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Neuss: Chefin gegen Frauenquote

Neuss : Chefin gegen Frauenquote

Jutta Zülow ist eine bekannte Neusser Unternehmerin. Auf dem blauen NGZ-Sofa sprach sie über Frauenquoten und wie sich eine Firma für die Zukunft immer wieder neu aufstellen muss.

Unternehmerin Jutta Zülow hat auf dem blauen NGZ-Sofa Platz genommen. Im Gespräch mit NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten sprach sie über ein sich immer wieder neu erfindendes Unternehmen. Unterstützt wird die Talkreihe von der Brauerei Frankenheim.

Frau Zülow, Sie werden immer als Unternehmerin bezeichnet. Ein gutes Stichwort zur Diskussion über die Frauenquote in Unternehmensvorständen. Wie denken Sie darüber?

Zülow Ich wehre mich grundsätzlich gegen Quoten. Ich bin fest überzeugt, dass wir in unserer heutigen Gesellschaft keine Frauenquote mehr brauchen. Ich glaube, alle haben akzeptiert, dass wir das Können des Menschen sehen, unabhängig davon, ob er Frau oder Mann ist. Jeder in dieser Gesellschaft hat das Recht und die Chance, Erfolg zu haben und nach oben zu kommen.

Gibt es gesellschaftliche Felder, wo es besser wäre, wenn Frauen mit eingebunden wären?

Zülow Nein. Man sollte grundsätzlich Teams bilden aus unterschiedlichen Ansichten und Gruppierungen, und so bilden sich automatisch Gruppen aus Frauen und Männern.

Angefangen hat die Firma Zülow mit dem Verkauf von Fernsehern und Radios. Heute hat sie 280 Beschäftigte. Wie konnten sie sich so entwickeln?

Zülow Mein Mann Burkhard Zülow war ein technisches Genie. Er hatte immer Ideen, was man aus einem kleinen Bauteil alles machen kann. Der Verkauf von Radio- und Fernsehgeräten war meine Leidenschaft. Aber die Techniken haben sich entwickelt und damit auch die Möglichkeiten. Burkhard ist immer den Weg gegangen: "Was kann man noch, außer...?".

Wie gewinnen Sie neue Kunden?

Zülow Unsere Philosophie lautet: "Stillstand ist Rückstand". Wir suchen immer nach neuen Aufgaben. Deswegen haben wir Schnittstellen zu Hochschulen, um zu wissen, wonach sie heute forschen und was wir morgen können müssen.

Was zeichnet gute Mitarbeiter aus?

Zülow Als Erstes soziale Kompetenz. Sie sollen gerne zur Arbeit kommen. Natürlich braucht er eine Fachausbildung und er muss lernwillig sein, egal wie alt er ist. Ganz wichtig sind Teamspieler. Einzelkämpfer sind bei uns verloren.

Warum wollten Sie mit dem Firmensitz auf Gut Gnadental einziehen?

Zülow Wer in einer Region Erfolg hat, sollte auch dort bleiben und ein Stück zurückgeben. Für uns ist es der ideale Standort. Wir sind ein Handwerksunternehmen mit einem kreativen, innovativen und kaufmännischen Bereich. Und wo kann man das besser abbilden als auf einem Vierkanthof?

Zurückgeben ist ein weiteres gutes Stichwort. Ihr Wissen tragen sie auch in viele gesellschaftliche Teile hinein, etwa durch "Wirtschaft pro Schule". Welche Philosophie steckt dahinter?

Zülow Das Projekt "Wirtschaft pro Schule" ist ein unternehmerisches Interesse. Wir brauchen junge Leute für den Bestand eines Unternehmens. Dafür bauen wir Brücken, um zu sagen, was wir Unternehmer von den Schülern erwarten, und zu fragen, was können wir von euch erwarten. Wir zeigen, welche Chancen sie mit dem Beruf haben — und dann kommen auch genug spannende Bewerbungen.

Die Arbeit mit behinderten Menschen war für Sie und Ihren Mann immer schon ein großes Thema. Das Ergebnis ist die Stiftung Tandem. Wie weit sind Sie damit gekommen?

Zülow Das Projekt läuft sehr gut. Der Grundgedanke war, Sport zu fördern zwischen Förderschulen und Regelschulen. Dass das notwendig war, zeigte der Anfang, weil es Eltern der Regelschulen gab, die nicht wollten, dass ihre Kinder mit geistig behinderten Kindern Sport treiben. Diese Berührungsängste sind ziemlich gut abgebaut. Der liebe Gott hat uns nicht alle gleich gemacht. Dieser Unterschied ist das, was eine Gesellschaft bunt, vielfältig und interessant macht.

Stefan Reinelt fasste das Gespräch zusammen.

(NGZ)