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Ausweis der Zugehörigket: Wo die Orden herkommen

Ausweis der Zugehörigket : Wo die Orden herkommen

Einen Orden von eindeutiger Symbolik hat König Werner Kuhnert geschaffen und an seinem Ehrenabend fast 2000 Schützen mit dieser Auszeichnung bedacht. Es ist ein Orden, der nur ein Kernanliegen dokumentieren soll: Der Rhein trennt nicht, er verbindet vielmehr Neusser und Düsseldorf.

Die Neusser freuen sich über Königsorden, aber bis sie überreicht werden, ist viel zu beachten. Woher kommt der Ordensbegriff? Streng genommen, so erklärt Ralf Berger vom Komitee des Neusser Bürger-Schützen-Vereins, sind die Auszeichnungen der Neusser Schützenkönige ein Zwischending, ein Zwitter. Von seiner Geschichte her ist ein Orden Ausweis einer bestimmten Zugehörigkeit — zu einem weltlichen, aber auch einem kirchlichen Orden.

Der "Pour le merit" ist für Berger der letzte so zu verstehende Orden, denn dessen Träger gehörten mit der Verleihung automatisch einer Gemeinschaft an. Die klassischen Auszeichnungen, die vom Militär für Tapferkeit oder von der Feuerwehr für besonderen Einsatz verliehen werden, seien eher ein Ehrenzeichen, sagt Berger. Im Schützenwesen nun komme beides zum Tragen: Der Königsorden wird verliehen für ein besonderes Engagement im Regiment oder in den Zügen, er ist zugleich aber auch Ausweis einer Mitgliedschaft.

Wer entscheidet über die Form des Ordens? Eindeutig der König. Der könnte zwar auf eine Vielzahl standardisierter Vorlagen zugreifen, die von der Industrie in großer Vielfalt angeboten werden und eigentlich nur noch einer Gravur bedürfen. Neusser Könige gebrauchen diese allerdings im besten Fall für Anregungen, ihre Orden sind individuell gestaltet. Werner IV. macht da keine Ausnahme. Sein Orden hat die Form eines stilisierten Kreuzes, auf dessen Seiten sich die Angaben zu seiner Regentschaft finden, das sich im zentralen Stamm aber nach oben verbreitert und in einer Giebelform ausläuft — ein Hinweis auf den Beruf des Dachdeckermeisters.

Gibt es Größenvorgaben für den Orden? Nein, sagt Komiteemitglied Berger. Der größte Orden in der Neusser Vereinsgeschichte wurde seinerzeit von Heinz-Peter Jansen ausgegeben. Er war, so Berger, "beinahe bierdeckelgroß". Die Grenze der Ordensgröße gebe eher die Praktikabilität vor. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ordensform und der Symbole? Nur indirekt. "Man darf nicht zu viele Motive auf einem Orden unterbringen, da sie sonst zu klein werden", sagt Graveurmeister Frank Ewald und erinnert an den Orden, der vor genau zehn Jahren für Hans-Josef Uhr in seinem Unternehmen an der Bergheimer Straße entstand.

Der wollte viele und große Element — wie den alten Neusser Bahnhof —, so dass die Kreuzform ausschied und er sich für den ovalen Ordensschild entschied. Wie und wann sollte sich ein König mit seinem Orden beschäftigen? "Der Schützenkönig sollte sich vor dem ersten Gespräch mit dem Graveur Gedanken über die Motive seines Ordens machen" , sagt Ewald. "Er sollte dies recht zeitnah nach seiner Ernennung zum König tun.

" Denn Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Erstellung eines Königsordens viel Zeit in Anspruch nimmt. Schließlich würden mehrere Entwürfe gezeichnet. Werner Kuhnerts erste Entscheidung stand fest, nachdem er auf Einladung der Kardinal-Frings-Gesellschaft am Grab des Neusser Ehrenbürgers war. "Der Quirinus taucht auf vielen Orden auf, an den Kardinal aus Neuss hat noch keiner gedacht", sagt der Wahl-Neusser, der dem Denkmal des, so wörtlich, "kirchlichen Sympathieträgers" das Reiterstandbild des Kurfürsten Jan Wellem gegenüberstellt, das vor dem Rathaus von Kuhnerts Heimatstadt Düsseldorf steht.

Unter beiden Figuren: Der Rhein und die Kardinal-Frings-Brücke als verbindende Klammer zwischen beiden Städten. Wie läuft die Produktion des Ordens ab? Da die Neusser Königsorden Einzelstücke sind, sind sie Handarbeit. Auch wenn der Ordensmacher, der dem spröden Werkstoff Metall Form und Aussehen gibt, heute auf vollautomatische, weil computergesteuerte Fräsen setzt. Letzte Feinheiten werden mit dem Stichel im Werkzeugstahl nachgearbeitet.

Ein Abguss aus Kunststoff und ein Bleiabschlag zeigen dem Auftraggeber, wie sein Orden aussehen wird. Bis dahin seien Korrekturen möglich, sagt Frank Ewald. Erst nach der Abnahme wird das Prägewerkzeug gehärtet und die "Serien"-Produktion beginnt. Aus welchem Material sind die Orden? Üblich seien Kupfer oder Messing, sagt Frank Ewald. Danach erfolge die galvanische Veredelung. In diesem Produktionsschritt kann der Orden auch versilbert oder mit Gold überzogen werden.

Schlusspunkt ist die oft farbliche Fassung zum Beispiel des Stadtwappens wie beim aktuellen Orden. Was kostet ein Orden? Bei einer geringen Stückzahl von etwa 50 Orden und einer einfachen Ausführung müsse ein König mit Kosten in Höhe von etwa 500 Euro rechnen, sagt Ewald. "Nach oben sind keine Grenzen gesetzt" Bleibt der Orden ein Unikat? Ja, betont Ewald. "Das Werkzeug wird nur für diese Orden hergestellt — und dem Auftraggeber (hübsch vernickelt) als Andenken überlassen.

Gibt es Regeln für die Farbe des Schmuckbandes? Nein, sagt Ralf Berger. Viele Könige würden ihren Orden in den Farben ihres Heimatkorps ausgeben, manche auch jeweils die Farben des Korps auswählen, aus dem die Auszuzeichnenden sind. Für Kuhnert stellte sich die Farbenfrage gar nicht. Er wählte das Rot-Weiß der Stadtfarben. Der Stadt, die ihm Heimat bedeutet.

(NGZ)