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Neuss: Damals: 800 Menschen und viele Felder

Neuss : Damals: 800 Menschen und viele Felder

Die alteingesessenen Allerheiliger freuen sich über die gewachsene Infrastruktur – und hoffen auf mehr Beteiligung der Neubürger am Dorfleben.

Die alteingesessenen Allerheiliger freuen sich über die gewachsene Infrastruktur — und hoffen auf mehr Beteiligung der Neubürger am Dorfleben.

Josef Pesch wohnt schon seit 71 Jahren in Allerheiligen — seit seiner Geburt. Kein Wunder, dass er zu nahezu jeder Ecke im Stadtteil etwas zu berichten weiß: "An dieser Stelle stand mal das Gut Illinghausen, ein Hof aus dem 17. Jahrhundert", sagt Pesch, während er die Straße "Am Alten Bach" entlang geht. Und die heißt so, weil dort früher der Norfbach floss. Woher der Name Allerheiligen kommt weiß er allerdings nicht genau. "Eine Vermutung ist, dass das Kloster Allerheiligen aus dem Schwarzwald hier Land besaß." 1635 sei der Name erstmals urkundlich erwähnt.

Wer "Am Alten Bach" entlang geht, der erblickt sie plötzlich überall: Alte Höfe, neu verklinkert, hier mal eine historische Mauer. Die Straße schlängelt sich einmal quer durch "Alt-Allerheiligen", der Kernzelle des Stadtteils. "Bis in die 1970er Jahre hinein war Allerheiligen ein kleines, ländliches Dorf mit 800 Einwohnern", sagt Josef Pesch. Ein Dorf ohne eigene Kirche. "Deshalb bauten die Bürger in Eigeninitiative 1870 die Marienkapelle, um einen kleinen Ersatz zu haben", sagt Karl Heinz Wollenhaupt, der Erste Brudermeister der St. Peter Schützenbruderschaft Allerheiligen, der sich dem Spaziergang angeschlossen hat.

Das "Kapellchen" nennen die Alt-Allerheiliger die Kapelle liebevoll. Das erste Baugebiet entstand dann in den 1970er Jahren gegenüber der sogenannten "Enge". "Dort wurden Häuser mit vier bis fünf Etagen gebaut, was manche Allerheiliger überhaupt nicht gut fanden. Aber man kann froh sein, dass überhaupt gebaut wurde", sagt Pesch. Von da an wuchs der Ort, zunächst in Richtung Südwesten. "Infrastruktur gab es aber erst später: In den 1990er Jahren bekamen wir den ersten Supermarkt — und zwar zunächst in einem Zelt", sagt Wollenhaupt. Und auch wenn der Ort in den vergangenen Jahren durch die großen Neubaugebiete hinter der S-Bahn-Linie weiter um mehrere tausend Menschen gewachsen ist: "Man kann sich nicht beschweren: So eine gute Infrastruktur wie heute hatten wir hier noch nie. Mit Supermärkten, S-Bahn, Ärzten und mehreren Kindergärten und Spielplätzen", sagt Josef Pesch. "Es fehlt allerdings dringend ein Kinderarzt."

Die vielen Menschen zusammenzuhalten und die Neubürger in die alte Dorfgemeinschaft zu integrieren, sei allerdings für die Schützen als einzigen Verein am Ort sehr schwierig, sagt Wollenhaupt. "Allerheiligen ist etwas zu schnell gewachsen. Wir konnten doch gar nicht jeden ansprechen." 150 Schützen sind im Verein aktiv und gestalten neben dem Schützenfest im August auch Dorffeste oder den St. Martinszug. "Da sammeln wir für die Tüten von 1200 Kindern." Dafür und bei all den anderen Aktivitäten hoffe man auf eine noch stärkere Beteiligung der Neu-Zugezogenen.

(NGZ)