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Coronavirus in Neuss: Schulen zu schließen trifft die Abiturienten

Coronavirus in Neuss : Schulzeitende ohne Partystimmung

Die Entscheidung, ab Montag die Schulen zu schließen, schafft für die Abiturjahrgänge eine Sondersituation. Das öffentliche Leben in Neuss bringt sie weiter zum Erliegen. Der Bürgermeister wirbt per Videobotschaft um Verständnis.

Plötzlich letzter Schultag: Mit der Weisung der Landesregierung, ab Montag (16.) alle Kindertageseinrichtungen und Schulen zu schließen, endet für die angehenden Abiturienten schneller als gedacht ihre Schulzeit. Richtig freuen können sich darüber Noemi Gröne, Julia Breuer und Konstantia Varvarezou vom Abi-Vorbereitungskomitee der Janusz-Korczak-Gesamtschule nicht. Denn sie werden um den Knalleffekt zum Abschluss ihrer langen Schullaufbahn gebracht: Keine Mottowoche vor dem eigentlich letzten Schultag am 3. April, kein Abi-Gag, keine Abi-Parade mit den anderen Abiturienten aus dem Kreis und keine Abi-Party. „Wir sind so enttäuscht“, sagt Gröne.

Die Möglichkeit, dass der Freitag – den viele Abiturienten am Abend mit einer Spontanfeier auf dem Markt beschlossen – ihr letzter Schultag werden könnte, war den Schülerinnen erst zwei Tage zuvor bewusst geworden. Trotzdem seien sie „kalt erwischt“ worden, sagt Gröne. Der Abi-Film wird nun unvollendet bleiben – und viel Geld verlieren die Komitees auch. Geld, das sie in den Vorjahren mit Ideenreichtum und Fleiß kollektiv für eine große Sause am Schluss erarbeitet haben.

Hinzu kommt, dass die Abiturienten nicht nur mit ihrer Enttäuschung fertig werden, sondern dringende Fragen klären müssen: Wie kann man auf den letzten Metern vor den Abitur-Prüfungen Kontakt mit den Lehrern halten? Wie wird die Prüfungsvorbereitung organisiert? Wie erfährt man über die Ergebnisse der Abi-Vorklausuren und ob man überhaupt für das „Finale“ zugelassen wird? Und: Kann das klappen, die Prüfungen wie vorgesehen abzulegen? Denn viele wollen – wenn das geschafft ist – Urlaub machen, ein Praktikum absolvieren oder ins Ausland gehen. Und: Wird es überhaupt einen Abi-Ball geben können?

Während der ministerielle Erlass vom Freitag den Abi-Jahrgang 2020 auf eine emotionale Achterbahn-Fahrt schickt, bringt er das öffentliche Leben in Neuss noch mehr zum Erliegen. Denn von der Schließung aller Schulen ist auch der Sport massiv betroffen. „Auch die städtischen Sporthallen sowie die  Sportheime inklusive der Umkleide- und Duschräume sind ab sofort geschlossen“, berichtet Stadt-Sprecher Peter Fischer. Von den ebenfalls betroffenen Kultureinrichtungen ist am Samstag nur noch die Stadtbibliothek geöffnet, damit sich die Menschen, wie er erklärt, noch mit Lesestoff eindecken können. Und während für die Schulen die Osterferien beginnen, beginnt in der Eissporthalle am Samstag sogar die Sommerzeit. Die Saison endet zwei Wochen früher als geplant und, wie Stadtwerke-Sprecher Jürgen Scheer berichten muss, ohne die Schaumparty zum Schluss. Die Bäder aber bleiben vorerst geöffnet.

Die Schließung der Sporthallen und Kulturinstitute ist aus Sicht der Stadt ein Baustein in einem umfangreichen Maßnahmenpaket, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. In einer Videobotschaft wirbt seit Freitag Bürgermeister Reiner Breuer um Verständnis dafür, dass bis zum Ende der Osterferien am 19. April alle Großveranstaltungen in Neuss untersagt, alle Veranstaltungen der Stadt ausgesetzt, sowie die offenen Treffs und Jugendeinrichtungen geschlossen werden. Private Veranstalter und Vereine bitte er zu prüfen, ob ihre Veranstaltungen zwingend notwendig sind oder verschoben werden können. Und an alle appelliert Breuer, solidarisch zu sein: „Kümmern Sie sich bitte auch um Ihre Mitmenschen.“