Neuss: Das Landestheater kommt in die Schule

Neuss: Das Landestheater kommt in die Schule

Mit dem Stück "Täwle" stellt das RLT ein neues Format vor - für Zuschauer in Klassenstärke.

Fast ein Jahr hat es gedauert, bis aus der Idee ein Stück wurde. Ein Klassenzimmerstück, genau gesagt. Denn der Monolog "Täwle (sprich: Taule) - Am Kopf des Tisches" ist für ein kleines Publikum ab 15 Jahre gedacht, hat seine Uraufführung daher auch in der Partnerschule der Produktion, im Kaarster Albert-Einstein-Gymnasium, wird aber später auch im Theatercafé Diva und in der Villa Erckens in Grevenbroich gezeigt.

Begleitet vom Noch-RLT-Chefdramaturgen Reinar Ortmann (er folgt 2018/19 für eine Spielzeit auf Bettina Jahnke als Intendant am RLT) hat Julia-Huda Nahas nicht nur ein eigenes Stück geschrieben, sondern der Bühne damit auch ein neues Format verschafft. Seit zwei Jahren arbeitet Nahas als Regieassistentin am RLT, hat zuvor schon eigene Texte verfasst, aber mit der Geschichte des 30 Jahre alten Nikola zum ersten Mal ein Bühnenstück entwickelt. Es erzählt von den Gedanken und Problemen des Deutschen mit syrischen Wurzeln, der vor der Frage steht, ob und welche Verwandte er aus dem Kriegsland retten kann. Über die Antwort hinaus beschäftigt ihn damit auch das Nachdenken über die eigene Identität. "Nikola fühlt sich als Deutscher", sagt die Autorin, "aber er wird damit konfrontiert, dass ein Teil seiner Familie in Syrien lebt."

Dort ist das Spiel Backgammon beliebt - Täwle heißt es dort, was aber auch Tisch bedeutet. Das weiß Nahas, weil sie selbst syrische Wurzeln hat. In dem Spiel, in dem Regeln wichtig sind und es darum geht, Steine herauszuholen, sehen Nahas und Ortmann auch ein Sinnbild für das Versetztwerden eines Menschen und den Problemen, die das mit sich bringt.

Rund eine Stunde dauert Nahas' Inszenierung, sie ist auch für Schulen buchbar ( 02131 269932).

(hbm)