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Neuss: Cames-Bau: Anwohner klagen

Neuss : Cames-Bau: Anwohner klagen

Anwohner des Holzheimer Wegs kritisieren, dass die Stadt der Firma Cames genehmigt hat, eine Halle zu bauen, durch deren Belieferung Lkw-Verkehr über die Wohnstraße führen würde. Sie klagen vor dem Verwaltungsgericht.

Ingenieur Eckhard Stoschek sieht die Bilder schon vor sich: Lkw, die sich über den Holzheimer Weg schleppen, Verkehr, der sich staut, Anwohner auf der Suche nach Parkplätzen, weil die Straße zu eng geworden ist, als dass Parken am Rand noch erlaubt wäre. Außerdem noch gefährliche Situationen für Schulkinder auf dem Weg zum oder vom Schulzentrum an der Weberstraße.

Das, befürchtet der 73-Jährige, wird Realität, wenn der Lebensmittelgroßhändler Cames am Holzheimer Weg ein Regallager baut. Die Baugenehmigung hat die Stadt schon vor mehr als eineinhalb Jahren erteilt, passiert ist bislang noch nichts. Auch, weil das von Stoschek befürchtete Szenario die Gemüter erregt. Er und fünf weitere Anwohner haben gegen die Baugenehmigung geklagt, Anfang Juli gibt es einen Ortstermin mit Vertretern des Verwaltungsgerichts Düsseldorf.

"Das Problem ist, dass ein solches Industrieunternehmen nicht hier reinpasst", sagt Stoschek. Der Bebauungsplan ist aus den 60er Jahren. "Damals ging man noch von viel kleineren Lkw aus. Heute können doch Anwohner und Gewerbe nicht Tür an Tür sein", sagt Stoschek. Die geplante Halle soll zehn Meter hoch werden und wäre damit deutlich größer als das bestehende Gebäude der ehemaligen Hutfabrik. Auch die Stadtverordnete Ingrid Schäfer sieht die Pläne kritisch.

Bereits im September 2010 hatte sie eine Info-Veranstaltung organisiert, denn weder in Ausschuss noch Rat war das Thema diskutiert worden. Die Verwaltung gab das Ok für die Bebauung ohne die politischen Gremien. Laut Planungsdezernent Stefan Pfitzer eine gängige Praxis, allerdings eine, die nicht nur Schäfer, sondern auch andere Politiker erboste, etwa Grünen-Chef Michael Klinkicht. Pfitzer betont: "Die Baugenehmigung war richtig und korrekt."

Auch Michael Cames, Geschäftsführer der Firma Cames, sieht die Problematik mit der neuen Halle nicht. "Der Verbindungsbau zu unserem Gebäude an der Moselstraße kommt", sagt er. So könne der gesamte Abtransport über die Moselstraße und nur die Anlieferung über den Holzheimer Weg laufen. Stoschek und seine Mitstreiter bezweifeln aber, dass diese Verbindung tatsächlich kommt. Auch die Anzahl von Lkw — genehmigt sind 15 Lkw-Bewegungen pro Tag — werde laut Cames nicht überschritten. "Von mehreren Logistikern wurde mir aber gesagt, dass man eine Halle dieser Größe nicht mit nur 15 Lkw täglich füllen kann", kritisiert Schäfer. Auch Pfitzer gibt zu, dass die Zahl 15 nur ein Nährungswert sei.

Jetzt setzen beide Seiten auf den Gerichtstermin und damit auf juristisch verordnete Ruhe am Holzheimer Weg.

(NGZ)