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Corona-Virus hinterlässt erste Spuren in den Krankendaten der AOK

Krankenstand 2019 im Rhein-Kreis ausgewertet : Immer mehr psychische Erkrankungen

Die Krankenkasse hat die Fehltage der Beschäftigten für 2019 ausgewertet. Psychische Erkrankungen nehmen zu. Oft kündigen sie sich mit anderen Symptomen wie Rückenschmerzen an. Die Kasse rät zu mehr Achtsamkeit.

Die Grippewelle, die vielleicht am Jahresanfang zu erwartende gewesen wäre, blieb aus, doch dann kam Corona. Wie sehr das Virus die Menschen im Rhein-Kreis alarmiert hat, lässt sich schon an ersten Statistiken der AOK ablesen.

Während die Zahl der Atemwegserkrankten unter den bei der Kasse versicherten Arbeitnehmern im Januar und Februar noch 15 Prozent niedriger lagen als genau ein Jahr zuvor, schnellte sie im März um 58,4 Prozent auf 4581 Fälle nach oben. Mit einer Corona-Diagnose krank geschrieben waren von den AOK-Versicherten aber nur 24 im März und 25 im April. In Sachen Corona sei der Kreis „völlig unauffällig“, sagt Marion Schröder, die Regionaldirektorin der AOK Rheinland/Hamburg, die für den Anstieg im März, dem ein fast ebenso großer Rückgang im April folgte, eine Deutung anbietet: Vorsicht. Wer Symptome hatte, die zu Corona passen könnten, blieb zuhause.

Corona ist derzeit in aller Munde, und wird in der Jahresstatistik 2020, die die AOK zum Thema Arbeitsunfähigkeit führt, eine Rolle spielen. Doch Infektionen hat es immer gegeben – und wird es immer geben. Auch 2019 war jede vierte Krankschreibung, die die Kasse unter „Sonstige“ verbucht, so begründet. Das belegen die am Mittwoch von Norbert Bussmann und Matthias Czarny bei der AOK an der Oberstraße vorgestellten Daten.

„Sonstige“ erfasst, was nicht als Unfall gilt oder zu den „klassischen“ Krankheitsgruppen zu zählen ist. Neben Atemwegserkrankungen unterscheidet die AOK außerdem zwischen Schäden an Muskeln oder Skelett, Erkrankungen der Verdauungsorgane, Herz-Kreislauferkrankungen und – seit Jahren ansteigend – psychische Erkrankungen.

Für Czarny liegt ein Bezug zur Arbeitswelt auf der Hand, denn psychische Erkrankungen, so der Experte des AOK-Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung, steigen besonders in Ballungsräumen mit großem Dienstleistungssektor. Und mitunter kündigen sie sich mit anderen Symptomen an. Ein Indikator für seelischen Druck in einer durch immer größeres Tempo und eine zunehmende Arbeitsverdichtung geprägten Arbeitswelt ist, was sich in der Statistik als „unspezifischer Rückenschmerz“ niederschlägt. Kreisweit machen sie schon die Hälfte der durch Muskel- oder Skeletterkrankungen verursachten Fehltage aus. Wenn Vorgesetzte und Arbeitgeber darauf reagieren, können durch Gegensteuern Dauererkrankungen vermieden werden, sagt Schröder. Die AOK mit ihren Präventionsangeboten und zunehmend digitalen Unterstützungs- und Beratungsleistungen biete den Firmen dazu gerne jede mögliche Hilfe an.

Bezogen auf die bei der AOK versicherten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag der Gesamtkrankenstand mit 5,83 Prozent in etwa auf Vorjahresniveau. Bei den Arbeitnehmern, die innerhalb von sechs Wochen zurück in den Job kamen, sank der Krankenstand leicht auf 4,1 Prozent, der Anteil der Langzeiterkrankten (42 Tage und mehr) stieg dagegen leicht an. Für Czarny schlägt sich in der Zahl auch nieder, dass das Durchschnittsalter der AOK-Versicherten im Kreis vergleichsweise hoch ist. Wer sich krank meldete, fiel für durchschnittlich 12,14 Kalendertage aus. Insgesamt addierten sich die Fehltage im Rhein-Kreis auf 837.131.