Neuss : Darf ich bitten?

Ob Schützenfest, Hochzeit oder runder Geburtstag der Nachbarin – getanzt wird bei vielen Veranstaltungen. Wer nicht tanzen kann, kann es bei einem Antiblamagetanzkursus lernen. Ein Erfahrungsbericht.

Peinliche Stille kann ziemlich laut sein. Die anwesenden Frauen stupsen ihre Partner mehr oder weniger unauffällig an – im Raum steht die Frage, welcher Mann freiwillig zum Antiblamagetanzkursus gekommen ist. Nach kurzem Zögern melden sich die Männer. Nein, man habe sie nicht gezwungen. Höchstens der "gesellschaftliche Druck" zwinge einen, wie es einer der Teilnehmer nennt. Schließlich gehört bei vielen öffentlichen Veranstaltungen das Tanzen einfach dazu. Die Grundausstattung dazu vermittelt der "Antiblamagekurs" in einer Neusser Tanzschule.

Drei Standardtänze werden innerhalb von kurzer Zeit erlernt. "Die Männer sind meistens nicht von Beginn an vom Tanzen begeistert", sagt Tanzlehrerin Simone Görke. Die Leute hätten eine falsche, meist negative Vorstellung von der Tanzschule und seien dann durch das lockere Auftreten der Tanzlehrer positiv überrascht.

Zu Beginn sind die Teilnehmer noch sehr verschüchtert. Doch Tanzlehrer Oliver Görke sorgt mit lockeren Sprüchen für Entspannung. Es gebe drei Störfaktoren sagt Görke. Der erste Störfaktor sei die festgelegte Schrittfolge, der zweite Störfaktor die Partnerin und der dritte und schlimmste Störfaktor die Musik. Erleichtert lachen die Kurs-Teilnehmer. So schwer kann es also nicht werden. Dann geht es auch schon los. Keine große Vorstellungsrunde, sofort langsamer Walzer. Zunächst fühlen sich die Übungen etwas seltsam an: Jeder bewegt sich ohne Partner "trocken" auf der Stelle. Zwölf Menschen tanzen in einem großen Kreis, die meisten blicken abwechselnd auf ihre Füße und die von Tanzlehrer Görke.

Nachdem das gut funktioniert, geht es in die "Kampfhaltung". Wenn Görke davon spricht, meint er die Tanzhaltung: Der Herr legt seine rechte Hand mit geschlossenen Fingern auf das linke Schulterblatt der Dame, die rechte Hand der Dame liegt in der linken Hand des Herrn, im Idealfall in Augenhöhe der Dame gehalten. Die Technik wird nun gemeinsam geübt. Dann kommt Störfaktor drei dazu: die Musik. Die Szene sieht fast schon wie bei einem echten Ball aus – einzig die Kleidung ist zu leger dafür. Geschafft. Der Walzer sitzt. Gedauert hat das nur eine halbe Stunde. Es geht weiter mit Discofox. Der Ablauf ist gleich. Zuerst alleine, dann mit Partner und mit Musik. Nach einer Stunde beherrschen die Teilnehmer bereits zwei Tänze. Erschöpft und zufrieden geht die kleine Gruppe auseinander. Nächste Woche geht es mit Tanz Nummer drei weiter.

Wiederkommen werden die meisten – schließlich war die Tanzstunde nicht unangenehm und kein bisschen blamabel.

(NGZ)