Schützenfest in Neuss 2019: Missverständnis um geplante Solidaritätsaktion für Nüsser Divergenten

Wackelzug in Neuss : Missverständnis um geplante Solidaritätsaktion für Nüsser Divergenten

Beim Wackelzug sollten mehrere Schützen aus allen Korps an der Seite der Divergenten marschieren. Doch umgesetzt wurde die Aktion am Ende nicht. Von Kommunikationsschwierigkeiten sprechen die Verantwortlichen auf Nachfrage unserer Redaktion.

Es war eine Idee, die viel Zuspruch erfuhr – aber am Ende doch nicht realisiert wurde. Von Kommunikationsschwierigkeiten sprechen die Verantwortlichen auf Nachfrage unserer Redaktion.

Was war passiert? Zunächst muss man bis zum Fackelzug am Samstag „zurückspulen“. Dort war es in der Zuschauermenge zu insgesamt drei verbalen Entgleisungen gegen den neu gegründeten Zug „Nüsser Divergenten“ gekommen. In diesem sind unterschiedliche Nationalitäten und Religionen vertreten. Schützenpräsident Martin Flecken hatte in seiner Festansprache zur Parade am Sonntag klare Kante gezeigt und betont: Wer farbige Schützen mit dummen Sprüchen anmache, der solle dort bleiben, wo er herkomme. Auch innerhalb der Korps sorgten die Buh-Rufe für Bestürzung. Detlef „Colt“ Sievers vom Jägerzug „Steinadler“ entwickelte die Idee für eine besondere Aktion, um sich mit den „Nüsser Divergenten“ zu solidarisieren. Der Plan: Beim Wackelzug sollten mehrere Schützen aus allen Korps an der Seite der Divergenten marschieren. „You’ll never walk alone“ in Schützen-Manier! Doch umgesetzt wurde die Aktion am Ende nicht. Zum Bedauern aller Beteiligten.

„Wir wollten zunächst die Zustimmung von der Korpsführung und dann vom Oberst einholen“, sagt Sievers. Zwar gab es von Jäger-Major René Matzner grünes Licht für die Aktion, doch den Oberst sollten die Pläne nicht erreichen. „Ich wusste von dem Vorhaben nichts“, sagt Walter Pesch, der die Aktion jedoch ebenfalls befürwortet hätte. Jägerhauptmann Michael Panzer (ebenfalls Mitglied im Zug „Steinadler“) spricht von einem Kommunikationsproblem. Auch Sievers betont: „Es gibt kein böses Blut deswegen. Es ist einfach blöd gelaufen.“ Auch wenn die Aktion nicht zustande gekommen ist, freut sich Bert Römgens, Gründer des multikulturellen Schützenzugs, über breite Unterstützung von den Schützen. „Wir wurden super nett aufgenommen. Egal, wo wir waren. Darauf konzentrieren wir uns – und nicht auf die drei Entgleisungen!“ Aus den Korps wäre ihm gegenüber – bezogen auf die rassistischen Rufe – mehrfach signalisiert worden: Das gehört nicht zu Neuss und das gehört nicht zum Schützenwesen!

Diesbezüglich lohnt sich auch ein Rückblick auf den Oberstehrenabend am 4. August. Dort hatte Pesch betont: „In einer Zeit, in der das einstige politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenwachsen der Länder Europas durch Populismus sowie tendenziösen Gedankenguts bezüglich abgegrenzter Nationalstaaten eine irritierende Bremsung erfährt, hat die Pflege des heimatlichen Brauchtums eine neue, hochaktuelle Bedeutung gewonnen.“

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