CD mit Musik aus Armenien und von Johann Sebastian Bach

CD-Kritik : Musik aus zwei Heimatländern

Lilit Tonoyan hat für ihre CD armenische Musik mit der von Johann Sebastian Bach gekoppelt.

Die Violinistin Lilit Tonoyan (31), im armenischen Eriwan aufgewachsen, lebt seit vielen Jahren in Neuss. Im Jahr 2015 gewann sie den städtischen Kunstförderpreis, seit zwei Jahren ist sie Stipendiatin der Deutschen Kammerakademie Neuss.

Die Geigerin Lilit Tonoyan stammt aus Armenien. Foto: Laurance Chataigne/Laurence Chataigne

Dass sie aber ihrer Heimat tief verbunden ist, zeigt ihre neueste CD „Amen Hayr Surb“ (Amen, Heiliger Vater). Sie verbindet sakrale Musik Armeniens, die bis ins frühe Mittelalter zurückreicht, mit Partiten für Solovioline und Inventionen von Johann Sebastian Bach.

Diese auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination begründet sie so: „Die Spiritualität, die in der Musik beider Welten tief verwurzelt ist, ist für mich eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration.“ Das Ergebnis ist eine sehr emotionale Einspielung: Die uralten melancholischen Melodien Armeniens, die traurig und trostreich zugleich sind, harmonieren vollkommen mit der weltlichen Musik Bachs, die immer auch zutiefst geistlich ist. Da es keine Bearbeitungen der Scharakans und Hymnen Armeniens für Solovioline gibt, hat sie die meisten Gesänge auf sehr anspruchsvollem Niveau selbst arrangiert. Bei einigen sakralen Gesängen und den Inventionen Bachs begleitet sie ebenso makellos der ebenfalls in Eriwan geborene Violoncellist David Melkonyan (32).

Die vor einem Jahr in der Neusser Christuskirche eingespielte CD (Tonmeister:Jens F. Meier) ist von ausgezeichneter Qualität und lädt auch deshalb zu hingebungsvoller Meditation ein. Das umfangreiche Booklet kann mit einer Einführung des bulgarisch-deutschen Musikwissenschaftlers Vladimir Ivanoff in „musikalische Meditationen“ zu einer lebhaften Erhaltung einer uralten Kultur hervorragend beitragen.

Darin schreibt er auch: „Lilit Tonoyan lauscht als Interpretin ihrer eigenen Fassungen armenischer Kirchengesänge so, wie Hildegard von Bingen es einst für sich beschrieb: der Stimme des lebendigen Lichts.“

Info www.musikeditionen.de KAL 6340-2, 17,90 Euro

(Nima)