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Neuss: Dachdecker stellen die Boombranche

Neuss : Dachdecker stellen die Boombranche

Gerade der Energiewandel sorgt für viele Aufträge im Handwerk. Die Betriebe stellen jeden sechsten Arbeitsplatz.

Dachdecker sind heute nicht nur Handwerker, die das Dach decken, sondern Fachleute für Solarenergie, Wärmedämmung und Energieeinsparungen. Ihre Branche boomt, nicht erst, seitdem die Bundesregierung eine Energiewende hingelegt hat. Die Kosten für Energie steigen immer mehr, Hausbesitzer versuchen, durch Dämmung die Wärmebilanz ihrer Immobilien zu verbessern. Bei den meisten Betrieben gibt es monatelange Wartezeiten. Paul Neukirchen, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in Krefeld, Viersen, Neuss, bestätigt die hohe Nachfrage: Alle Betriebe, die mit Energiesparen zu tun haben, melden eine Zunahme der Beschäftigungszahlen: Gegenüber dem zweiten Vierteljahr 2012 sind bei den Klempnern, Installateuren und Heizungsbauern 2,3 Prozent mehr Beschäftigte verzeichnet, bei den Tischlern 1,7 Prozent und bei den Dachdeckern 1,4 Prozent.

Bei diesen drei Branchen liegen beim Umsatz die Dachdecker vorn: Ihr Umsatz nahm gegenüber dem Sommervierteljahr um 11,8 Prozent zu, bei den Heizungsbauern um 9,2 Prozent. "Die Besten nach oben" ist so auch der selbstbewusste Slogan der Dachdecker, um Nachwuchs anzuwerben. Der Geschäftsklimaindex bei den Dachdeckern im Kammerbezirk Düsseldorf ist mit 84 Prozent gut. Ihre Geschäftslage sehen 43 der Dachdecker im Kammerbezirk als gut an, 47 Prozent als befriedigend. 12 Prozent erwarten eine Verbesserung der Lage, 67 Prozent setzen auf gleichbleibende Geschäfte. Der Auftragsbestand ist bei 31 Prozent der Betriebe gestiegen, bei 43 Prozent gleich geblieben, nur bei 27 Prozent ist er gefallen. Zweidrittel der befragten Betriebe erwarten, dass der Auftragsbestand steigt oder gleichbleibt. Auch diese Zahlen zeigen, dass das Handwerk eine stabile Stütze des Wirtschaftslebens ist. Paul Neukirchen rechnet vor: Bei einer Million Handwerksbetrieben mit durchschnittlich fünf bis sechs Beschäftigten stellt das Handwerk in Deutschland jeden sechsten Arbeitsplatz — und das dezentral und flächendeckend ortsnah. Neukirchen steht in der regionalen Kreishandwerkerschaft für 11500 Betriebe. Die Industrie in Krefeld war immer schon exportorientiert, gibt Neukirchen zu bedenken. Bei einem konjunkturell bedingten Exportrückgang in Folge der Finanzkrise oder Staatsschulden in den südlichen Euro-Ländern ist das Handwerk für Neukirchen ein stabilisierender Faktor. Das Handwerk bedeutet Binnenkonjunktur, und die laufe immer noch deutlich besser als die Gesamtkonjunktur.

Prof. Wolfgang Schulhoff, Präsident der Handwerkskammer NRW in Düsseldorf, sagt es in seinem Lagebericht ganz eindeutig: "Das Handwerk ist auch in Nordrhein-Westfalen die eigentliche Stütze für wirtschaftliche Entwicklung, stabile Beschäftigung und hohes Ausbildungsengagement. Das wird im Industrieland NRW manchmal übersehen." Die Lage im Handwerk ist 2012 weiterhin gut gewesen, wenn auch die Erwartungen an 2013 gedämpft sind.

(NGZ)