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Corona-Spaziergänge in Neuss: Politik bietet Impfkritikern erstmals Paroli

Corona-Spaziergänge in Neuss : Politik bietet Impfkritikern Paroli

Erstmals gab es am Montag eine Gegenkundgebung zu den so genannten Corona-Spaziergängern. Eine Debatte kam zwar nur vereinzelt zustande, doch konnten die Ärzte vor Ort einige wenige Neusser, die zum Rathaus gekommen waren, impfen.

Die Polizei war unübersehbar, doch sie musste nicht einschreiten. Zwar hatten die Vertreter politischer Parteien am Montagabend erstmals eine Gegenkundgebung organisiert, um den so genannten Corona-„Spaziergängern“ vor dem Rathaus die Stirn zu bieten, aber zu einer Konfrontation kam es nicht. Schweigend zogen die nach Polizeischätzung rund 260 Impfskeptiker und Kritiker von Corona-Schutzmaßnahmen am Montagabend an den Infoständen der Parteien vorbei, höchstens spöttische Zurufe wurden laut: „Da steht die Mehrheit“, höhnte ein Spaziergänger in Richtung der Politik.

Dabei sah es lange so aus, als würden die Teilnehmer dieser einmal mehr nicht angemeldeten – und damit illegalen – Kundgebung einem direkten Treffen aus dem Weg gehen wollen. Um 18.15 Uhr hatten sie sich mit Polizeibegleitung vom Münsterplatz aus über den Büchel in Richtung Marienkirchplatz aufgemacht – und blieben lange weg. Heinrich Thiel (SPD) merkte schon an: „Das zeigt, dass sie gar nicht gesprächsbereit sind“, da kamen die Spaziergänger doch zurück. Friedlich, wie die Einsatzleitung der Polizei feststellt. 

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Auch wenn sich beide Gruppen nichts zu sagen hatten: Sascha Karbowiak, SPD-Parteichef und einer der Ideengeber dieser Infokampagne „Gemeinsam fürs Impfen – Solidarität gegen Corona“, wertete die Aktion der Politik als Erfolg. Nicht nur, weil es gelungen sei, wie er bemerkte, „das Rathaus als Haus aller Neusser vor einer Abschlusskundgebung der Spaziergänger zu schützen“. Sondern auch, weil sich eine Handvoll Neusser eingefunden hatte und zu einer Impfung bereit zeigte. 200 Spritzen hatte Guido Pukies in seiner Praxis dafür vorbereitet. Er war einer von vier Ärzten vor Ort, die sich in vereinzelten Gesprächen auch herausgefordert sahen. Meist argumentierten sie vergeblich. „Wenn eine Frau kommt und stur behauptet, an der Impfung sterben mehr als an Corona – dann ist jede Argumentation aussichtslos“, stellte Karl-Heinz Munter, Arzt im Dienst des DRK, lakonisch fest.

Zum nächsten Termin der Spaziergänger am Freitag hat die SPD wieder einen Infostand angemeldet. Offen war am Montag, wer dann dort für die Kampagne werben wird.