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Vesuv von Neuss bei Maischberger: "Dann steige ich eben auf Zigarren um"

Vesuv von Neuss bei Maischberger : "Dann steige ich eben auf Zigarren um"

In der ARD-Talkshow "Menschen bei Maischberger" waren am Dienstagabend der Neusser Bürgermeister Herbert Napp und der Düsseldorfer Rentner Friedhelm Adolfs zu Gast. Thema der Sendung war unter anderem das Rauchverbot.

Der "Vesuv von Neuss" lässt bundesweit weiterhin Dampf ab. Für einen medienwirksamen Auftritt verzichtet Herbert Napp (66) sogar 75 Minuten lang auf seine geliebte Zigarette.

Der neben Altkanzler Helmut Schmidt wohl bekannteste Raucher Deutschlands stritt als Gast der ARD-Talkrunde "Menschen bei Maischberger" für das Recht der Raucher: "Ich rauche seit dem 18. Lebensjahr und bin der Überzeugung, wenn ich Zigaretten kaufe, kaufe ich ein legales Genussmittel." Drei Mal habe er schon das Rauchen unterbrochen; zuletzt drei Monate: "Ich habe gern wieder angefangen."

Als leidenschaftlicher Raucher kritisiert Herbert Napp das nordrhein-westfälische Nichtraucherschutzgesetz, das in seinen Augen ein "Raucherverfolgungsgesetz" ist. Der dienstälteste Bürgermeister im Land will auch im Rathaus weiterqualmen.

Dabei setze er sich nicht über das Rauchverbot hinweg: "Man darf Raucherzimmer in öffentlichen Gebäuden einrichten. Mein Besprechungstisch steht im Nichtraucherzimmer." Auf den Vorwurf des Nichtraucher-Schützers Helmut Weber, er interpretiere das Gesetz nach seinem Gusto, entgegnete Napp, er dürfe das: "Über diese Frage soll der Wähler entscheiden."

Inzwischen ordnete die Bezirksregierung Düsseldorf an, dass Napp, der den Spitznamen "Vesuv von Neuss" trägt, in seinem Dienstzimmer nicht mehr rauchen darf. Nach einem Gespräch bei Regierungspräsidentin Anne Lütkes brütet Napp nun über einen Vorschlag für eine "einvernehmliche und gesetzeskonforme Lösung". Dieser liegt aber noch nicht vor.

Rauchender Rentner zugeschaltet

Zu den Talkgästen bei Maischberger gehörte auch der Düsseldorfer Rentner Friedhelm Adolfs. Der 75-Jährige war aus seiner Wohnung in das Studio in Köln-Bocklemünd zugeschaltet, wo die vom WDR produzierte Sendung am Nachmittag aufgezeichnet worden war.

Seine Vermieterin hatte ihm nach 40 Jahren den Mietvertrag gekündigt, weil er zu stark rauchte und der Qualm angeblich die anderen Mieter belästigte. Er nahm sich eine Anwältin und zog vor das Amtsgericht Düsseldorf. Der Richter entschied jedoch wegen eines Formfehlers zugunsten der Vermieterin. Aber noch darf Adolfs in seiner Wohnung bleiben.

Die Moderatorin wollte genau wissen, "wie es weitergeht", sagte Adolfs, der während der Aufzeichnung in seiner Wohnung eine Zigarette rauchte. "Ich habe gesagt, dass ich weiter kämpfen werde und mich nicht aus meiner Wohnung schmeißen lasse." Der Rentner hat Berufung eingelegt.

Seit im Mai in NRW das verschärfte Nichtrauchergesetz in Kraft getreten ist, gibt es einen erbitterten Streit zwischen Rauchern und Nichtrauchern sowie von Bürgern, die sich von der Landesregierung — insbesondere den Grünen — durch die Neureglung bevormundet fühlen.

Während die Gastwirte über Umsatzeinbußen klagen und der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga bereits von einem Kneipensterben spricht, bewerten die anderen das Gesetz als längst überfälligen Schritt, der die Allgemeinheit vor dem schädlichen Qualm besser schützt.

Ein Bündnis von Raucher-Initiativen will den Beschluss in NRW wieder kippen und sammelt Unterschriften für die Anmeldung eines Volksbegehrens. Die Landesregierung will dennoch an dem umstrittenen Gesetz festhalten.

"Dann steige ich auf Zigarren um"

Der Jurist Napp schöpft aus Auseinandersetzungen sein Lebenselixier. So auch aus dem Kampf gegen das Rauchverbot. Weder mag er klein beigeben, noch mag er seine Mitraucher und sich in eine Schmuddelecke der Gesellschaft stellen lassen.

Gegen Bevormundungen aller Art streitet er gern. Am Samstag spricht Napp in Neuss auf einer Kundgebung der Innenstadtwirte, die sich gegen das Rauchverbot wehren. Eine Kostprobe seiner Streitkultur erlebten die TV-Zuschauer am Dienstagabend, wobei sich Napp besonders mit Nichtraucher-Schützer Weber fetzte. Weber ging es Detail, um die Gefährlichkeit von Zigarretten aufzuzeigen. "Das Rauchen ist die gefährlichste Gesundheitseinwirkung. In einer Zigarette sind 4800 Stoffe enthalten. Mehr als 90 sind krebseregend", sagt der Mediziner. Napp hält diese Darstellung für übertrieben. "Wenn das stimmen würde, dann wäre Tabakrauch ja so etwas wie eine Chemiewaffe."

Weber bezeichnete Napp zudem als pubertär und stellte in Zweifel, ob Napp das adäquate Ansehen eines Bürgermeisters habe. "Diese Frage hat der Neusser Wähler mehrfach beantwortet. Ich bin mehrfach gewählt worden", entgegnete Napp.

Uneinigkeit gab es auch in einem weiteren Punkt. Als Weber dem Neusser Bürgermeister vorrechnete, der Preis für eine Zigarettenpackung schnelle auf 43 Euro hoch, würden die Folgekosten des Rauchens umgelegt, konterte Napp: "Dann steige ich auf Zigarren um!"

(RP)