Das Klavierduo Grau/Schumacher begeisterte im Zeughaus in Neuss.

Klavier-Duo Grau/Schumacher in Neuss: Ein hinreißender Klavierabend mit dem Duo Grau/Schumacher

Zu Begeisterungsstürmen rissen die Pianisten Andreas Grau und Götz Schumacher die Konzertbesucher im Neusser Zeughaus hin.

Die Stadt Neuss könnte schon so etwas wie die zweite Heimat der Pianisten Andreas Grau (Tübingen) und Götz Schumacher (Berlin) sein. Das international renommierteste Klavierduo unserer Zeit – GrauSchumacher – gastierte schon öfter im Zeughaus, auf der Museumsinsel Hombroich oder beim unvergessenen „Sommernachtstraum“ zusammen mit Klaus Maria Brandauer während des Shakespeare-Festivals.

Nun waren sie mit einem höchst attraktiven Programm erneut beim Zeughauskonzert, das allerdings wegen des schlechten Wetters nicht ausverkauft war. Daheim gebliebene Abonnenten verpassten geradezu Abenteuerliches: Richard Wagner, den Inbegriff des monumentalen Musikdramas auf zweimal 88 Tasten zu reduzieren, ist ein nahezu überirdischer Versuch. Max Reger, der die Auseinandersetzung mit Wagners Werk jenseits der Opernhäuser schätzte, gelingt das mit der Transkription von Vorspiel und Liebestod aus „Tristan und Isolde“ für zwei Klaviere.

Aber erst das Klavierduo GrauSchumacher führt mit seinem brillanten Zusammenspiel Tristan und Isolde zur Erlösung. Die Pianisten, beide Anfang 50, kommunizieren – der Jüngere am Flügel rechts, Andreas Grau am Flügel links – so unauffällig wie intensiv miteinander. Es dauert Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis ein derart aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel bei individueller Perfektion in präziser Geläufigkeit und einfühlsamer Interpretation gelingt. Tatsächlich sind die Beiden seit 1981 als Klavierduo unterwegs, als sie mit 15 Jahren auf Anregung ihres gemeinsamen Klavierlehrers ein erstes Konzert gaben. Ein Vergleich mit dem legendären Klavierduo der Gebrüder Aloys und Alfons Kontarsky, die ebenfalls mehrfach bei Zeughauskonzerten auftraten, liegt nahe.

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Diese Gegenüberstellung muss GauSchumacher gewinnen, nicht nur wegen ihrer revolutionären Programme. Die „Trois Nocturnes“ von Claude Debussy für großes Orchester mit zwei Harfen und im dritten Bild „Sirènes“ mit Frauenchor von 16 Sopranen geschrieben, hat Maurice Ravel für zwei Klaviere transkribiert. Die Interpretation von GrauSchumacher fassten etliche Konzertbesucher. Auch das einzige Originalwerk des Abends, Johannes Brahms’ „Sonate f-Moll für zwei Klaviere“, wurde zu einem spannenden Hörerlebnis.

Für den langen Applaus des begeisterten Publikums bedankten sich die Pianisten mit einer Zugabe aus den „Sechs kanonischen Stücken für Pedalflügel“ von Robert Schumann, nun wieder in einer filigranen Transkription für zwei Klaviere von Claude Debussy – auch programmatisch ein besonderes Finale.

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