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Königspaar Franz-Josef und Gundis Badort freut sich auf Schützenfest: Weltoffen und heimatverbunden

Königspaar Franz-Josef und Gundis Badort freut sich auf Schützenfest : Weltoffen und heimatverbunden

Von Carina Wernig

Von Carina Wernig

Überall in der Wohnung stehen Andenken von den zahlreichen Reisen, die das Neusser Schützenkönigspaar Franz-Josef und Gundis Badort unternommen hat. Doch zurzeit haben andere, näher liegende Utensilien die Vorherrschaft übernommen, die alle mit den nächsten vier Tagen zu tun haben: Das Neusser Schützenfest soll der Höhepunkt des Regentschaftsjahres sein, das unter dem Motto steht: "Weltoffen und heimatverbunden". Franz-Josef und Gundis Badort haben ihr bisheriges Königsjahr sehr genossen. Sie haben viele interessante Menschen kennen gelernt - und sehr viel Sympathie der Neusser gespürt. Neben zahlreichen Terminen haben sie auch die Ruhe zwischendurch zu schätzen gelernt, wenn sie sich auf ihrer Dachterrasse im Grünen entspannen konnten. Foto: Wickrath

Als sich der Juwelier Franz-Josef Badort am Schützenfest-Dienstag 2001 mit dem 42. Schuss gegen seine drei Mitbewerber durchgesetzt und die Königskette errungen hatte, war er überwältigt von der großen Welle der Sympathie, die ihm die Neusser entgegenbrachten. Und daran hat sich bis heute nichts geändert, im Gegenteil, seine Königsehrenabend-Rede mit dem Aufruf zu gegenseitiger Toleranz hat ihm eher noch mehr Beifall beschert als vorher. Seit fast 49 Jahren Schütze, liebt der 67-jährige Franz-Josef Badort am Schützenwesen vor allem, dass es den Gemeinschaftssinn stärkt und Freundschaften ermöglicht.

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Auch Königin Gundis ist froh, ihre anfänglichen Zweifel beiseite geschoben zu haben: "Zunächst war ich etwas skeptisch wegen der vielen Termine und der großen Erwartungshaltung an das Königspaar, doch bisher habe ich meine Zustimmung nicht bereut." Mit Stil und Charme hat sie die Neusser erobert. Und wer sieht, wie viel Spaß dem auf den ersten Blick eher introvertiert wirkenden König sein Amt macht, glaubt ihm sofort, wenn er bedauert, einige Termine aus Zeitmangel nicht wahrnehmen zu können: "Alle Schützen engagieren sich auf ihre Weise sehr, da fällt das Absagen schwer."

Der Orden von Franz-Josef Badort.

Wobei Franz-Josef I. von Anfang an klargestellt hatte, sich nicht vor den Werbe-Karren spannen zu lassen: "Wer mit dem Königspaar nur seine Geschäfte ankurbeln wollte, erhielt eine deutliche Absage", betont der König, der passend zum Goldjubiläum seines Schützenlust-Zuges "Hansa 52" den entscheidenden Königsschuss platziert hatte und der Gemeinschaft so das schönste Geschenk machte. Besonderen Spaß bei seinen rund 200 Terminen hatte das Schützenkönigspaar bei den Begegnungen mit Kindern. Ob in Kindergärten, Schulen oder mit den Edelknaben - überall waren die Badorts begeistert von den Kleinen. "Viele begutachteten mich ganz genau, ob ich auch ein "würdiger König" bin", erzählt der "gelernte Opa" lachend - drei Kinder und fünf Enkelkinder haben deutliche "Spuren" hinterlassen.

Trotzdem lassen sie sich gern von kindlicher Spontanität überraschen: "Es ist phantastisch, was die Kinder alles wissen wollen", erinnert sich Gundis Badort gern an die enttäuschte Frage nach ihrer Krone oder den schönen Besuch mit den Edelknaben im Kölner Hänneschen-Theater, wo es "1802 - Wie dat Puppespell noch Kölle kom" zu sehen gab, mit anschließendem Grillen im Vereinsheim des NTC Stadtwald. "Es gibt so viele wunderschöne Erlebnisse, die ich mir vorher nie ausgemalt hätte", berichtet König Franz-Josef von Begegnungen mit Senioren im Altenheim, von einer wildfremden Frau, die ihm einfach um den Hals fiel, um ihm zu gratulieren, und von vielen Gesprächen.

So hat Königin Gundis inzwischen - dank eines alten Fotos - herausgefunden, dass ihr Vater Heinrich Wermelskirchen, der einen Hefe-Großhandel hatte, im Bäcker-Zug "Zunfttreue" mitmarschiert ist, der nun auf sein 70-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Da auch Vater und Großvater von Franz-Josef I. als Scheibenschützen aktiv waren, blieb die eigene Begeisterung für das Schützenwesen nicht aus. Auch in beruflicher Hinsicht folgte er seinen Vorfahren: Großvater Heinrich Badort gründete 1897 das Juweliergeschäft, damals noch an der Neustraße, bevor das jetzige Domizil an der Niederstraße um die Jahrhundertwende bezogen wurde.

Nach Vater Franz Badort übernahm Franz-Josef Badort 1974 - nach Uhrmacher-Lehre und Meisterschule - das Geschäft, in dem auch Sohn Armin (40), kaufmännisch als Betriebswirt, und Tochter Eva (36) als Goldschmiedin und Diamanten-Gutachterin arbeiten. Nur Sohn Dirk (38) arbeitet als Maschinenbau-Ingenieur nicht im Familienbetrieb, zu dem eine Niederlassung in Düsseldorf sowie in Köln mit etwa 30 Mitarbeitern gehört. Kennen gelernt haben sich Gundis Wermelskirchen und Franz-Josef Badort beim Tanztee in der alten Bürgergesellschaft an der Niederstraße, fünf Jahre später wurde geheiratet.

Ob als Kassierer im KKV Novesia, der Vereinigung der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, oder als Mitglied in der Gesellschaft "Schlaraffia Castellum Novesium" - Franz-Josef Badort erfüllt seine Aufgaben ernsthaft, aber stets mit einem typisch rheinischen Schmunzeln und Augenzwinkern. Und so versteht er auch seinen Leitsatz: "Wissen, wo seine Heimat ist, mit beiden Beinen auf dem Teppich bleiben, aber mit Interesse auf andere Menschen und Kulturen zugehen."

(NGZ)