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Neuss: Christen feiern Weihnacht als Fest des Lichts

Neuss : Christen feiern Weihnacht als Fest des Lichts

Die liturgische Farbe Weiß markiert den Übergang von der Advents- in die Weihnachtszeit. Sie ist Zeichen der Freude über Jesu Geburt.

Wenn heute Nachmittag die Kinder zum "Gottesdienst für kleine Leute" in die Versöhnungskirche kommen, hat sich der Kirchenraum verändert: Vor dem Altar strahlt in hellen Farben ein weißer Vorbehang als Zeichen, dass heute und in den folgenden Tagen das Christfest gefeiert wird — also das Fest zur Geburt von Jesus Christus. Die Versöhnungskirche hat dieses sogenannte Antependium in diesem Jahr individuell und in Handarbeit anfertigen lassen — zusammen mit drei weiteren Altarvorbehängen in den liturgischen Farben Violett, Grün und Rot.

"Wir wollen dem Altarraum eine neue Tiefe geben", sagt Pfarrerin Anke Krughöfer. Mit einer Gruppe Ehrenamtler hat sie in ihrer Kirche das aus Spenden finanzierte Projekt umgesetzt. Die Antependien stammen aus der Paramentenwerkstatt des Stift Bethlehem in Ludwigslust. Sie sind handgewebt und handgestickt, jedes löst eigene Assoziationen und Gedanken aus. Die goldenen Strahlen etwa erinnern so manchen an Jesus als Licht der Welt oder an das Lied "Es ist ein Ros entsprungen". Andere sehen in den goldenen, runden Formen ein Bild der Krippe, die Jesus wiegt.

Der weiße Altarvorbehang wird auch in den kommenden Wochen in der Versöhnungskirche bleiben, bis sich am letzten Sonntag nach dem Epiphaniasfest der Weihnachtsfestkreis schließt und der Osterfestkreis beginnt, den die liturgische Farbe Violett als Zeichen der Buße dominiert. Am Osterfest kommt wieder das weiße Antependium an den Altar, allerdings wird es einmal gedreht — "was in der Gemeinde wieder andere Assoziationen wecken wird", sagt Pfarrerin Krughöfer. Etwa von der Grabhöhle, aus der Jesus auferstanden ist. Denn die goldenen Strahlen weisen dann nach unten, und ein völlig neues Bild entsteht.

Der Fantasie Raum lassen — das will Pfarrerin Krughöfer mit den Antependien erreichen. Gottesdienst ist für sie nicht nur Zuhören, sondern auch ein "In-sich-gehen", eine Auseinandersetzung mit dem Glauben auf vielen unterschiedlichen Ebenen. Das gilt insbesondere an Festtagen, wenn auch zu Weihnachten gerade bei den Kindern der Humor nicht fehlen darf. Etwa beim Krippenspiel, bei dem dieses Jahr der säkuläre "Weihnachtsmann" zu Gast ist, dem die Konfirmanden die Weihnachtsgeschichte erzählen.

Krughöfer ist überzeugt, dass bereits kleine Kinder die frohe Botschaft verstehen, die sich mit Weihnachten verbindet: dass Christus, der Heiland, geboren wurde, dass es ein Geburtstagsfest der besonderen Art ist. Wichtig findet es die 47-Jährige, dass die Tradition des Schenkens nicht zum Selbstzweck verkommt, sondern dass auch den jüngeren Gemeindemitgliedern klar wird, dass aus Freude über Geburt Jesu anderen ein Geschenk gemacht wird, ganz in der Tradition der Heiligen Drei Könige.

"Sich mit Kindern für die Weihnachtsgeschichte zu interessieren, ist auch eine Chance für die Erwachsenen", meint die Pfarrerin. Denn so könne diese Geschichte noch einmal neu und mit Hinblick auf die eigene Kindheit erlebt werden, sagt Krughöfer, die in die Idee des "Priestertums aller Gläubigen", die in der evangelischen Kirche eine zentrale Rolle spielt, auch die Kinder einbezieht. "Sie geben uns neue Blickwinkel auf Weihnachten, gerade, weil es ein Fest der Liebe ist", sagt Krughöfer. "Und wer diese weihnachtlichen Gefühle festhält und sie mit dem Glauben verbindet, der erfährt Gottes ganze Liebe."

(NGZ/rl)