Neuss: Chef-Piraten kommen aus Neuss

Neuss : Chef-Piraten kommen aus Neuss

Mit Joachim Paul und Lukas Lamla belegen zwei Neusser die Landeslisten-Plätze eines und zwei der Piratenpartei. Überraschend, wie beide betonen, die sich nun den Anforderungen eines landesweiten Wahlkampfs stellen müssen.

Im neuen Landtag könnte sich eine "Landesgruppe Neuss" bilden — wenn die Piratenpartei im Aufwind jüngster Landtagswahlergebnisse am 13. Mai auch den Einzug ins Düsseldorfer Parlament schafft. Denn dann wären — neben dem Gewinner des Direktmandates und dem wahrscheinlichen Wiedereinzug des Grünen Hans-Christian Markert über die Landesliste — mit Joachim Paul und Lukas Lamla noch gleich zwei Neusser "Piraten" im Abgeordnetenhaus zu finden.

Beide waren von den Mitgliedern ihrer Partei am Wochenende beim Parteitag in Münster in Urwahl auf die Landeslistenplätze eins und zwei der Piratenpartei gesetzt worden. Völlig überraschend, wie beide zugaben. Deshalb hatten sie am Tag nach der Wahl Termine mit ihren Vorgesetzten, um sich für den Wahlkampf Zeit "freizuschaufeln".

Sie wurden aber auch gewählt, ohne dass dazu vorher im Hintergrund irgendwelche Strippen gezogen worden wären. "Ich kenne das Wort Hausmacht", betont Paul, "bin ihm aber bei den Piraten nie begegnet." Und Lamla fügt hinzu: "Neuss ist nicht mehr als unser Wohnort. Bei der Wahl ging es offensichtlich um andere Dinge."

Lamla (28) ist unter den Politik-Neulingen der Piratenpartei ein alter Hase. Vor zwei Jahren rangierte er auf Listenplatz acht ("damals eine rein symbolische Kandidatur"), jetzt ist er die Nummer zwei, ohne allerdings einen Wahlkreis übernommen zu haben. Darauf habe er bewusst verzichtet, sagt der Feuerwehrmann im Dienst der Stadt Dormagen, der als landesweiter Wahlkampfkoordinator eine andere Aufgabe übernehmen wollte. Diese bleibt ihm, die einer Wahlkampflokomotive im neuen Führungsquartett kommt noch hinzu.

Das sieht auch der promovierte Biophysiker Paul (54) auf sich zukommen, der vor dem Wahlparteitag auf einen Listenplatz "im Fünf-Prozent-Fenster" gehofft hatte. Also eine Platzierung, die beim Einzug der Piraten in den Landtag einen Wechsel vom Landschaftsverband Rheinland in die neu aufzubauende Fraktion nach sich gezogen hätte. Allerdings war er am Wochenende der Erste, der das erforderliche Quorum von 50 Prozent der Mitgliederstimmen erhalten hat, und sieht sich mit dem Etikett "Spitzenkandidat" versehen. Auch wenn das nicht dem Selbstbild der Partei entspräche: "Keine Person steht im Vordergrund", sagt Paul. "Kopf"-Plakate mit dem oder den Spitzenkandidaten würde es deshalb nicht geben.

Als Direktkandidat im Wahlkreis Neuss werde er sich natürlich engagieren, betont Paul, aber er werde auch landesweit präsent sein (müssen). Die Neusser Piraten, inzwischen 160 an der Zahl, wollen ihm dabei helfen, sagt er.

Lamla wiederum ist gespannt ist, ob die Doppelspitze aus Neuss den Piraten vor Ort mehr Zulauf beschert. Heute Abend ist ab 20 Uhr Piraten-Stammtisch im Lokal Marienbildchen. "Da geh´ ich mal hin."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Piraten stellen sich für NRW-Wahl auf

(NGZ/rl)
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