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Bis zum Böllern 140 Fahnen und 22 Banner in Position gebracht: Rot-Weiß dominiert im gefalteten Fahnenmeer

Bis zum Böllern 140 Fahnen und 22 Banner in Position gebracht : Rot-Weiß dominiert im gefalteten Fahnenmeer

Tage der Wonne: Daran denkt Peter Leuchten im Zusammenhang mit dem Neusser Schützenfest nicht unbedingt. Denn für ihn und rund 30 seiner Kollegen vom Tiefbauamt sind diese Tage angefüllt mit Arbeit. "Von uns marschiert keiner mit", bedauert Leuchten, der selbst zum Jägerkorps gehört, aber passiv bleibt. Aktiv "kloppt" der Vorarbeiter derzeit nur Überstunden. Und das von Montag vor dem Fest bis zum Mittwoch danach. Das Ende des Schützenfestes in Allerheiligen steht am Anfang der letzten Vorbereitungen für das größte Neusser Fest im Jahreslauf. Peter Leuchten (rechts) und Detlef Weipert beim Aufräumen im Fahnendepot an der Moselstraße. Zu keinem Fest im Jahr geben sie mehr Fahnen und Banner heraus als zum Schützenfest Ende August. NGZ-Fotos (2): A. Woitschützke

Tage der Wonne: Daran denkt Peter Leuchten im Zusammenhang mit dem Neusser Schützenfest nicht unbedingt. Denn für ihn und rund 30 seiner Kollegen vom Tiefbauamt sind diese Tage angefüllt mit Arbeit. "Von uns marschiert keiner mit", bedauert Leuchten, der selbst zum Jägerkorps gehört, aber passiv bleibt. Aktiv "kloppt" der Vorarbeiter derzeit nur Überstunden. Und das von Montag vor dem Fest bis zum Mittwoch danach. Das Ende des Schützenfestes in Allerheiligen steht am Anfang der letzten Vorbereitungen für das größte Neusser Fest im Jahreslauf. Peter Leuchten (rechts) und Detlef Weipert beim Aufräumen im Fahnendepot an der Moselstraße. Zu keinem Fest im Jahr geben sie mehr Fahnen und Banner heraus als zum Schützenfest Ende August. NGZ-Fotos (2): A. Woitschützke

Dann beginnen die Trupps vom Baubetriebshof damit, Farbe in die Stadt zu tragen. Für etliche Farbtupfer konnten sie vorab schon sorgen, denn 2.500 Verkehrsschilder und Absperrböcke sind nicht über Nacht an Ort und Stelle zu bringen. Doch richtig bunt wird es erst, wenn von hohen Masten viele bunte Fahnen wehen. Sie alle haben im Fahnendepot an der Moselstraße ihre "Heimat". Eine Heimat, die sie in den Sommermonaten nur selten sehen. Dann wird das bunte Tuch auf der einen Festwiese eingerollt und stracks zum Ort des nächsten Festes, an eine Prozessionsstrecke oder zu einem anderen Ort gebracht, wo Fahnenschmuck behördlicherseits angeordnet ist.

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Nass oder trocken spielt dabei keine Rolle, erläutert Leuchten, der solches Tuch auch schon tropfnass aufgehängt hat. "Die sind blitzschnell trocken." In Allerheiligen war das nach der Hitzeschlacht am vergangenen Wochenende nicht nötig. Die dort wehenden Fahnen erreichten die Innenstadt trocken. Seit Montag vor dem Fest sind Leuchten und sechs seiner Kollegen nur mit dem Fahnenschmuck beschäftigt. 140 Stück müssen sie bis zum ersten Böllern installiert haben. Hinzu kommen 22 Banner für den Markt. Das sind die Stoff gewordenen Farben der Stadt, die nicht gehisst werden, sondern von einer horizontalen Stange herabwallen. Sie geben dem zentralen Ort der Parade ein besonderes Gepränge.

Und weil es auf dem Markt die Details sind, die zählen, bleiben die sonst üblichen, weiß getünchten Holzmasten außen vor. Aluminium hilft dort dem Tuch hoch hinaus, und jeder Mast wird am Boden in einer speziellen Halterung versenkt. Das klappt nicht immer auf Anhieb, weiß Leuchten. Denn oft sind die Buchsen im Boden einfach mit parkenden Autos blockiert. Obwohl Halteverbotsschilder doch eine eindeutige Sprache sprechen sollten. Wenn Leuchten mit seinem Sechs-Mann-Trupp rund um die Festwiese 29 weitere Fahnen aufgezogen und den Übergang zum Innenraum der Rennbahn mit Lichtmasten bestückt hat, ist dieser Teil der (Vor-)Arbeit getan.

Doch dann gibt es neue Baustellen. Mit der Sperrung der Langemarckstraße und dem Kirmesaufbau beginnt der Sondereinsatz Schützenfest. Die Wege der Festumzüge müssen gesperrt, die Sperrungen nach den Paraden wieder aufgehoben werden. Allein für diese Umzüge haben die Tiefbauamtsmitarbeiter 1900 Halteverbotsschilder vorab in der Stadt montiert - in der Hoffnung, dass sich alle daran halten. Nach dem Schützenfest, wenn die 30 Mann vom Bauhof anfangen, ihre Überstunden abzufeiern, kann Peter Leuchten mit dem Einholen der Fahnen beginnen. Nicht selten bringt er weniger mit, als von den Depotverwaltern ausgegeben wurden. "Zehn bis 15 Stück verschwinden im Jahr", weiß er aus eigener Beobachtung.

Volker Preuß (vorn) und Ralf Knüppertz bei Durchsicht der Fahnenstangen. Nur für den Markt gibt's Masten aus Aluminium.

Obwohl die Zahl der Diebstähle rückläufig ist. "Bei dem Schwund der letzten Jahre müsste auch jede Neusser Familie inzwischen eine eigene Fahne haben", spekuliert er über Gründe für diese Entwicklung. Doch die Männer aus dem Fahnendepot tun das Ihre, damit Fahnendiebe nicht zum Zuge kommen. So wurde in den Wochen der Fußball-Weltmeisterschaft kein bundesdeutsches "Schwarz-rot-Gold" gehisst, um keine Gelegenheit für Diebe zu schaffen. Dass die Bundesfarben vor dem Finale trotzdem "ausverkauft" waren, hat eine andere Ursache: Weil die Stadt für fünf Euro auch an Privatleute Fahnen verleiht, nutzten einige Neusser diesen Service, und ließen sich jubeltauglich ausstaffieren. Auf eigenes Risiko allerdings, denn wer leiht, der haftet auch.

Ausgeliehen wird vom Bestand all das, was aktuell nicht gebraucht wird. Doch nur zu Schützenfesten bringen die Mitarbeiter die Fahnen auch kostenlos in Position. Will zum Beispiel eine Straße für ein Nachbarschaftsfest flaggen, zahlt sie mehr als die üblichen fünf Euro Leihgebühr. Die decken übrigens nur die Kosten für die etwa einmal im Jahr vorzunehmende Reinigung. Eine Instandhaltungsarbeit, die nicht jedem Tuch aus dem 600 Fahnen zählenden Depotbestand zuteil wird. Die Fahnen der Länder der europäischen Gemeinschaft zum Beispiel kommen ja nicht ganz so oft vor die Tür. Sie teilen dieses Schicksal mit der Fahne des Kreises, die noch seltener aufgezogen wird als die Symbole der vier Neusser Partnerstädte.

Gar nicht im Bestand an der Moselstraße eingelagert sind Deutschlandfahnen mit Bundesadler, die zu besonderen Anlässen auf Anordnung des Innenministers gehisst werden. Sie werden in den öffentlichen Gebäuden gelagert, wo sie auch wehen. Auch wer historische Fahnen sucht, such im Depot vergeblich. Die Lebenserwartung der Fahnen dort ist endlich. Gebrauchsgegenstände. Noch nicht angeschafft, weil noch nicht benötigt: die Farben der Länder, die mit der Osterweiterung zur EU kommen. Nur ein Beitritt Polens könnte sofort vollzogen werden. Denn Rot-Weiß dominiert im gefalteten Fahnenmeer. Christoph Kleinau

(NGZ)