017 so erfolgreich wie nie. Wie wichtig sind Ihnen betriebswirtschaftliche Rekorde?

Thomas Nickel Zunächst einmal: Das ist ein wirklich sensationelles Ergebnis. Noch wichtiger ist vielleicht nur die kontinuierliche Entwicklung. Ich freue mich sehr, dass unsere Lukaskrankenhaus GmbH zum 28. Mal in ununterbrochener Folge ein Geschäftsjahr mit schwarzen Zahlen abschließt. Das ist unter kommunalen Krankenhäusern eine Rarität. Bestmarken sind nicht unser Ziel. Eine zuverlässige Wirtschaftlichkeit lässt uns vielmehr in Personal, Technologie und Infrastruktur investieren. So können wir unseren Patienten Spitzenmedizin bieten – und das ist unser stetiges Ziel.

Nicolas Krämer Gute Medizin rechnet sich. Unser Konzernumsatz ist nach dem Rekord vom Vorjahr nochmals auf jetzt 164,8 Millionen Euro gestiegen, wir haben ein Ergebnis von 2,6 Millionen Euro erzielt. Alle Kernbereiche sind wirtschaftlich nochmal besser geworden: Das Lukaskrankenhaus mit der Rheintor Klinik, das Medizinische Versorgungszentrum MVZ, die LuKiTa. So gut waren wir noch nie. Aber: Wirtschaftlichkeit ist für uns kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Als gemeinnützige GmbH schütten wir nicht an unseren Gesellschafter, also die Stadt Neuss, aus. Gewinne bleiben im Unternehmen und wir reinvestieren sie.

Welche Investitionen planen Sie?

Nickel Jedes Jahr nehmen wir uns etwas vor. Aktuell ist die Frauenklinik am Zug. Wir richten einen fünften Kreißsaal ein, schaffen einen Sectio-OP, also einen Operationssaal für Kaiserschnitte, und modernisieren die Wochenbettstation. Die Strahlentherapie erhält zudem einen Linearbeschleuniger zur Bestrahlung von Krebspatienten. Das lassen wir uns inklusive Umbau 2,2 Millionen Euro kosten.

Krämer Unser Ziel sind langfristig mehr als 2000 Geburten im Jahr. Wir sind da auf gutem Weg. 2017 haben wir uns um 100 auf 1765 Geburten verbessert.

Hinter guten Zahlen verbergen sich meist zwei Faktoren: Erlöse erhöhen und gleichzeitig Kosten senken. Doch am „Lukas“ erhöht sich der Personalstand beständig. Wie geht das zusammen?

Krämer Wir haben im Konzern die Schallmauer von 2000 Mitarbeitern erstmals durchbrochen und gehören jetzt zu den größten Arbeitgebern im Rhein-Kreis Neuss. Darunter sind 152 Auszubildende. Entscheidend ist in Zeiten des Fachkräftemangels: Personal wird immer mehr vom Kosten- zum Erlösfaktor.

Nickel Viele Unternehmen bauen ja Personal ab, um gute Zahlen zu erzielen. Wir gehen den umgekehrten Weg. Wir investieren in unser Personal, weil wir in einer Branche tätig sind, in der wir mit und für die Menschen arbeiten. Das zahlt sich aus.

Verraten Sie das Geheimnis, wie Sie mit höheren Personalkosten einen höheren Gewinn erreichen?

Nickel Wir haben die Leistungen nochmals kräftig steigern können. Da gilt der Dank unseren Mitarbeitern in allen Bereichen, die eine großartige Gemeinschaftsleistung erbracht haben. Beispielhaft nenne ich einmal den Pflegebereich, der von Andrea Albrecht verantwortet wird. Dort profitieren wir von dem sogenannten Flexpool, dessen Mitarbeiter wir sehr variabel nach Bedarf einsetzen können. So haben wir 2017 den Einsatz auswärtiger Honorarkräfte deutlich gedrosselt. Außerdem hilft der Pool den Mitarbeitern, die sich nicht an fixe Arbeitszeiten binden können oder wollen.

Krämer Pflegekräfte von Vermittlungsagenturen kosten uns mehr als doppelt so viel wie festangestellte Mitarbeiter. Nicht nur deswegen ist es sinnvoll, feste Arbeitsplätze zu schaffen.

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Neun Kindergärten wurden 2014 dem „Lukas“-Konzern zugeordnet. Sie haben das Defizit von einer Million Euro auf einen Fehlbetrag von nur noch 100.000 Euro im Vorjahr gedrückt. Wie spart man beim Betrieb von Kindergärten so viel Geld?

Krämer Wir führen die LuKiTa GmbH als ein Unternehmen mit neun Betriebsstellen über eine sehr schlanke Verwaltung. Ein konkretes Beispiel, wie wir die Bilanz verbessert haben: Bei den Mitarbeitern waren sehr hohe Bestände an Resturlaub aufgelaufen. Die haben wir konsequent abgebaut und somit die finanziellen Rückstellungen aus den Büchern bekommen. Das war ein Effekt.

Nickel Über ein einheitliches Leitbild sind wir zu einem Wir-Gefühl in der LuKiTa GmbH gekommen. Das hat auch das Arbeitsklima verbessert und ich freue mich, dass die Krankenquote schmilzt.

Die Rheintor Klinik ist sehr ruhig...

Nickel Ja, was sehr gut läuft, gerät oftmals aus dem Blick. Aber nicht bei uns. Auf unsere Rheintor Klinik sind wir sehr stolz. Sie genießt medizinisch bundesweit zu recht einen exzellenten Ruf. In einem Ranking der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird die Rheintor Klinik unter 2000 deutschen Krankenhäusern als fünftbeste gelistet. Außerdem ist sie auch wirtschaftlich erfolgreich.

2016 wurde das „Lukas“ von einem Hackerangriff erschüttert. Wie ist die digitale Sicherheitslage?

Krämer Wir haben auch in die Cyber-Sicherheit kräftig investiert, um uns vor solchen Angriffen noch besser zu schützen, so dass wir sogar mit dem Cyber Security Award ausgezeichnet wurden. Das Thema bleibt aber eine beständige Herausforderung. Aus einer anonym durchgeführten Befragung der Unternehmensberatung Roland Berger geht hervor, dass 64 Prozent der deutschen Krankenhäuser vergleichbare Cyber-Probleme hatten. Nur sind die meisten Häuser nicht so offensiv damit umgegangen wie wir.

Wird die Fusion mit den Rhein-Kreis Kliniken wie geplant zum Neujahrstag 2019 gelingen?

Nickel Das halte ich nach wie vor für möglich. KPMG wird im Auftrag von Stadt und Kreis die Due Diligence-Untersuchung vornehmen, und wenn die Unternehmensbewertungen sowie Hinweise auf die Gesellschaftsform im Herbst vorliegen, müssen wir beraten, verhandeln und entscheiden. Selbst wenn wir noch den ein oder anderen Beschluss im neuen Jahr benötigen würden, ist eine Fusion zum 1. Januar 2019 möglich.

Krämer Verwaltungsrat, Geschäftsführung und das ganze „Lukas“ wollen diese Fusion mit den Rhein-Kreis Kliniken zu 100 Prozent.

Nickel Und wenn eine Fusion – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich sein sollte, müssen wir gleichwohl für eine medizinische Einheit der kommunalen Krankenhäuser im Kreis in einer anderen Gesellschaftsform kämpfen, damit allen Bürgern weiterhin Spitzenmedizin vor Ort angeboten werden kann. Allerdings ist mir als Vorsitzender des Verwaltungsrates bewusst, dass eine Fusion auch für das Neusser „Lukas“ und damit auch für alle Patientinnen und Patienten weitere Verbesserungen beinhalten muss.

Ludger Baten stellte die Fragen.

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