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Bundestagswahl 2021: Armin Laschet ruft in Neuss zum Endspurt auf

Bundestagswahlkampf 2021 : Armin Laschet ruft in Neuss zum Endspurt auf

Die Quirinus-Stadt hat dem CDU-Kanzlerkandidaten schon einmal vor einer Wahl Glück gebracht. Rund eine Woche vor der Bundestagswahl warb er in einer kämpferischen Rede für eine Politik der Mitte mit ihm als Kanzler. Ein Versuch, mit Klimaaktivisten in den Dialog zu treten, scheiterte an lauter Musik.

Um 14.56 Uhr hämmern die ersten Töne von „Eye Of The Tiger“ über den Promenadenplatz vor dem Romaneum. Zu den Klängen aus dem Kinohit „Rocky“ und umringt wie ein Boxer auf dem Weg zum Ring bahnt sich Armin Laschet den Weg zur Bühne. Rund 300 Besucher warten auf eigens dafür aufgestellten Stühlen auf die Rede des NRW-Ministerpräsidenten und CDU-Kanzlerkandidaten. Als Laschet nach vorne schreitet, stehen sie Spalier. Knapp 300 weitere Besucher harren außerhalb des bestuhlten Bereichs. Auf der Bühne angekommen winkt Laschet in die Menge, grüßt, erblickt bekannte Gesichter. Neuss – das ist für ihn auch ein Heimspiel. Schon oft war er hier, unter anderem 2018 als Ehrengast des Neusser Schützenfestes. In die Quirinus-Stadt pflegt er freundschaftliche Bande, er verbindet viele gute Erinnerungen mit der Stadt. „Neuss bringt Glück“, sagt Laschet zu Beginn seiner Rede.

Wenige Tage vor der Landtagswahl 2017 sei er auch in der Quirinus-Stadt gewesen. Umfragen sahen die SPD damals vorne, eine Parallele zur aktuellen Situation. „Wir haben damals das gleiche erlebt wie jetzt, und wir haben uns nicht beirren lassen und sind unseren Weg weitergegangen“, sagt er. Das Ergebnis ist bekannt: Laschet und die CDU packten die SPD. Und das, so lautet die Botschaft, werde sich bei der Bundestagswahl am 26. September wiederholen. „Innere Sicherheit, gute Bildung, wirtschaftliche Stärke – was wir in NRW begonnen haben, wollen wir auch in Berlin umsetzen“, ruft Laschet den Zuhörern zu.

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Es ist eine kämpferische Rede, klar in Inhalt und Aussage. Die Bundestagswahl werde eine Richtungswahl, betont der 60-Jährige. Er warnt vor einem Linksruck und einer rot-rot-grünen Koalition. „Wenn es am Wahlabend eine Mehrheit dafür gibt, werden sie es machen“, sagt Laschet. „Das müssen wir verhindern.“ Käme es zu einer Regierungsmehrheit von SPD, Grünen und Linken, sieht er nicht nur Wohlstand und Arbeitsplätze in Gefahr. Laschet warnt vor einer Schulden- und Verbotspolitik. „Rot-Rot-Grün wäre ein großes Risiko für Deutschland.“ Das bezieht er auch auf Fragen der Inneren Sicherheit. Laschet verweist darauf, dass seine Landesregierung mit Innenminister Herbert Reul die Kriminalitätsbekämpfung, insbesondere auch bei der sogenannten Clan-Kriminalität, angepackt habe.

In knapp 40 Minuten spricht Laschet die großen Themen an. Innen-, Außen- und Wirtschaftspolitik, die Bedeutung Europas für Deutschland und in einer globalisierten Welt, die Corona-Folgen, gesellschaftlichen Zusammenhalt, den Strukturwandel und Braunkohle-Ausstieg. Zur Wahlkampfveranstaltung waren auch Aktivisten des Bündnisses „Alle Dörfer bleiben“ gekommen, die aber zumindest an diesem Nachmittag an einer echten Diskussionskultur nicht interessiert zu sein schienen. Als Laschet sie direkt anspricht, drehen einige von ihnen laute Musik auf – so laut, dass der Kanzlerkandidat für ein, zwei Minuten kaum zu verstehen ist. Das ist schade, denn zu einem Dialog gehört es auch, zuzuhören.

Laschet spricht den Dreiklang aus Klimaneutralität, Sozialverträglichkeit des Strukturwandels und Erhalt von Arbeitsplätzen an. Bei den erforderlichen Anstrengungen und Innovationen müsse man ermutigen. Laschet nimmt die Kanzlerkandidatin der Grünen ins Visier. „Wenn Annalena Baerbock sagt, Verbote seien auch ein Innovationstreiber, dann ist das grober Unsinn.“ Die Politik dürfe sich zudem, zum Beispiel mit Blick auf den Klimawandel, nicht im Klein-Klein verlieren, sondern müsse global denken. Deutschland müsse zum Vorbild werden, dem andere Länder nacheifern. „Wir müssen wirtschaftlich und sozial stark bleiben und klimaneutral werden.“

Nach knapp 40 Minuten ist seine Rede beendet. Der Wahlkampfauftritt in Neuss war von der CDU terminlich gut gewählt. Wegen des zeitgleich stattfindenden Hansefestes kamen auch zahlreiche Zuhörer kurzerhand während ihres Ausflugs in die City vorbei. Bevor Laschet auf die Bühne trat, hatte es zwei kurze Talkrunden mit christdemokratischer Polit-Prominenz aus dem Rhein-Kreis gegeben. Zunächst sprachen NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper sowie die Landtagsabgeordneten Jörg Geerlings und Heike Troles über Laschet und die Arbeit der schwarz-gelben Landesregierung. Im Anschluss nahmen die Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe und Ansgar Heveling, der Neusser CDU-Chef Jan-Philipp Büchler und die stellvertretende Landrätin Katharina Reinhold die anstehende „Richtungswahl“ und die großen Zukunftsfragen in den Blick. Und es gab eine amüsante Anekdote aus dem Haustürwahlkampf zu hören. Jan-Philipp Büchler erzählte, wie er dabei völlig unverhofft in eine Pilates-Session platzte – und kurzerhand eingeladen wurde, mitzumachen. „Jetzt weiß ich auch, was die ,kleine Meerjungfrau’ ist“, sagt er.