Bürgerversammlung in Allerheiligen zu Gewerbe und Verkehr in Neuss

Bürgerversammlung in Allerheiligen : Angst vor dem Verkehrs-Infarkt

Der Landrat und die Bürgermeister von Dormagen und Neuss diskutierten mit Bürgern über die Entwicklung von Verkehr und Gewerbe im Süden von Neuss und Dormagens Norden. Die Skepsis war auch danach noch groß.

In den kommenden 20 Jahren wird aus dem Neusser Süden eine große Industrieregion mit der geplanten Anschlussstelle Delrath zur Autobahn 57 als Dreh- und Angelpunkt. Davon ist Dorothee Helten überzeugt und mit ihr die Bürgerinitiative Elvekum. Bei einer Bürgerversammlung am Montagabend in der Grundschule Allerheiligen konfrontierte sie den Landrat und die Bürgermeister von Neuss und Dormagen mit der Furcht und dem Misstrauen der Bürger in Neuss und dem angrenzenden Norden Dormagens. Das war auch nach mehr als zweistündiger Debatte nicht ausgeräumt. „Keine Informationen und keine echten Antworten“, bilanzierte Helten und kündigte noch vor Ort an: „Wir übernehmen. Wir machen eine eigene Informationsveranstaltung.“

Was war der Anlass? Bis Mitte Juni liegen die Pläne für den Autobahnanschluss Delrath öffentlich aus. Damit sich die Menschen informieren und sich fundiert zur Sache äußern können, hatte die BI eine Informationsveranstaltung eingefordert. Diese abzuhalten, wurde der Verwaltung durch Ratsbeschluss aufgetragen. Zugleich sollte das Forum genutzt werden, um generell über die Verkehrs- und Gewerbeflächenentwicklung im Neusser Süden und im Norden Dormagens zu informieren.

Bürgerversammlung in Allerheiligen für Gewerbe und Verkehr im Neusser Süden. Foto: Christoph Kleinau

Was ist geplant? Christian Unbehaun, Leiter des Neusser Planungsamtes, machte klar, dass es nicht den „einen“ Plan gibt, sondern verschiedene, die von unterschiedlichen Behörden betrieben und unterschiedlich weit gediehen sind. Während die Stadt Neuss noch an dem  eher abstrakten Flächennutzungsplan arbeitet, der die Erweiterung des Gewerbegebietes Derikum vorsieht, ist Dormagen schon dabei, einen Bebauungsplanentwurf für einen Teil des gemeinsamen Gewerbegebietes „Silbersee“ zu entwickeln. Dort soll der Paketriese DHL angesiedelt werden. Mehr als 500 Jobs erhofft sich Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld durch die Entwicklung dieser Industriebrache, auf der früher eine Zinkhütte stand. Parallel betreibt der Kreis den Bau der Anschlussstelle Delrath. Für diese werde gerade Baurecht geschaffen, sagt Unbehaun.

Welche Sorgen haben die Bürger? Die Menschen in Neuss und Dormagen fürchten einen Verkehrsinfarkt, wenn neue Gewerbegebiete entstehen. Sie pochen daher auf ein groß angelegtes Mobilitätskonzept. Zudem argwöhnen sie, dass die Verwaltungen klare Vorstellungen zur Entwicklung der Gewerbegebiete haben, damit aber hinter dem Berg halten. Das verneinte der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer entschieden. Und er betonte auf Anfrage von Ingeborg Arndt (BUND), dass die Städte Neuss und Dormagen in puncto Silbersee keine Ansiedlungsvereinbarung unterzeichnet haben. Es gebe nur eine beiderseitige Absichtserklärung für ein interkommunales Gewerbegebiet.

Nach der Versammlung beantworteten Experten alle Detailfragen. Foto: Christoph Kleinau

Wie argumentieren Kreis und Städte? Neuss und Dormagen sind nach Darstellung von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke Zuzugsgebiet. Neue Bürger verlangen aber auch nach neuen Jobs. Gewerbegebiete würden aber auch benötigt, um die Steuereinnahmen zu sichern und die Infrastruktur der Kommunen auch künftig bezahlen zu können. Breuer betonte ferner, mit dem Flächennutzungsplan eine geordnete städtebauliche Entwicklung bis 2030 absichern zu wollen.

Bürgermeister Reiner Breuer warb bei den Besuchern um Verständnis. Foto: Christoph Kleinau

Was konnte zugesagt werden? Lierenfeld stellte klar: „Es wird nicht weniger Verkehr werden, aber der wird anders verteilt.“ Das bestätigte auch Verkehrsexperte Frank Weiser, dessen Gutachten so zusammengefasst werden können: Mehr Verkehr auf der Autobahn und der Kreisstraße 30 in Neuss, aber eine Entlastung der B 9, der L 380 und die K 12 in Nievenheim. Alle stellten klar: Die Anschlussstelle Delrath kommt nur, wenn die A 57 sechsspurig wird, und das Projekt Silbersee erst, wenn „Delrath“ in Betrieb ist. „Wir wollen niemanden übermäßig strapazieren“, sagte Breuer. Das nahmen ihm nicht alle im Saal ab.

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