Neusser Woche Kriminalitätsstatistik: Bürger warten auf einen Erfolg der Polizei

Neusser Woche Kriminalitätsstatistik : Bürger warten auf einen Erfolg der Polizei

Großeinsatz beim Familienstreit und Automaten-Sprengung in Neuss, Schüsse auf Bus in Dormagen: Eine stabile Sicherheitslage sieht anders aus.

Ja, es gibt eine objektive Sicherheitslage und ein subjektives Sicherheitsempfinden - und beide Kurven klaffen oftmals wie eine Schere auseinander. Und das aus gutem Grund. Beispiel: Am Dienstag dieser Woche legt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke als (politisch verantwortlicher) Leiter der Kreispolizeibehörde gemeinsam mit den operativen Polizeichefs Hans-Werner Winkelmann und Detlef Gernandt die Kriminalstatistik 2016 vor. Botschaft: 30.000 Straftaten liegen auf Vorjahresniveau, jede zweite Straftat wurde aufgeklärt. Das Fazit darf der Landrat ziehen: "Die Sicherheitslage im Rhein-Kreis Neuss ist stabil." Soweit die Zahlen, Daten, Fakten und Einordnungen der "objektiven Sicherheitslage".

Das "gefühlte Sicherheitsempfinden": In der Nacht nach der Pressekonferenz eskaliert der Streit in einer Großfamilie auf der Furth - unter Einsatz von Baseballschlägern - derart, dass 15 Einsatzfahrzeuge der Polizei erforderlich scheinen, um die Situation unter Kontrolle halten zu können. Wiederum eine Nacht später wird zum zweiten Mal innerhalb einer Woche mehrfach auf einen Bus in Hackenbroich geschossen, in dem neben dem Fahrer noch vier Menschen sitzen. Wiederum eine Nacht später jagen Unbekannte im Herzen der Stadt Neuss einen Geldautomaten in die Luft.

Die Massierung der jüngsten Straftaten mögen Zufall und die Nähe zur Pressekonferenz der Polizei Pech sein. Sie macht aber nachvollziehbar, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung nicht grundlos unter der von den Verantwortlichen propagierten "objektiven Sicherheitslage" liegt.

Statistik hin, Aufklärungsquote her - die Kreispolizei benötigt ein Erfolgserlebnis. Sie muss die Heckenschützen von Hackenbroich dingfest machen. Wenn Busse dort nun eine alternative Route fahren, mag das zum Schutz der Fahrgäste unumgänglich sein, aber die Lösung schafft nur einen Fluchtweg statt einer stabilen Sicherheitslage. Das darf der Staat nicht zulassen.

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(NGZ)
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