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Bürgermeisterkandidaten aus Neuss diskutieren mit der AG Wohlfahrtspflege

Bürgermeisterkandidaten aus Neuss bei AG Wohlfahrtspflege : Verbände beklagen hohen Trägeranteil

Die AG Wohlfahrtspflege fühlt Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn. Mehr Geld für Kinder- und Jugendeinrichtungen können diese den Sozialverbänden aber nicht in Aussicht stellen. Bürgermeister Reiner Breuer regt Kooperationen an.

Wird es nach der Wahl mehr Geld für die Kinder- und Jugendeinrichtungen geben? Zu dieser Frage haben  fünf der sechs Bürgermeisterkandidaten im Haus Derikum in Norf Stellung bezogen. Ihre Antworten in aller Kürze: vermutlich nicht.

Die Arbeitsgemeinschaft freie Wohlfahrtspflege hatte die Kandidaten zur Podiumsdiskussion vor Vertretern verschiedener Sozialdienste und Verbände eingeladen, Publikum aber nicht zugelassen. Die Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit war dabei ein großes Thema. Konkret ging es um den Trägeranteil. Denn aktuell müssen die Träger der Kinder- und Jugendeinrichtungen zehn Prozent der Betriebskosten selbst aufbringen. Oft eine schier unmögliche Aufgabe, so meinten viele. Deshalb würden viele gute Ideen schon im Keim erstickt. Nur bei den Kitas liegt der Trägeranteil inzwischen nur noch bei zwei Prozent.

Das sei ein guter Anfang, so Roland Speerlings (Die Linke), aber es müsse sich noch mehr bei der Finanzierung ändern. Auch Jan-Philipp Büchler (CDU) versprach, sich für eine Reduzierung des Anteils einzusetzen. „Aber das wird ein schwieriges Unterfangen“, schränkte er ein. Michael Lang (UWG) sagte klar, dass er aktuell keine Chance sieht, den Anteil zu reduzieren. Und auch Reiner Breuer (SPD) erklärte, dass der Trägeranteil angesichts der coronabedingten Verluste und Mehrausgaben im Stadtetat nicht einfach von der Stadt übernommen werden könne. „Dann muss erst an anderer Stelle das Geld eingespart werden“, so Breuer. Auf eine Gegenfinanzierung bestand auch Michael Fielenbach (FDP). Eine Idee, wo Geld eingespart werden kann, äußerte er auch: „Ich ärgere mich wirklich sehr, dass wir im Stadtrat über dieses unsinnige Klimaschutzpaket, dieses ,Nice-to-have-Projekt’, reden. Es gibt wichtigere Dinge.“

Breuer will einen anderen Weg gehen. Er versprach für Verlässlichkeit und Planungssicherheit zu sorgen. Weiter wolle er mit den Trägern diskutieren, was die Haupt-Aufgaben der einzelnen Einrichtungen sind und ob Kooperationen möglich seien. Büchlers Vorschlag neben der angestrebten Reduzierung: Mehr auf Unternehmerfamilien zuzugehen, denen der soziale Friede am Herzen liegt.

Das nächste Thema der Diskussion lautete Inklusion. Nach Ansicht von Lange, gebe es hier in Neuss noch viel Nachholbedarf. Zwar leiste der Bauverein beispielsweise beim Wohnprojekt in Weckhoven gute Arbeit, da dort barrierearm gebaut wird. „Aber als jemand, der mit Inklusionskindern Sport treibt, kann ich sagen, dass man hier überhaupt keine Freiheit erlebt.“ So seien Umkleiden oder Duschen oft nicht nutzbar. Da müsse etwas getan werden. Büchler kritisierte vor allem die Sprache in den Ämtern. Er wisse von Bürgern, die dort inhaltlich schlicht unverständliche Antworten bekommen hätten. „Wir brauchen ein Bürgertelefon, wo emphatisch reagiert und verbindlich gehandelt wird.“ Kritik, die Bürgermeister Breuer nicht unkommentiert lies: „Bei der Stadt arbeiten 1600 Beschäftigte, da passieren Fehler, aber wir sind kein empathieloser Verwaltungstrupp.“ Er verwies zudem auf die neue Website, mit zertifizierter einfacher Sprache, die in dieser Woche an den Start geht. In diese Richtung werde es mit ihm weitergehen.