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CDU-Europakandidat: Neusser verliert und bleibt nett

CDU am Niederrhein nominiert ihren Europa-Kandidaten : Von einem, der auszog, mit Anstand zu verlieren

Andreas Hamacher, der Neusser CDU-Vize scheiterte beim Versuch, Europakandidat seiner Partei zu werden. Doch auch in der Stunde der Niederlage bleibt der 35 Jahre alte promovierte Jurist gelassen und nett.

Er ist zurück im kommunalpolitischen Alltag. Andreas Hamacher (35) leitet am Samstag (30.) bei der „Ideenfabrik“ betitelten CDU-Mitgliederversammlung den Arbeitskreis „Tradition und Innovation in Neuss“. Doch auch dort kommt der Neusser Partei-Vize nicht ohne Blick über den lokalen Tellerrand aus. Der Zusatz verrät es: „Wirtschaftsstandort im Herzen Europas“. Europa ist sein Thema. Gern hätte der promovierte Jurist, der sich als „leidenschaftlicher Rheinländer und überzeugter Europäer“ skizziert, sein langjähriges europapolitisches Engagement zum Beruf gemacht. Doch seine Parteifreunde verweigerten ihm die Kandidatur bei der Europawahl im nächsten Jahr.

Der Europa-Traum des Andreas Hamacher wurde von der politischen Realität kassiert. Bei der Delegiertenkonferenz der CDU-Niederrhein in Krefeld blieb für den Bewerber aus Neuss nur Platz drei im Kandidatenquartett. Hamacher war im ersten Durchgang mit 20 Stimmen ausgeschieden, was in etwa der Anzahl der Delegierten aus dem Rhein-Kreis entspricht. Für den Sprung in die Stichwahl wären aber mehr als 30 Unterstützer erforderlich gewesen. Dort setzte sich der Viersener Landtagsabgeordnete Stefan Berger knapp gegen Christian Kremer aus Kleve durch. Ein durchaus überraschendes Ergebnis, denn Kremer ist als langjähriger stellvertretender Generalsekretär der Europäischen Volksparteien (EVP) durchaus zu den professionellen Europapolitikern zu zählen. Ohne Chance war der vierte Bewerber: Harald von Canstein, der aus Meerbusch stammt und mit dem ein zweiter Bewerber aus dem Rhein-Kreis antrat. Nun soll es also Stefan Berger für die CDU richten und die Nachfolge des angesehenen Karl-Heinz Florenz (70) aus Neukirchen-Vluyn antreten, der bereits seit 1989 im Europa-Parlament sitzt und nicht zurückkehren will.

Mit seiner Niederlage geht Andreas Hamacher - zumindest scheint es so - gelassen um. Ja, als Verwaltungsjurist mit Schwerpunkt Europarecht in einer Kölner Kanzlei hätte er sich gern auch als Abgeordneter in Brüssel hauptamtlich um Europa gekümmert. Nein, er sei nicht enttäuscht, denn er sei „froh über so viel Zuspruch“ im parteiinternen Wahlkampf und bei der Abstimmung. Der stets höfliche Hamacher spricht von einer „interessanten Erfahrung“, die er habe machen dürfen und gratulierte artig dem Gewinner Berger: „Er wird unsere CDU und den Niederrhein in Brüssel und Straßburg hervorragend vertreten - da bin ich mir ganz sicher.“ Dass er letztlich nicht zum Zuge kam, begründet er mit dem Wahlsystem, in dem Delegierte entscheiden und nicht alle Mitglieder. Da spielten Absprachen unter den Kreisverbänden eine große Rolle und er sei zwei Kandidaten unterlegen, die Politik auf beruflicher Ebene betreiben.

Andreas Hamacher schmollt nicht. Bleibt sich auch in der Niederlage treu. „Volle Kraft für die CDU“, sagt er und strebt (vorerst) keine Posten an. Für den Stadtrat werde er - „Stand heute“ - nicht kandidieren, dafür fehle ihm als Rechtsanwalt in Köln wegen der frühen Sitzungszeiten der kommunalen Gremien die Zeit. Als „Überzeugungstäter“ werde er für die Neusser CDU arbeiten, nicht nur im Wettstreit mit der SPD, sondern vor allem gegen die AfD, „die in den Parlamenten nichts zu suchen hat.“ Europa war gestern, kommunalpolitischer Alltag ist die Gegenwart. Sie heißt „Ideenfabrik“.

(lue-)