Neuss: Das Kunstwerk Papier

Neuss: Das Kunstwerk Papier

Ausschließlich Papierarbeiten zeigt die neue Ausstellung auf Schloss Reuschenberg. Sieben Künstler haben sie gestaltet.

Schon seit geraumer Zeit trägt Beate Düsterberg, die Vorsitzende des Vereins Wurzeln und Flügel, die Idee in sich, Papierkünstlern und ihren Werken eine Ausstellung auf Schloss Reuschenberg zu widmen. "Ich liebe solche Arbeiten", sagt sie, behielt Künstler wie Petra Ellert oder Simon Schubert im Blick, und stellt diese beiden nun zusammen mit Martina Justus, Andreas My, Aja von Loeper, Mutsumi Aoki und Anne Behrens aus.

Dass aus "Papier Partout" auch so etwas wie eine Anne-Behrens-Gedächtnis-Ausstellung wurde, war dabei nicht geplant. Die im Oktober 2017 gestorbene Jüchener Künstlerin hatte die Ausstellung selbst noch mitkonzipiert und Arbeiten dafür geschaffen. Für die Realisierung aber war Düsterberg auf die Unterstützung der Söhne und des Mannes von Anne Behrens angewiesen. Gemeinsam haben sie rund 100 Arbeiten kuratiert, die zwei Räume füllen und auf beeindruckende Weise die Schaffenskraft und große Kreativität einer Künstlerin zeigen, die mit der Schere virtuoser umgehen konnte als mancher Maler mit dem Pinsel. Und ganz bewusst hat Düsterberg dafür auch frühe Werke von Anne Behrens ausgesucht: "Das war mir einfach wichtig", sagt sie mit einer Stimme, der man die Trauer über den Verlust dieser Künstlerin anhört.

Eigentlich reichen schon die Behrens-Arbeiten aus, um aus dem Staunen über die Vielseitigkeit des Papiers nicht herauszukommen. Aber auch die anderen sechs Künstler erwiesen sich als Meister des Unmöglichen, erschaffen Skulpturen, Plastiken oder dreidimensionale Bilder aus eigentlich glattem Papier.

Mutsomi Aoki orientiert sich am Menschen. Inmitten von weißen Seerosen knien zwei Figuren - ohne Kopf, ohne Hände, ohne Füße, aber in ihrer Haltung ganz und gar Mensch. Dessen Vergänglichkeit spiegelt sich etwa in einem Kleid, das grünlich-bräunlich, aber sehr ästhetisch dahinwelkt.

Petra Ellert lässt ihre Köpfe und Figuren aus dem Papier heraustreten. Für ihre "vielleicht ..."-Serie reduziert sie Ausdruck und Mittel, versieht etwa die Gesichter einer Marlene (Dietrich) lediglich mit goldenem Schlagmetall.

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Martina Justus ist nur mit einer Arbeit vertreten. Aber die macht aus einem kleinen Zwischenraum einen Urwald aus Papier-Pflanzen - auch ohne dass sie ein Fleckchen Farbe einzusetzt.

Andreas My schneidet farbigen Karton in feine Streifen und fügt sie zu im Sinne des Wortes zu fantastischen Gebilden zusammen. Das Verblüffende ist das Farbenspiel: Je nachdem, von welcher Seite man sich seinen Gebilden nähert, wechseln sie die Farbe - Chamäleons aus Karton.

Simon Schubert pflegt eine ganze besondere Spielart des Trompe-l'œil: Das Auge sieht erst nur eine weiße Fläche, erkennt erst nach und nach Linien, die sich zu einem Raum zusammenfügen: zu einem Kirchenschiff oder auch zu einer Wand voller (leerer) Bilderrahmen in Petersburger Hängung.

Aja von Loeper arbeitet aus Papierbögen in unterschiedlicher Größe mit dem Holzspatel Strukturen heraus, die an Gebirge aus der Sicht des Weltalls erinnern. Mit ein wenig Farbe und Licht entstehen bizarre Landschaften.

(hbm)