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Chroniken dokumentieren den solidarischen Kampf der Neusser Imker

Chroniken dem Neusser Stadtarchiv übergeben : Altes Hobby, neue Sorgen bei den Imkern

Ob Zuckerzuteilung in der Vergangenheit oder Seuchen und Vandalismusschäden in der Gegenwart: Die Sorgen der Imker waren immer groß.

Die Imker sind in Sorge. Im Mai wurden am Nixhütter Weg sieben Bienenvölker gestohlen, vergangene Woche musste Dieter Banken die Zerstörung von zwei seiner Bienenstöcke an der Erft anzeigen. Frank Rulf hofft, dass das nur eine Welle ist. „So wie die Irren, die Pferde auf Weiden abstechen“, sagt der Vorsitzende des Imkervereins Neuss. Doch für den Ehrenvorsitzenden Christian Josephs unterstreichen diese Fälle eines: „Der Mensch ist der größte Feind unserer Bienen. Mit der Varroamilbe werden wir schon fertig.“ Diese Milbe, die ganzen Völkern den Tod bringen kann, gilt derzeit als bedeutsamster Bienenschädling weltweit. Der Kampf gegen diesen Parasiten kann nur gemeinsam gelingen. „Imker sind immer aufeinander angewiesen“, sagt deshalb Josephs. Das führte sie in der Vergangenheit fast zwangsläufig in Vereinen zusammen, die als Solidargemeinschaft noch ganz andere Themen auszufechten hatten. So ging es zum Beispiel kurz nach dem Zweiten Weltkrieg dauerhaft um die Zuckerzuteilung für die Herbstfütterung, damit die Imker ihre Völker über den Winter bringen konnten.

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Eine Ahnung von diesen Kämpfen erhält, wer in den Chroniken des Imkervereins blättert. Die hat Christian Josephs lange bei sich daheim gehütet, jetzt aber die ersten beiden Bände dem Stadtarchiv übergeben. „Damit die nicht untergehen.“

Band eins beschreibt das Vereinsleben von der Gründung im Jahr 1887, bei der ein dreifaches Hurra auf Kaiser Wilhelm I. ausgebracht wurde – weil der auch Bienenhalter war. Und er endet im Jahr 1919, das auch für den Imkerverein krisenhaft war. Einige Bienenhalter wollten sich nicht den Regeln des Rheinischen Imkerbundes unterwerfen und spalteten sich ab, berichtet Josephs. Der Hinweis auf die „Wiedervereinigung“ im Jahr 1926 findet sich im ebenfalls übergebenen zweiten Band. Der schließt mit dem Jahr 1947 und dem Bericht über eine radikale Entnazifizierung. Wer in der NS-Zeit Parteigenosse war, wurde aus dem Vorstand entfernt.

Stadtarchivar Jens Metzdorf übernahm die Chroniken gerne, auch weil dort in den Sitzungsprotokollen die Namen vieler Neusser Familien auftauchen – „zum Teil über Generationen“. Aber auch Weiterbildungsangebote sind festgehalten und die 1921 erfolgte Anregung zum Aufbau einer vereinseigenen Bücherei. Die hütet Josephs noch immer, doch wird sie für die derzeit 52 Vereinsmitglieder immer bedeutungsloser. „Über das Internet und vor allem über Youtube kann man sich leichter und schneller informieren“, sagt Josephs.

Aktuell verzeichnen die Imker zufrieden, dass der ökologischen Bedeutung der Bienen und dem Bienensterben auch medial große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie reagieren darauf ihrerseits und stehen über den zweiten Vorsitzenden Otto Pastohr mit der Stadt über die Ausweisung von innerörtlichen Bienenweiden und Blühstreifen in Verhandlungen, die der Verein anlegen und betreuen will.

„Imkern erlebt derzeit einen Hype“, ergänzt Rulf, der ein großes Interesse an der Bienenhaltung vor allem bei jungen Menschen und da wiederum bei Frauen feststellt. Aber manche würden dem Verein nur beitreten, um Rechtsschutz zu erhalten, manche Imkern auf eigene Faust. Das sehen die Vereinsimker mit gemischten Gefühlen, denn wer sich im Verein organisiert, akzeptiert die Grundsätze artgerechter Haltung. Mancher Externe würde seine Völker schlecht behandeln, behauptet Rulf und liefert einen zweiten Beleg für die These vom Menschen als größtem Feind der Bienen.