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Neuss: Chinesen lieben Neuss

Neuss : Chinesen lieben Neuss

Neuss Anny Cheung (50) glaubt an den Standort: "Neuss ist ein guter Platz für Geschäfte." Die Hongkong-Chinesin lobt die "gute Idee" des Rathauses, "meine Landsleute beim Aufbau ihrer Geschäfte in der Stadt zu unterstützen". Bei dieser Aufgabe werden die städtischen Wirtschaftsförderer seit einigen Wochen von Jürgen Schmitz (37) begleitet.

Neuss Anny Cheung (50) glaubt an den Standort: "Neuss ist ein guter Platz für Geschäfte." Die Hongkong-Chinesin lobt die "gute Idee" des Rathauses, "meine Landsleute beim Aufbau ihrer Geschäfte in der Stadt zu unterstützen". Bei dieser Aufgabe werden die städtischen Wirtschaftsförderer seit einigen Wochen von Jürgen Schmitz (37) begleitet.

Der Sachgebietsleiter im Ordnungsamt bezeichnet sich selbst als "Behördenguide". Das Ziel: Alle Chinesen, die mit der Stadtverwaltung Kontakt suchen, haben zunächst nur einen Ansprechpartner. Schmitz lotst sie dann durch die Ämter. Neudeutsch wird das System mit "One Face to the Customer" umschrieben.

Die Idee hatte Bürgermeister Herbert Napp: "Wir dürfen Unternehmer nicht erschrecken, sondern müssen ihnen die Wege ebnen." Als Napp seine Initiative am 1. August vor der chinesischen Kolonie im Restaurant "Neu-Shanghai" (Nordstadthalle) präsentierte, klatschten knapp hundert Asiaten Beifall.

Derzeit sind 119 chinesische Firmen in Neuss registriert. 90 Prozent sitzen im "Haus Milano" (Rheinparkcenter) und im "Euromoda" (Hammfeld). Die Unternehmen sind vielfach klein, "aber nicht zu unterschätzen", sagt Schmitz. Das Geschäft expandiere "in Qualität".

Das bestätigt Udo Wibbeke (58), seit fünf Jahren Centermanager im "Euromoda". Inzwischen bieten 55 chinesische Großhändler an der Anton-Kux-Straße auf 7500 Quadratmetern ihr Sortiment an. "Solvente, gute Mieter", sagt Wibbeke, "die das immer größer werdende Billigpreis-Segment solide bedienen."

Und der Hausherr zeigt sich überzeugt, dass "Euromoda" auf die richtige Karte setzt: "Tendenz steigend." So sieht es auch Anny Cheung, die ihre Landsleute berät, aber als Buchhalterin oder Übersetzerin auch Büro-Service übernimmt. Sie weiß: "Die Firmen sind gut im Geschäft."

Diesen Weg geht auch auch Frank Wolters (38) weiter. Der städtische Wirtschaftsförderer formuliert zwei Ziele: Erstens will er die Qualität der in Neuss ansässigen chinesischen Unternehmen stabilisieren. Zweitens "weitere gute Firmen" nach Neuss holen. Soeben fragte ein Vermittler an, der für "acht bis zehn Unternehmen" auf Standortsuche ist.

Derzeit leben 45 Prozent der chinesischen Kaufleute, deren Firmen ihren Sitz in Neuss haben, mit ihren Familien in der Stadt. "Diesen Anteil wollen wir erhöhen", sagt Schmitz, "um die Identifikation mit dem Standort zu erhöhen." So sucht er auch Antworten auf Fragen rund um Kindergartenplätze und Auswahl der richtigen Schule. Bürgermeister Napp ist zufrieden: "Jürgen Schmitz macht einen guten Job."

Längst ist Neuss eine bedeutende Drehscheibe für deutsch-chinesische Geschäfte geworden. Auch in Richtung China. Zwei Beispiele: Peter Küsters aus Rosellen führt in Peking ein Unternehmen, das sich mit Dachbegrünungen beschäftigt.

"Mit Erfolg", wie er jetzt bei einer Präsentation im väterlichen Gartenhof versicherte. In der Nachbarschaft produziert Selex Sistemi Integrati (Gematronik) Wetterradar-Systeme. Die jüngste 8,5 Meter Parabolantenne ist für den neuen Flughafen in Kanton bestimmt.

Am Dienstag in der NGZ: Kommentar "Zur Sache: Ni hau!"

Info Jürgen Schmitz, China-Beauftragter, Tel.: 0 21 31 / 90 32 05

(NGZ)