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Kommunalwahl in Neuss: CDU-Kandidat wirbt mit türkischem Halbmond

Kommunalwahl in Neuss : CDU-Kandidat wirbt mit türkischem Halbmond

Tragetaschen mit verfremdeten CDU-Logo sorgen für Aufregung in Neuss. CDU-Chef Jörg Geerlings stoppt die Verteilung. Initiator Yasar Calik bedauert den Fehler.

Medienvertreter und Kameraleute des Fernsehens geben sich Dienstagmorgen in der Fahrschule an der Friedrichstraße die Klinke in die Hand: Unternehmer Yasar Calik (37), der sich als erster türkischstämmiger Neusser für die CDU um einen Sitz im Stadtrat bewirbt, hat dem Kommunalwahlkampf gleich zu Beginn einer überregionale Dimension verpasst — "unfreiwillig", wie er betont. Grund für die Aufregung: in das offizielle CDU-Logo wurde in das "C" ein türkischer Halbmond eingearbeitet. 4000 Tragetaschen ließ der Wahlkämpfer als Präsente produzieren, knapp 200 davon waren nach Aussage von Calik mit dem verfremdeten Logo produziert und verteilt worden. Calik bedauert, dass es zu Irritationen gekommen sei.

Logo soll nicht verwendet werden

Noch während der Ostertage griff der Neusser CDU-Chef Jörg Geerlings energisch ein. In einer Presseerklärung versichert er: "Das veränderte Logo wird nicht weiter verwendet." Der Parteivorstand trete jeder eigenmächtigen Veränderung entschieden entgegen: "Wir wollen Integration und öffnen uns für Menschen, die aus anderen Ländern stammen. Dabei behalten wir unsere Grundwerte bei." Integration sei ein schwieriger, aber notwendiger Prozess: "Integration heißt gegenseitiger Respekt, aber nicht Beliebigkeit", so Geerlings weiter.

Druck sei "Fehler"

Yasar Calik stand Dienstag der Aufregung, die er ausgelöst hatte, "überrascht" gegenüber. Er habe sich als Muslim 2007 für den Eintritt in die CDU entschlossen, weil er sich mit deren Werte identifiziere: "Ich stehe hinter dem Programm." Er wolle die CDU als Partei den in Deutschland lebenden Türken und türkischstämmigen Menschen näherbringen, darum habe er neben dem unveränderten CDU-Logo die türkische Flagge zeigen wollen: "Ich hatte nichts Religiöses im Sinn." In der türkischen Druckerei sei dann "leider ein Fehler" passiert — in kleiner Auflage, für eine spezielle Veranstaltung in der Derikumer Moschee: "Was da schief gelaufen ist, habe ich erst zu spät festgestellt." Er bedauere das.

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