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Neuss: Claudia Roth macht Wahlkampf im bunten Filzmantel

Neuss : Claudia Roth macht Wahlkampf im bunten Filzmantel

Am Abend zuvor war sie noch als DJ aufgetreten, Mittwoch machte die quirlige Grünen-Vorsitzende Claudia Roth in Neuss Station.

Claudia Roth ist eine Marke: Zum Redaktionsbesuch bei der NGZ kam die Grünen-Vorsitzende Mittwoch im wallenden bunten Filzmantel und erzählte von ihren aktuellen Disco-Erlebnissen. Denn am Abend zuvor war "DJ Claudia" noch auf einer Wahlkampfveranstaltung in Stuttgart aufgetreten, gestern traf sie sich dann mit dem Neusser Direktkandidaten Lars Schellhas und dem Landtagsabgeordneten Hans-Christian Markert, um im Rhein-Kreis für ihre Partei zu werben.

Von locker-leichtem Disco-Feeling ist nichts mehr zu spüren, wenn Roth einmal loslegt: Ob Massentierhaltung oder Rüstungsexporte – beides eine "Riesensauerei". Wer wolle, dass Tiere nicht mehr in riesigen Mastbetrieben gequält werden, müsse Grün wählen. "Das hat sonst keiner auf dem Schirm."

Ebenso sei es mit Rüstungsexporten in Länder, für die Menschenrechte ein Fremdwort ist. "Das geht gar nicht", meint Roth, die auf eine Regierungsbeteiligung hofft, um endlich einmal "was richtig" zu machen bei der Energiewende. "Bislang wird die doch von Schwarz-Gelb hintertrieben", sagt die 58-Jährige, die etwa bei der EEG-Umlage kräftig nachjustieren will. Die solle wieder ausschließlich energieintensiven Betrieben – im Rhein-Kreis etwa Alu Norf oder dem Chempark Dormagen – zugute kommen und nicht beliebig verteilt werden. Auch plädiert Roth für eine bessere Bürgerbeteiligung. "Aus Stuttgart 21 müssen wir lernen", sagt sie. Es dürfe nicht sein, dass bei der Energiewende, diesem "geradezu historischen Umbau der Industriegesellschaft", am Bürger vorbei geplant werde.

Dass im Rhein-Kreis ein junger Kandidat antritt – Lars Schellhas ist gerade 18 Jahre alt geworden – findet die gestandene Grünen-Politikerin, die seit 1998 im Bundestag sitzt, begrüßenswert. "Wir haben traditionell die Jungen und Junggebliebenen auf unserer Seite", sagt Roth. Dass die Chance auf ein Direktmandat nicht sehr groß ist, dürfe keine Rolle spielen. "Es geht darum, eine Alternative aufzuzeigen und junge Themen nach vorne zu bringen", sagt Roth. "Und in Neuss haben wir einen Kandidaten, der genau das kann."

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