Neuss: Das Elektro-Auto aus Neuss

Neuss : Das Elektro-Auto aus Neuss

Die Hummel Energie-Systeme haben den Prototyp eines Elektroautos entwickelt, der ohne Steckdose aufgetankt werden kann. Der Kniff: Der "Sparky" hat einen Mikro-Generator unter der Haube, der auch Frittenfett verbrennt.

60 Vorbestellungen aus dem Ausland liegen schon vor. Dabei ist das Auto, das von den Tüftlern der Hummel Energie-Systeme um Geschäftsführer Jochen Lippert an der Duisburger Straße entwickelt wird, noch nicht ganz serienreif. Aber es ist die Idee, die lockt: Ein Fahrzeug, das leicht ist ohne spartanisch zu sein, und das als Elektro-Auto auch unabhängig von einer Steckdose betrieben werden kann. Der Prototyp auf der Basis eines Chevrolet "Sparky" ist schon auf Neusser Straßen unterwegs. "Der sieht knuffig aus", lobt Lippert die Wahl. Denn Autos sind auch Emotionen.

Als die Hummel Energie-Systeme vor drei Jahren in Neuss als Tochterunternehmen der niederländsichen Argo Groep gegründet wurden, trat das Unternehmen mit dem Anspruch an, das Thema regenerative Energien von der Spitze aus weiterentwickeln zu wollen. In einem ersten Schritt wurden 30 Generatoren zum ersten biogenen und grundlastfähigen Kraftwerk zusammengeschlossen. Mit Palmöl aus Indonesien wird seitdem in Neuss "weiße" Energie erzeugt. Ein Biomasse-Forschungszentrum kam hinzu. Und Argos Deutschland arbeitet in Neuss an der Verbesserung der Katalysatorentechnik. Das Thema Auto kam erst vor kurzem dazu. Betrieben als Hobby - und weil Lippert die Tatsache störte, dass die Entwicklung marktfähiger Elektroautos offensichtlich auf der Stelle tritt. Die Industrie werbe mit Reichweiten von 150 Kilometern, sagt er. "Das gab es schon 1991."

Allen Entwicklern von E-Autos stellen sich zwei Probleme, sagt Lippert: Reichweite und Ladezeit. Im Punkt Reichweite glaubt er eine Verbesserung gefunden zu haben. Statt "Dauerstrom" auf den Antrieb zu geben und so durch die Erwärmung der Spule 40 Prozent der Energie aus den Batterien zu vergeuden, setzt Lippert auf ein tickendes Signal, das den Stromzufluss bis zu 60 Mal pro Sekunde unterbricht. Folge: Die Erwärmung bleibt geringer. Die Reichweite seines Sparky liege deshalb schon jetzt bei bis zu 240 Kilometern.

Beim Thema Ladezyklus geht Lippert auch neue Wege. Klar, sein Sparky könne auch an der Steckdose auftanken, doch die CO2-Bilanz bei der Stromerzeugung sei gegenwärtig schlechter als die eines sparsamen Diesel. Seine Alternative: ein Mikro-Generator, eine "Hummel" im Kleinen. "Mit Kat, natürlich", sagt Lippert. Dieser Zwei-Zylinder schaltet sich zu, wenn die Batterie leer ist und lädt sie während der Fahrt wieder auf. Nach einer Stunde ist genug Strom im Akku, so dass der Sparky 200 Kilometer mit Elektroantrieb rollen kann. Das geht Lippert noch zu langsam. Sein Treibstoff? "Es geht auch altes, gefiltertes Frittenfett", sagt Lippert, tüftelt aber noch an einer Alternative mit Pflanzen-Ethanol.

(NGZ)
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