1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Bürgermeister-Wahl 2020 in Neuss - Wer fordert Amtsinhaber Breuer heraus?

Analyse zur Bürgermeister-Wahl 2020 : Kandidaten-Suche bei der CDU: Sebastian Rosen – und wer noch?

Im Herbst 2020 stehen Bürgermeister-Wahlen an. Klar ist, dass sich Reiner Breuer (SPD) um eine zweite Amtszeit bewirbt. Doch wer fordert ihn heraus? Die Neusser CDU sondiert das Feld der potenziellen Bewerber, zu denen auf jeden Fall Ratsherr Sebastian Rosen zählt. Ein Favorit zeigt sich jedoch noch nicht.

Zwei Parteichefs, ein Auftrag: Suche und Aufstellung eines Bürgermeister-Kandidaten. Was nach gleichem Schwierigkeitsgrad klingt, könnte kaum ungleicher sein. Da ist Sascha Karbowiak (SPD), dessen größtes Problem darin besteht, einen Termin für den formalen Akt der Aufstellung zu finden: „Vermutlich Anfang des Jahres 2020.“ Kein Zweifel besteht, wer der Kandidat sein wird: Bürgermeister Reiner Breuer (49), der sich um eine zweite Amtszeit bewerben will. Schon laufen die Vorbereitungen zur Aufstellungsveranstaltung intern unter dem Arbeitstitel „Krönungsmesse“. Auf welchen Herausforderer von der CDU stellen sich die Sozialdemokraten ein? „Wir nehmen das, was kommt“, sagt Karbowiak. In seinem offiziellen Statement, flott formuliert, wird deutlich, in welch’ schwieriger Personalfindung der politische Mitbewerber steckt.

Bürgermeister Breuer strebt eine zweite Amtszeit an. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Bei der CDU, die seit Gründung der Bundesrepublik alle (Ober-)Bürgermeister der Stadt Neuss stellte, bis im Herbst 2015 Reiner Breuer kam, kristallisiert sich kein Favorit heraus. Vorsitzender Jürgen Brautmeier dürfte froh sein, wenn er am Ende seiner Sichtung eine Liste mit einem halben Dutzend denkbarer und verfügbarer Kandidaten in Händen hält. Er übt sich in Aussagen, die Optimismus versprühen sollen: „Wir werden einen guten und kompetenten Kandidaten präsentieren.“ Einer steht auf jeden Fall bereit: Ratsherr Sebastian Rosen (44). Er versucht es ein zweites Mal. 2014 hatte er es in einem Bewerber-Quartett bis in die parteiinterne Stichwal geschafft, war dann aber Thomas Nickel unterlegen.

Jürgen Brautmeier leitet als Chef der Neusser CDU die Kandidaten-Suche. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Der damalige CDU-Kandidat Nickel, inzwischen 71 Jahre alt, verspürt keine Lust auf einen neuen Anlauf: „Das Thema ist für mich durch.“ Mit Helga Koenemann („Ich stehe nicht zur Verfügung“) nimmt sich eine weitere Bewerbung von 2014 aus dem Rennen. Die Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion ist 65 Jahre alt und überlegt, ob sie überhaupt noch einmal für den Stadtrat antreten will. Vierter im Bunde war damals Klaus Goder (61). Der Mediziner, ein ehemaliger Kreistagsabgeordneter, wirft seinen Hut auch nicht in den Ring. Schließt aber eine Kandidatur nicht gänzlich aus: „Sollte jemand antreten, der in meinen Augen zu wenig Neuss-Bezug besitzt, behalte ich mir vor, mich als Alternative anzubieten.“

Wer schafft es dann auf die Liste von Jürgen Brautmeier? Der Vorsitzende sucht und schweigt. Einer, der immer wieder genannt wird, ist Dirk Brügge (51). Der Kreisdirektor – und damit Stellvertreter von Landrat Petrauschke – wohnt mit seiner Familie im Neusser Norden, kann eine Verwaltung führen, beherrscht die Themen und bewegt sich in der Gesellschaft sicher. Aber ein Mann aus dem Kreishaus fürs Neusser Rathaus? Diese Variante unterstellt neues Denken. Sven Schümann (40), Erster Stellvertretender Bürgermeister, ist ebenfalls im Skat. Er schließt eine Kandidatur nicht aus. Spekuliert wird auch über Jörg Geerlings (46). Der ehemalige Neusser CDU-Chef hat sich zwar im Gegensatz zum Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe nicht gänzlich aus dem Rennen genommen, zeigt hohe Präsenz in der Stadt, dokumentiert dabei, wie viel Freude ihm die Arbeit im Landtag bereitet. Dort genießt er als Justitiar seiner Fraktion und Vorsitzender von zwei Untersuchungsausschüssen hohes Ansehen.

Jörg Geerlings tut alles, die Spekulationen nicht zu befeuern. Ob er auf der Liste der potenziellen Kandidaten von Jürgen Brautmeier steht, ist unbekannt. Ein SPD-Promi hat den starken Mann der Neusser CDU jedenfalls in seiner Rechnung mit vielen Unbekannten: „Wir stellen uns darauf ein, dass Geerlings der CDU-Kandidat sein könnte. Sozusagen als Worst Case.“ Wer mag, der kann das auch als Kompliment für Geerlings verstehen.