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Neuss: Clemens-Sels-Museum unter Denkmalschutz?

Neuss : Clemens-Sels-Museum unter Denkmalschutz?

Der Punkt steht ganz vorne auf der Tagesordnung des morgigen Kulturausschusses: "Entscheidung zum Antrag des LVR auf Eintragung des Clemens-Sels-Museum in die Denkmalliste". Die Verwaltung kritisiert das Gutachten.

25 Seiten umfasst das Gutachten, das das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland zur Denkmalwürdigkeit des Clemens-Sels-Museum erstellt hat. Mit dem — auch erwarteten — Ergebnis, dass daran kein Zweifel besteht. Deutlich kürzer, nämlich zehn Seiten umfasst die Stellungnahme der Stadtverwaltung zum Gutachten. Beide werden morgen im Kulturausschuss vorgestellt.

Was sagt das Gutachten des LVR?

In vier Kategorien wurde das Museum auf seine Bedeutung untersucht und gewertet: architekturhistorisch, ortsgeschichtlich, städtebaulich und künstlerisch. Im Werk von Baumeister Harald Deilmann markiere das Museum "einen Höhepunkt in der Entwicklung seines Stils in den 1960er Jahren", heißt es. Ortsgeschichtlich gilt es als bedeutendes Zeugnis der Museumsgeschichte der Stadt Neuss. Städtebaulich wichtig sei es, weil das Museum dem mittelalterlichen Stadtkern in Richtung Süden einen "erkennbaren Abschluss" gebe. Und künstlerisch betrachtet sei der Bau "eine der gelungensten Umsetzungen des funktional-skulpturalen Gestaltungsprinzips im Werk Deilmanns".

Wie reagiert die Verwaltung?

Eine Beschlussempfehlung wird nicht gegeben — das Kästchen enthält nur die Bemerkung "nach Beratungsverlauf". Die Verwaltung führt aber aus, dass die Ausführungen des Gutachtens "nicht in allen Punkten" überzeugen. Das gelte vor allem für die "Planungsgeschichte, den Planungsvorhaben und der Entwurfsentwicklung", heißt es in der Vorlage.

Dabei bezieht sich die Verwaltung vor allem auf einen Schriftwechsel zwischen der damaligen Museumschefin Irmgard Feldhaus und dem Architekten Harald Deilmann, der deutlich macht, dass die Neusserin an seinem Entwurf mit Blick auf den Hauptzweck, die Präsentation der Kunstsammlungen, vor allem die "ständig wechselnden Niveauunterschiede, die Zwischengeschosse, Verwinkelung der Grundrisse und Verschleifung einzelner Räume" (Zitat aus einem Feldhaus-Brief) bemängelte. Zudem sieht man man in dem Entwurf keineswegs — wie im Gutachten geäußert — ein "herausragendes Beispiel bzw. gelungensten Bau Deilmanns in den 1960er Jahren". Und zur Beurteilung der Bedeutung für den Städtebau in Neuss wird festgehalten, dass das Gutachten nicht darlege, "dass eine mögliche Veränderung oder Beseitigung des CSM die städtebauliche Struktur so stören würde, dass ihr geschichtlicher Ursprung nicht mehr zu erkennen wäre".

Was sagen CDU und SPD?

Zu einer Diskussion über das Gutachten und die Stellungnahme wird es möglicherweise im Kulturausschuss gar nicht kommen, weil die FDP laut Joachim Goerdt, kulturpolitischer Sprecher des großen Koalitionspartners CDU, vermutlich Beratungsbedarf anmelden wird. "Und dem werden wir uns nicht verschließen können", sagt er. Für ihn hat das LVR-Gutachten "vertretbar, aber nicht zwingend dargelegt", warum das Museum unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Die Vorlage der Verwaltung ist für ihn jedoch "nicht Fisch, nicht Fleisch". Da hätte er sich eine "deutlichere Stellungnahme" gewünscht. Grundsätzlich aber, so sagt Goerdt, wird die CDU an ihrer Haltung festhalten, dass ein Rechtstreit über die Unterschutzstellung nicht sinnvoll sei. "Wir wollen sehen, dass wir mit dem Museum vorwärts kommen."

Auch der kulturpolitische Sprecher der SPD, Hartmut Rohmer, sieht in einem Rechtsstreit keinen Sinn, weil dieser die notwendigen Sanierungsmaßnahmen nur noch weiter verzögern würden. Er hält das Gutachten des LVR zudem für "gründlich". Die Kritik der Verwaltung an der Begründung der Gutachter mit Bezug auf die Korrespondenz zwischen Feldhaus und Deilmann reicht für ihn als Ablehnung nicht aus.

(NGZ)