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Christoph Koncz dirigiert die Deutsche Kammerakademie Neuss in einem Abo-Konzert

Kammerorchester in Neuss : Ein Traditionalist auf neuen Wegen

Zum ersten Mal dirigierte Christoph Koncz, der neue Chef der Deutschen Kammerakademie, sein Orchester in einem Abo-Konzert. Und er bezauberte das Publikum, motivierte die Musiker und sorgte für Überraschungen.

Der Österreicher Christoph Koncz (32), im vergangenen Jahr von den Musikern der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) zum Chefdirigenten gewählt, stellte sich nun im dritten Abokonzert der DKN im Zeughaus dem „heimischen“ Publikum vor. Tatsächlich hat er die DKN bereits siebenmal geleitet, in Sonderkonzerten wie der Klassiknacht im Rosengarten oder dem Neujahrskonzert in der Stadthalle sowie beim DKN-Gastkonzert am vergangenen Freitag in Mülheim/Ruhr. Wie bisher alle Konzerte der DKN in dieser Saison war auch das Debüt bei den DKN-Abonnenten des Violinenstimmführers bei den Wiener Philharmonikern im Zeughaus ausverkauft.

Seit 2013 ist Christoph Koncz auch als Dirigent international etabliert. Wer wollte es dem vielseitig begabten Österreicher verdenken, dass er seinen echten Neusser Einstand in einer Matinee mit „Wiener Klassikern“ feierte. Joseph Haydns nachdenkliche „Sinfonie Nr. 22 Es-Dur“ von 1764 eröffnete das Programm. Sie verdankt ihren Beinamen „Der Philosoph“ vor allem dem ersten Satz, einem ungewöhnlichen „Adagio“. Dadurch entspricht die Satzfolge bis auf das „Menuett“ der spätbarocken Kirchensonate.

Die gravitätisch schreitende Basslinie der Violoncelli stützt das Hauptthema, das an einen Choral von Johann Sebastian Bach erinnert. Vorzügliche Hörner intonieren den Dreiklang, zwei Englischhörner antworten kongenial. Ketten von Vorhaltsdissonanzen im Mittelteil verweisen ebenfalls auf die Musik des Spätbarock. Die weiteren Sätze kontrastieren das „Adagio“ deutlich, können aber auch als Teil einer angeregten Unterhaltung verstanden werden.

Christoph Koncz’ Dirigat kann man ohne Übertreibung als „atemberaubend“ bezeichnen. Er zeichnet große Linien sorgfältig nach, motiviert mit enormem körperlichen Einsatz jede Stimmgruppe einzeln, sucht im Umgang mit der Tradition neue Wege: Das führt immer wieder zu schönen Überraschungen bei herkömmlichen Hörgewohnheiten.

Noch zwei Jahre jünger als der Dirigent ist der 1989 im Hamburg geborene Alexander Krichel. Der Starpianist – „Himmelsstürmer ohne Glamour“ nannte ihn die Zeitschrift „Concerti“ – war der Solist der Matinee und spielte das „Konzert für Klavier und Orchester Nr. 14 Es-Dur“ von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 499). Weich und gefühlvoll, pianistisch brillant und in permanenter Kommunikation mit dem Orchester brachte er dem Publikum seine Devise „Kalte Finger und ein heißes Herz!“ näher. Für den großen Beifall bedankte er sich mit einer eigenen, sehr lyrischen Komposition beim Zeughaus-Publikum.

Noch einmal zu Joseph Haydn: Obwohl er als verschlossener Typ galt, pflegte er intensiv einen großen Bekanntenkreis. Dazu gehörten natürlich auch Philosophen. Seine „Sinfonie fis-Moll Nr. 45“ von 1772 zeigt zudem seine Begabung, Musik zu schreiben, die originell ist. Das Finale dieser Sinfonie endet mit einem „Adagio“.

Dazu ging das Licht im Zeughaus aus. Die Musiker der DKN löschten ihr Notenpult und verließen teilweise nach Solo-Einlagen peu à peu das Podium. Auch der Dirigent sagte „Farewell and Adieu“. Den Schluss zelebrieren nur noch zwei Violinen. Deshalb hat diese Sinfonie den Beinamen „Abschiedssinfonie“. Ein begeistertes Publikum nahm diese wunderbare Musik beim Wort und machte sich auf den Heimweg.