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Corona in Neuss: Gastronomie im Überlebens-Modus

Corona-Lockerungsmaßnahmen in Neuss : Gastronomie im Überlebens-Modus

Mit den angekündigten Lockerungsmaßnahmen schöpfen Gastronomen die Hoffnung, zumindest ihre Verluste erst einmal zu reduzieren. Nicht überall wird sich der Betrieb rechnen. Aber immerhin ist es ein Licht im Überlebenskampf.

Es ist ein erstes leichtes Aufatmen für die Gastronomen in der Stadt. Die angekündigten Lockerungsmaßnahmen, die ab 11. Mai gelten sollen, geben ihnen zumindest wieder eine Perspektive. Ralph Heinz, der mit seiner Frau Alexandra die „Flotte Theke“ am Theodor-Heuss-Platz betreibt, betont, dass die Corona-Pandemie die Branche mit voller Breitseite erwischt hat. „Durch unseren Essens-Lieferservice konnten wir zumindest zehn bis 15 Prozent des Umsatzes retten“, sagt Heinz. Der Rest aber sei weggefallen. „Das gilt erst recht für Gaststätten und Eck-Kneipen, die kein solches Essensangebot anbieten können.“ Heinz hofft, dass die Lockerungsmaßnahmen dafür sorgen, die Betriebe wieder einigermaßen in Gang zu bekommen – und dass genug Gäste kommen.

Dass Abstandsregeln eingehalten und damit weniger Sitzplätze angeboten werden können, müsse man erst einmal in Kauf nehmen. Hauptsache, es gehe überhaupt weiter. „Hygienemaßnahmen können wir problemlos umsetzen. Und wenn zum Beispiel in unserem Außenbereich künftig statt etwa 30 nur noch zwölf Leute Platz finden, dann ist das so. Ich nehme jeden Kunden gerne mit“, sagt Heinz. Auch die Idee, Außenflächen zum Beispiel vorübergehend auszudehnen, hält er für diskussionswert. Heinrich Thiel (SPD) kündigt an, einen entsprechenden Prüfantrag im Stadtrat, der am Freitag tagt, zu stellen. „So könnten Gastronomen möglicherweise mehr erwirtschaften, um Einnahmeausfälle zu kompensieren“, sagt Thiel. Die CDU will die Gebühren für die Außengastronomie für 2020 komplett erlassen.

 Gastronom Thomas Krucza in der auch für private Feiern beliebten Trafostation. Bis weit in den Sommer hinein hagelte es Absagen – zum Beispiel von Hochzeitsgesellschaften.
Gastronom Thomas Krucza in der auch für private Feiern beliebten Trafostation. Bis weit in den Sommer hinein hagelte es Absagen – zum Beispiel von Hochzeitsgesellschaften. Foto: Andreas Woitschützke

Die Wirtschaftlichkeit ist in den Betrieben natürlich ein großes Thema. Eine Gaststätte, die die Corona-Pandemie nicht überstanden hat, ist das „Max & Moritz“ an der Neustraße. Sie bleibt dicht. Das bestätigt Betreiber Thomas Krucza. „Es gibt allerdings mehrere Faktoren, die zu dieser Entscheidung geführt haben“, erklärt er. Letztlich habe die Corona-Pandemie der Gaststätte aber den Rest gegeben. „Nach der Absage des Kappessonntagszuges und des Schützenfestes samt der Ehrenabende haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen. Diese Veranstaltungen haben stets für guten Umsatz gesorgt.“ Der fällt 2020 weg – und das lasse sich auch mit einer Öffnung unter Lockerungsmaßnahmen nicht auffangen. „Für eine kleine Kneipe mit gefühlt fünf Gästen, die wegen der Einschränkungen erlaubt sind, rechnet sich das einfach nicht.“ Am „Schärpe Eck“, das er mit Partnern betreibt und erst im Januar neu eröffnete, und der Trafo-Station will Thomas Krucza festhalten. Bei Letzterer sind allerdings zahlreiche Veranstaltungen – zum Beispiel Hochzeitsfeiern – weggebrochen.

Unterstützung für die von der Corona-Pandemie betroffene Neusser Wirtschaft – und damit insbesondere auch die Gastronomie – soll es durch den sogenannten, mit fünf Millionen Euro ausgestatteten Standortstärkungspakt geben, über den der Stadtrat diskutiert. Unter anderem geht es um eine anteilige Übernahme der Zahlungsverpflichtungen aus dem Zeitraum April bis Juni bis zu einem Maximalbetrag von 5000 Euro. Außerdem soll darüber entschieden werden, auf die Erhebung der sogenannten Terrassengebühr für das Jahr 2020 entweder ganz oder teilweise zu verzichten, und es soll eine „Anpassung der Betriebszeiten für derzeit eingeschränkte Außengastronomie“ geprüft werden. Im Gespräch sind also längere Öffnungszeiten.

 Corona gab ihr den Rest: Die Gaststätte „Max & Moritz“, die im August 2019 als Nachfolger des „Maxx“ eröffnete, bleibt dicht. Das haben die Betreiber entschieden.
Corona gab ihr den Rest: Die Gaststätte „Max & Moritz“, die im August 2019 als Nachfolger des „Maxx“ eröffnete, bleibt dicht. Das haben die Betreiber entschieden. Foto: Andreas Woitschützke

Wie die vom Land angekündigten Lockerungen umgesetzt werden, soll bei einem „Runden Tisch“ mit den Gastronomen geklärt werden, zu dem Bürgermeister Reiner Breuer lädt. „Er kann wohl erst nächste Woche stattfinden, wenn wir auch den Rechtsrahmen kennen“, erklärt er. „Bekanntlich dauert es in NRW immer etwas von der öffentlichen Verkündung bis zum Vorliegen der Rechtsvorschriften.“