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Neuss: Das Knie wird maßgeschneidert

Neuss : Das Knie wird maßgeschneidert

Im Johanna Etienne-Krankenhaus operiert Chefarzt Professor Jörg Jerosch nach einer neuen, schonenden und sicheren Methode, die erst ganz wenige Kliniken in Deutschland anbieten.

Heinrich Hügen, Patient im Johanna-Etienne-Krankenhaus, geht es gut. Kaum eine Woche ist es her, dass er eine Kniegelenksprothese bekommen hat und er freut sich jetzt schon wieder daran, Kniebeugen zu machen. Dass er so schnell seine Mobilität wieder erhält, ist ihm noch ein bisschen unbegreiflich: "Mein Kniegelenk war so verschlissen, dass ich jeden Tag mindestens zwei Schmerztabletten nehmen musste. Und obwohl so eine Operation anstrengend ist, fühle ich mich viel besser als vorher", sagt der 51-Jährige aus Moers.

Diese schnelle Genesung hat er neben den Ärzten auch einer neuen Methode der Knieprothesenimplantation zu verdanken. Hügen ist einer der ersten, der eine Prothese mit dem "Visionaire System" trägt. Die neue Technik, in den USA entwickelt, erlaubt es den Ärzten, sehr präzise zu arbeiten. "Wir haben einen unglaublichen Sprung in der Qualität gemacht. Die Prothese kann nun individuell für jeden Patienten hergestellt werden", sagt Prof. Dr. Jörg Jerosch, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin im Johanna-Etienne-Krankenhaus.

Nach der alten Methode wurden Standard-Schnittblöcke verwendet, die anzeigten, wo in etwa die Prothese eingesetzt werden muss. Das neue Verfahren erlaubt es aber, individuelle Schnittblöcke herzustellen, die genau auf die Knochen des Patienten passen. "Nachdem wir Röntgen- und Kernspintomographieaufnahmen gemacht haben, schicken wir diese per Internet in die USA und planen interaktiv die Positionierung der Prothese", erklärt Dr. Oliver Potrett, Oberarzt für dir Endoprothetik. Die Schablone wird individuell angefertigt, und nach etwa vier Wochen kann dann operiert werden.

Ziel der neuen Technik ist es, die Lebensqualität des Patienten wiederherzustellen. Durch die höhere Exaktheit sitzt die Prothese besser, ist damit langlebiger, und der Patient kann wie mit einem gesunden Knie leben. Außerdem verkürzt sich die Operationsdauer auf 45 bis 60 Minuten und verringert somit auch Risiken. "Wir bieten NRW-weit als einziges Krankenhaus das neue Verfahren an, steigern damit unsere Patientenzufriedenheit. Wir haben uns gut positioniert gegenüber den anderen Krankenhäusern in der Umgebung", sagt Jerosch.

Er glaubt auch, dass sich die Technik binnen zehn Jahren als Standard-Methode etablieren wird. In Deutschland bieten drei oder vier Kliniken die neue Methode an. In Neuss wurde sie bisher an vier Patienten angewendet. Heinrich Hügen ist froh, der zweite gewesen zu sein: "Endlich kann ich meinen Beruf als Kraftfahrer wieder ohne Schmerzen ausüben."

(NGZ)