Claudia Ehrentraut hat Bühnenbild und Kostüme für Bühnenproduktion geschaffen

Künstlerin aus Neuss : Kunst für eine Burgunderprinzessin

Ein Jahr lang war die Künstlerin Claudia Ehrentraut vor allem damit beschäftigt, das Bühnenbild und die Ausstattung für die Alte-Post-Produktion „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ zu machen. Regie führte Petra Kuhles.

Dass Claudia Ehrentraut ein Jahr lang nur mit der Produktion von „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ zu tun gehabt hat, stimmt sicher nicht. „Aber anstrengend war es“, sagt sie, „und sehr intensiv“. Denn tatsächlich war die Künstlerin ein Jahr lang, von der ersten Idee bis zur Premiere des Stücks in der Alten Post, mit Bühnenbild und Ausstattung beschäftigt. „Aber wir sind zunächst von anderen Dingen ausgegangen“, sagt Ehrentraut, die mit „wir“ Petra Kuhles und sich selbst meint, denn mit der Regisseurin und Dozentin der Alten Post hatte die Künstlerin schon diverse Projekte gemacht. „Anfangs aber war noch von einem Live-Hörspiel die Rede...“

Die Künstlerin Claudia Ehrentraut, eingerahmt von ihren comicähnlichen Figuren, in ihrem Atelier an der Hansastraße. Foto: Helga Bittne/Helga Bittner

Am Ende aber wurde es eine ausgewachsene Schauspielproduktion, die das Stück von Witold Gombrowicz zwar anders zuschnitt, aber im Bild ausschließlich auf den Fähigkeiten der Künstlerin beruhte.

Für die bisherigen Produktionen von Petra Kuhles war vor allem der Musiker Otto Beatus wichtig: „Nun aber sollten Bühnenbild und Kostüme den Raum einnehmen, der sonst von der Musik Ottos gestaltet wird“, sagt Ehrentraud. Angenommen hatte sie die Arbeit überhaupt vor allem, weil zwischen ihr und Petra Kuhles großes Vertrauen herrscht „Noch nie hat sie gesagt: Ich möchte das so oder so haben!“

Bühnenbild und Kostüme für „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ stammen von Claudia Ehrentraut. Foto: Claudia Ehrentraut

Gleichwohl gibt die Künstlerin zu, dass sie eine Weile „einen Knoten im Hirn“ hatte: „Wir kann ich äußerlich zeigen, dass das Kostüm den Charakter wie auch die Person, die es trägt, spiegelt?“ Irgendwann aber löste sich dieser Knoten; Ehrentraut entwarf Kostüme, die so abstrakt wie ungewöhnlich waren. „Vor allem sollten sie aus einem Material sein, das ich auch bemalen kann“, sagt die Künstlerin, deren comicartige Zeichnungen schließlich so etwas wie ihr Markenzeichen sind. Sie verfiel auf Drachenfolie. Oder noppenreiche Verpackungsfolie („jede einzelne Noppe wurde von mir und anderen per Hand bemalt“), scheiterte aber fast an der Machart.

„Ich bin nicht gerade die große Näherin“, sagt sie lachend, „hatte anfangs gedacht, dass sich vieles kleben lässt.“ Ließ sich aber nicht, denn auf der Bühne mussten die neun Kostüme für die Produktion schließlich einiges aushalten. Also setzte sich die Künstlerin an die Nähmaschine – und war froh, dass es Klebeband gibt: „Das war manches Mal die letzte Rettung.“

Jede Probe war Ehrentraut dabei, sorgte dafür, dass die Kostüme irgendwann auch den Darstellern zur Verfügung standen, band ihren Mann, den Künstler Axel Nass, für Schweißarbeiten ein: „Zum Beispiel für die sauschwere Krone aus Besteck.“ Die immerhin hat Ehrentraut nach dem Abspielen der Produktion auch gerettet. Aber die anderen Kostüme? „Keine Ahnung, wo die geblieben sind.“ Auf jeden Fall, so weiß sie, „haben die Kostüme ordentliche Gebrauchsspuren“.

Ob sie eine solche Arbeit noch mal machen würde? Ehrentraut überlegt. „Vermutlich nicht, denn geklappt hat alles nur, weil Petra Kuhles und ich so gut zusammenarbeiten.“ Für eine derart langwierige und intensive Zusammenarbeit brauche es viel Vertrauen, und sie weiß mittlerweile genau: „Für eine Künstlerin ist das eine riesengroße Herausforderung.“ Andere Anfragen habe es schon gegeben, sagt sie, aber sie hat abgelehnt – auch aus Zeitgründen.

Dafür sind die vielen Zeichnungen, die Ehrentraut im Laufe des Jahres auf Zetteln gemacht hat, in einen kleinen Katalog eingeflossen, den der Förderverein der Alten Post finanziert hat. Und wer derzeit in der Jahresausstellung der Alten Post genau hinschaut, entdeckt noch gemalte Teile ihres Bühnenbildes: genau drei Bäume eines Waldes hat Klaus Richter dort stehen gelassen. Sie sind nun die Träger der Bilder Ehrentrauts, mit denen sie zu „Kunst aus Neuss“ eingeladen wurde.