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Clemens-Sels-Museum Neuss zeigt "Anbetung der Hirten" von Ilija Basicevic Bosilj

Clemens-Sels-Museum in Neuss : Weihnachten aus Sicht eines naiven Künstlers

Das Clemens-Sels-Museum Neuss hat ein besonderes Motiv hinter seinem 24. Adventskalender-Türchen versteckt und lässt die NGZ-Leser einen exklusiven Blick hinter das Törchen werfen.

Man muss nur in ihre Gesichter blicken, um die Freude zu sehen. Da wäre Maria, die stolz das Jesuskind im Arm hält und es den herannahenden Hirten zeigt. Die wirken nicht weniger glücklich. Einer reißt gar die Arme in die Luft, wobei er glatt seinen Hirtenstab verliert. Es ist ein faszinierendes Bild, das auf außergewöhnliche Weise die Weihnachtsbotschaft visualisiert. Wie? Das wird Uta Husmeier-Schirlitz, Direktorin des Clemens-Sels-Museums, noch genauer erklären.

Denn schon jetzt, drei Tage vor Heiligabend, lässt sie NGZ-Leser einen exklusiven Blick hinter das 24. Törchen des hauseigenen Adventskalenders werfen: Seit dem 1. Dezember öffnet sich nämlich auf der Instagram-Seite des Clemens-Sels-Museums jeden Tag ein Türchen mit einem Werk aus der Sammlung: Lithographien, Ölgemälde oder Statuen werden dort vorgestellt. Bei den Nutzern kommt das gut an.  Jene Hinterglasmalerei mit dem Titel „Anbetung der Hirten“ wird nun  an Heiligabend den krönenden Abschluss bilden.

Es ist ein Bild des serbischen Künstlers Ilija Basicevic Bosilj. „In unserem Haus ist es ein recht neues Werk“, sagt Uta Husmeier-Schirlitz. Denn die Hinterglasmalerei ist Teil einer Schenkung, die das Museum im vergangenen Jahr erhalten hat: Insgesamt waren es 25 Werke naiver Kunst, die aus der Sammlung des Düsseldorfer Goldschmiedes und Hochschulprofessors Friedrich Becker und seiner 2018 verstorbenen Frau Hilde Becker stammen. Sie ergänzen den umfangreichen Bestand, den das Museum an naiven Kunstwerken hat.

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Ilija Basicevic Bosilj gilt dabei als bedeutender Vertreter dieser Kunstrichtung. Er malte bevorzugt Motive aus mittelalterlichen serbischen Märchen, Volksliedern und biblischen Geschichten.

Wer sich nun seine „Anbetung der Hirten“ ansieht, erkennt schnell, dass es sich um eine eher ungewöhnliche Krippenszene handelt. Josef, Ochs und Esel sind nicht zu sehen, auch Engel oder den Stern, der für gewöhnlich über der Krippe leuchtet, sucht man vergebens. Überhaupt ist der Stall nur vage im Hintergrund angedeutet. „Ilija Basicevic Bosilj konzentriert sich auf das für ihn Wesentliche“, erklärt Uta Husmeier-Schirlitz. Das ist in dem Fall die Gegenüberstellung von Maria und den Hirten.

Gleichzeitig wird sichtbar, warum naive Kunst für den Betrachter so spannend ist. Schließlich handelt es sich bei den Künstlern um Autodidakten: Dadurch, dass sie sich das Malen selbst beigebracht haben, wurden sie nicht akademisch geprägt und haben so einen besonderen Zugriff auf tradierte Motive. „Viele von ihnen haben eine ganz eigene Bildsprache jenseits aller Konventionen entwickelt“, sagt die Museumsdirektorin.

Dann weist sie auf eine weitere Besonderheit im Bild hin. „Das Profil der Hirten ist auf Maria und Kind gerichtet, gleichzeitig blicken ihre Augen aber frontal auf den Betrachter. Es wirkt ganz so, als wollten sie sagen ,Sehet her, was passiert ist“.

Und wer noch genauer hinsieht, dem fällt auf, dass einer der Hirten zwei Gesichter hat. Beinahe so, als könne er sich nicht entscheiden, wem er seine Aufmerksamkeit schenken soll: Dem Neugeborenen? Oder doch dem ihm nahestehenden Hirten, um ihm von dem freudigen Ereignis zu erzählen?

Im Neusser Jahrbuch hat der wissenschaftliche Mitarbeiter des Clemens-Sels-Museums Martin Langenberg einen Aufsatz über die Schenkung veröffentlicht. Darin geht er auch auf die einzelnen Künstler ein. Jene Doppelgesichtigkeit sei ein typisches Merkmal von Bosiljs Figuren. In der Tradition römischer Januskopf-Darstellungen symbolisiere sie einerseits die Zwiespältigkeit einer Erscheinung, aber auch die Vorstellung einer Dualität zweier gegensätzlicher Prinzipien – wie Gut und Böse oder Anfang und Ende.

Was aber im Fokus der Hinterglasmalerei steht, ist das Staunen und die Freude, die sich aus der Ahnung speist, dass soeben etwas Außerordentliches geschehen ist – „Ilija Basicevic Bosilj hat die Weihnachtsbotschaft visualisiert“, sagt Uta Husmeier-Schirlitz.