„Das Camp“ im RLT Neuss Bürgerbühne meistert Spagat zwischen Trash-TV und Krimi

Neuss · „Das Camp“ wurde auf der Studiobühne des RLT zweimal am Wochenende vor ausverkauftem Haus gespielt – und wusste zu überzeugen. Doch gab es etwa einen Mörder in den eigenen Reihen?

 Der Moderator hat es sich im Camp bequem gemacht.

Der Moderator hat es sich im Camp bequem gemacht.

Foto: Max Schubert

Auch in dieser Spielzeit entwickelte die Bürgerbühne am Rheinischen Landestheater (RLT) in Neuss wieder ein eigenes Stück. Als Gruppe zusammenfinden, Körperausdruck üben und Schauspieltechniken kennenlernen, das ist vornehmliches Programm der Bürgerbühne.

In Kooperation mit dem Off-Theater Nordrhein-Westfalen ist so „Das Camp“ entstanden, das auf der Studiobühne des RLT zweimal am Wochenende vor ausverkauftem Haus gespielt wurde. Das Stück scheint eines dieser Reality-TV-Formate zu sein, die niemand braucht. Weil aber dabei eine Krimikomödie entstanden ist, schaut das Publikum gespannt zu.

Die Texte sind im Miteinander entstanden, Bärbel Reimer, die auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, hat sie zu einem originellen Stück zusammengefasst. Uli Obst (Christian von Rittberg) verspricht mit der Assistenz vom Hausmeister (Hans-Willi Schmidt) „Mord und Brotschlag“, als er die Teilnehmer am 14-tägigen Camp empfängt.

Diese stellen sich – Klasse Idee! – per Video vor (Schnitt: Max Schubert): KK (Ruth Göbel), Ludwika (Ilse-Marie Harley), Frederike (Nava Skrobicki), Marina (Ulrike Gess), Noah (Tobias Flaskamp), Björnar (Andreas Gorgs) sowie Sarah-Luisa (Lea Schaub) und Kathrin (Sophie Szymkowiak).

Apropos „Schauspieltechniken lernen“: Das gesamte Ensemble stellt sich exzellent vor, lediglich Sarah-Luisa und Kathrin ragen mit einem perfekt getanzten Ballett heraus: „Die Trockene blüht auf!“ Ihre Gesänge sind ebenfalls top. Und auch die nervige Influencerin KK überzeugt in ihrer Mimik und Gestik.

Als dann im Rhein-Kreis Neuss eine präparierte Leiche gefunden wird, gewinnt das Camp an Fahrt. Ist der Mörder etwa im Camp? Irritationen bügelt eine gelassene Regiestimme aus dem Off (Robert Hüttinger) aus. Weniges blieb langatmig, manches unschlüssig wie die Wurst, die als „anale Phase der Kunstgeschichte“ gewertet werden soll. Taschenlampen – immerhin ein Krimi! – leuchteten die Promis schlecht aus, wo doch die gesamte RLT-Technik der Bürgerbühne zur Verfügung stand.

Als Noah schließlich in einem Epilog rief „Es lebe hoch, das deutsche Fernsehen“ gab es geradezu frenetischen Applaus. Nach sieben Vorhängen zeigte auch die RLT-Intendantin Caroline Stolz, wie wichtig die Bürgerbühne für sie und das gesamte Theater ist. Sie überreichte allen Mitwirkenden eine Sonnenblume.

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