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Corona-Krise in Neuss: Tierheim Bettikum kann kaum noch Tiere vermitteln

Vermittlungen in Neuss : Hundezwinger im Tierheim sind voll belegt

In der Corona-Krise werden zwar nicht mehr Tiere abgegeben. Aber es gibt weniger Vermittlungen. Dafür steigt die Zahl der Menschen, die ehrenamtlich helfen.

Verschlossene Tore und kaum noch leere Hunde-Zwinger: Die Corona-Krise macht sich auch im Neusser Tierheim Bettikum bemerkbar: „Wir haben im Moment 32 Hunde bei uns“, erzählt Leiterin Monika Provaznik. „Wenn  man bedenkt, dass es sonst zwischen 19 und 22 sind, kann man schon sagen, dass wir gut belegt sind.“

Das liege jedoch nicht daran, dass in Zeiten von Corona mehr Menschen ihre Tiere abgeben. Im Gegenteil: „Wir haben mit einem viel größeren Ansturm gerechnet. Besonders von Leuten, die in Quarantäne sind und ihre Hunde in dieser Zeit nicht ausführen können“, sagt die Leiterin, „aber anscheinend funktioniert die Nachbarschaftshilfe da gut.“ Dennoch ist das Tierheim auf solche Anfragen eingestellt und hat zwei Zwinger extra für temporäre Fälle reserviert. „Die anderen sind alle belegt, deswegen ist es zurzeit nicht möglich, einen Hund bei uns abzugeben.“  Ausgelastet ist das Tierheim deswegen so hoch, weil derzeit kaum Tiere an neue Besitzer vermittelt werden. „Wenn wir regulär geöffnet haben, kommen Besucher vorbei und entdecken bei uns ein Tier, bei dem der Funke überspringt“, erzählt die Leiterin. Doch auch wenn das Tierheim momentan für Besucher nicht regulär geöffnet ist, heißt es nicht, dass keine Vermittlungen stattfinden können. Personen, die mit dem Gedanken spielen, ein Tier aufzunehmen, rät die Tierheimleiterin, sich zunächst auf der Internetseite zu informieren. Interessierte können sich dann telefonisch an das Heim wenden, dann werde gemeinsam der weitere Ablauf besprochen.

Aber auch eine positive Auswirkung habe die Corona-Zeit: „Bei uns melden sich mehr Menschen, weil sie einen Hund ausführen möchten. So eine Nachfrage haben wir sonst, wenn überhaupt, nur am Wochenende“, sagt Provaznik. Die Hunde werden vormittags ausgeführt. Wer Interesse daran hat, mit einem Hund spazieren zu gehen, sollte zunächst im Tierheim anrufen, das entsprechende Planungen treffen kann. Auch wird ein Sachkundenachweis gefordert. Den kann man beim Tierarzt erwerben: „Es gibt verschiedene Fragen, ähnlich wie bei einer Führerscheinprüfung, die man im Internet nachsehen kann“, erklärt Provaznik. „Der Tierarzt fragt sie ab und stellt dann eine Bescheinigung aus. Dafür wird allerdings auch eine Gebühr erhoben.“

Die Leiterin weist darauf hin, dass es derzeit viele große Hunde im Tierheim gibt: „Die können nicht von jedem gehalten werden, da müssen wir auch etwas auf die Konstitution der Interessierten achten“, sagt sie.

In Zeiten wie diesen sind Tierheime und Tierschutzvereine mehr denn je auf Spenden angewiesen – Vermittlungseinnahmen bleiben aus, ebenso wie Spenden, die ansonsten auf Basaren und Veranstaltungen wie einem „Tag der offenen Tür“ gesammelt werden können. „Unabhängig von Corona-Hilfsmaßnahmen, die nur die größten Löcher stopfen werden, sind auch wir mehr denn je auf Hilfe angewiesen“, heißt es so auch auf der Website des Neusser Tierheims.