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Busse in Neuss und Dormagen gegen häusliche Gewalt plakatiert

45 Fahrzeuge in Neuss und Dormagen : Mit Bus-Plakaten gegen häusliche Gewalt

Die Busse der Stadtwerke Neuss und der Dormagener Verkehrsgesellschaft sollen künftig nicht nur Fahrgäste transportieren, sondern auch eine wichtige Botschaft: „Gewalt ist nie privat“. Durch Plakate mit diesem Slogan will der „Runde Tisch“ das Thema häusliche Gewalt in der Öffentlichkeit sichtbar machen.

„Schweigen hilft nur dem Täter“, sagt Ursula Habrich von der Frauenberatungsstelle in Neuss.

Insgesamt 45 Busse in Neuss und Dormagen bekommen jeweils zwei von den neuen Plakaten, auf denen eine weinende Frau als Symbol für häusliche Gewalt abgebildet ist. „Wenn man nicht davon betroffen ist, ist das Thema nicht präsent. Aber im Bus schaut man sich um und sieht beim nächsten Mal vielleicht nicht weg“, sagt Elke Kroner, Leiterin des Frauenhauses in Neuss. Das Frauenhaus ist eine von acht Organisationen, die den „Runden Tisch“ bilden, ein Zusammenschluss von Institutionen aus den Bereichen Gewalt in der Familie und Opferschutz. Seit 20 Jahren arbeiten die Organisationen zusammen. „Immer wenn der Runde Tisch eine öffentliche Aktion startet, macht sich das bei uns bemerkbar, dann gehen mehr Menschen auf uns ein“, sagt Kroner. Mindestens ein Jahr lang sollen die Plakate an den Fenstern der Busse bleiben.

Klaus Schmitz, Geschäftsführer der Dormagener Stadtbad- und Verkehrsgesellschaft und der Vertriebsleiter im Bereich Verkehr der Neusser Stadtwerke, Jörg Steinfort, waren bei der ersten öffentlichen Präsentation der Busse anwesend. „Ohne diese zwei Partner wäre die Aktion nicht möglich gewesen“, betonte Elke Kroner. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke bedankte sich bei den beteiligten Organisationen für ihr Engagement. „In einer idealen Welt gäbe es die Notwendigkeit für Ihre Arbeit nicht, doch wir leben nicht in einer solchen Welt“, sagte er. 854 Fälle von häuslicher Gewalt seien letztes Jahr bei der Kreispolizeibehörde eingegangen. Und das seien nur die Fälle, die gemeldet werden. „In diesem Bereich gibt es eine hohe Dunkelziffer“, bestätigt Ursula Habrich. Man gehe in kriminologischen Studien davon aus, dass 80 Prozent der Fälle nicht an die Öffentlichkeit gehen. „Diese Dunkelziffer wollen wir ans Licht bringen“, so Habrich. Mit den Plakaten werden ausdrücklich nicht nur Betroffene angesprochen, sondern auch Angehörige, Nachbarn und andere Menschen, die Fälle von häuslicher Gewalt mitbekommen. Viktor Marinov