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Neuss: Caritas warnt vor Armut in der Innenstadt

Neuss : Caritas warnt vor Armut in der Innenstadt

Ins Café Ausblick in Neuss kommen Menschen, die obdachlos sind. Sie sind arm, krank, und wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen.

"Die meisten sind nicht krankenversichert und haben nicht das Geld für den Arztbesuch oder die Medikamente", sagt Werner Hein, Fachbereichsleiter der Wohnungslosenhilfe der Caritas. Hinzu komme, dass viele sich schämen.

"Menschen, die arm sind, sterben früher", warnt Norbert Kallen, Vorsitzender des Neusser Caritasverbandes. Darauf will er aufmerksam machen, hat doch sein Verband in diesem Jahr das Thema "Armut macht krank" in den Mittelpunkt gestellt. "Hohe Kosten für Medikamente, Arztkosten und nicht zuletzt die Praxisgebühr hindern viele Menschen daran, zum Arzt zu gehen," erläutert Kallen. "Gerade Wohnungslose sind betroffen." Die Caritas hat deshalb in diesem Jahr das Thema gewählt, um auf die Probleme, die Obdachlose und einkommensschwache Menschen bei der Gesundheitsvorsorge haben, auch Nicht-Betroffenen deutlich zu machen.

Um obdachlosen Menschen zu helfen, arbeitet die Caritas mit dem Neusser Arzt Dr. Dirk Stenmanns zusammen. Zweimal wöchentlich bietet er im Café Ausblick und im St. Alexis Krankenhaus eine kostenlose Sprechstunde für Wohnungslose an. Einen Teil der Kosten erstattet die Stadt, wenn die Krankenversicherung nicht bezahlt, den Rest finanziert die Caritas durch Spenden. Größtes Hindernis für die Betroffenen, sich an einen regulären Arzt zu werden, sei die Praxisgebühr, berichtet Stenmanns. Er nenne die zehn Euro deswegen auch "Gesundheitsverhinderungsgebühr", erzählt der Arzt.

Norbert Kallen kritisiert das Land, das Fördezusagen für medizinische Angebote bereits im Jahr 2007 gemacht, aber niemals eingehalten habe. "Neuss bräuchte eine mobile Hilfe mit festangestellten Ärzten und Helfern", fordert Kallen.

(lh)