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Jede Bewegung muss sitzen: Wie ein Tambourmajor kommandiert

Jede Bewegung muss sitzen : Wie ein Tambourmajor kommandiert

Ralf Linnartz (50) marschiert mit dem Klüs dem grün-weißen Bundestambourkorps Novesia voran. Sein Kommando gibt den Ton an, jede Bewegung muss sitzen. Der Tambourmajor ist Vertrauens- und Respektperson, aber auch der uneingeschränkte Chef.

Der Stab geht hoch — 30 Musiker des Bundestambourkorps 1912 Novesia nehmen Haltung an. Jeden Augenblick geht es los. Uneingeschränkter Chef dieses Rituals ist Ralf Linnartz (50), seit 1974 Mitglied, seit 1988 Major und Vorsitzender des Tambourkorps, das sich weit über Neuss hinaus einen Namen gemacht hat, und das zusammen mit Frohsinn Norf im Festzug einen beliebten Klangkörper bildet. Unterstützt wird er dabei von seiner kirmesjecken Ehefrau Brigitte.

Ralf Linnartz ist Tambourmajor aus Leidenschaft — Musik und Schützenwesen liegen im Blut. Aufgewachsen auf der Furth kam er bald mit dem Brauchtum in der elterlichen Gaststätte in Berührung. 1973 ging er erstmals mit zur Probe auf den Schießstand der Neusser Scheibenschützen, ein Jahr später wurde er Mitglied. Getrommelt hat er seitdem nahezu jedes Schlaginstrument — bis hin zur dicken Pauke: "Die muss jeder einmal im Korps tragen." Linnartz hat die Konstitution dafür. Wenn der 50-Jährige den Klüs (Taktstock) in der Hand hat, wirkt er wie der Urtyp eines Tambourmajors, so wie er in der Operette besungen oder in Georg Büchners Schauspiel "Woyczek" charakterisiert wird. Einer, der imstande ist, eine Gruppe Trommler und Flötisten zu führen. Früher in die Schlacht, heute bei den Umzügen der Schützen.

Ralf Linnartz ist sich dieser Rolle bewusst. Dabei ist der gelernte Automechaniker in Diensten des städtischen Sportamtes der Boss, aber auch gelegentlich Beichtvater der 30 Musiker zwischen neun und 50 Jahren. "Wenn alles klappt, es nicht zu heiß oder zu nass ist, ist es ein wunderbares Gefühl, im Festzug zu marschieren."

(NGZ)