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Neusser Schützenfest 2018: Kluge Köpfe unterm Hut

Neusser Schützenfest : Kluge Köpfe unterm Hut

Die „Königlichen auf Zeit“ stehen im Mittelpunkt, dabei hat sich gerade die Königin-Rolle in den vergangenen Jahren sehr gewandelt.

War sie bis vor wenigen Jahren streng genommen „nur“ die Gattin des Schützenkönigs, ist nun selbstverständlich die Rede von der Schützenkönigin. Sie hat ihre geänderte Rolle – zwar an der Seite, aber nicht mehr hinter – dem König mit viel Charme so ausgefüllt, dass es heute eher ungewöhnlich ist, wenn der Schützenkönig ohne seine Partnerin auftaucht.

So wie es bei der amtierenden Königin Angelina Kunz ab und zu aus beruflichen Gründen sein musste: „Da ich oft beruflich verhindert war, musste Georg schon mal allein los“, erzählt die sympathische Königin, die erst vor einem Jahr von Krefeld nach Neuss gezogen ist. Sie erinnert sich gut an ihre ersten Schritte auf königlichem Parkett: „Da war ich am Anfang etwas überfordert, was von mir als Königin erwartet wird.“

Doch schnell fand sie Anschluss und Gefallen an ihrer neuen Rolle an der Seite von König Georg Martin. Und sie macht den Neussern, die mit „Herzblut das Schützenwesen leben“, ein Kompliment: „Wir wurden überall freundlich und herzlich aufgenommen, so dass ich mich schnell zugehörig gefühlt habe. Ich bin dadurch richtig hier angekommen.“ Gerade die ehemaligen Königinnen seien „eine sehr nette Mädelstruppe“, mit denen sie gern zusammenkomme, verrät Angelika Kunz lachend. Die vielen ungewöhnlichen Termine wie die Eierdiebtaufe, das Beiern in St. Quirin oder die Besuche in den Kitas oder im Haus Rottels erlauben der Königin tiefe und besondere Einblicke in „die Neusser Seele“.

Das haben so ähnlich auch die meisten der Ex-Königinnen so erlebt, die sich jetzt zum vierten Mal zu ihrem „Ehrentag“ am Königsehrenabend getroffen haben. Organisiert von Carmen Kuhnert (Königin 2010/11) und Petra Halm (2011/12), führte der Nachmittag die royalen Teilnehmerinnen zu mehreren ihnen unbekannten Ausflugszielen. „Da freue ich mich sehr drauf“, sagte Marlies Dvorak (2007/08). Begrüßt von Carmen Kuhnert mit einem Gedicht, dass ihnen – wie allen Neusserinnen – attestierte: „Der sprichwörtliche Himmel auf Erden, das sind wir, die Nüsser Röskes.“

Nachdem ihr Mann Thomas nun Ehrenpräsident und nicht mehr Präsident ist, nahm erstmals Ruth Nickel (1990/91) am Treffen teil. Auch wenn ihr Königsjahr fast 30 Jahre zurückliegt, hat sie noch gute Erinnerungen daran: „Das war eine aufregende, tolle Zeit“, sagt sie. Als Frau des Präsidenten hat sie viele Königspaare begleitet und vor allem den Königinnen mit Tipps und Etikette-Regeln beigestanden. Angefangen von den Hüten für den Balkon bis zum Tragen einer Strumpfhose, die an Schützenfest bei jedem Wetter von den Königinnen erwartet wird: „Das sieht nicht nur besser aus, es ist im Endeffekt auch angenehmer für die Königin“, erklärte Ruth Nickel schon vor Jahren. Denn auch wenn Änderungen und Modernisierungen wichtig seien, solle das Schützenfest mit Glanz gefeiert werden. Und da soll es eben feierlich und schick zugehen – schließlich möchten die Neusser ihre Königin bewundern.

Wie sich die Rolle der Königin geändert hat

Wie sehr sich die Rolle der Frau geändert hat, erfuhr Maria Meyen (2006/07) aus erster Hand: „Meine Mutter erzählte mir, dass sie nur bei den Bällen mit dabei war“, berichtet sie von Marga Hüsch (1971/72). Damals habe sich nur ihr Vater Heinz Günther Hüsch seinen Traum vom Königsjahr erfüllt. „Heute wird die ganze Familie mit einbezogen, das ist gut und richtig“, sagt Maria Meyen, die ihren Mann Mario zu sehr vielen Terminen begleitet hat. „So ist es eine schöne Erinnerung auch für mich und uns als Paar. Das trägt eine Beziehung länger als ein toller Urlaub“, sagt sie augenzwinkernd. Die kleinen Überraschungen der Schützen, gerade am Schützenfest, hat sie auch elf Jahre später noch vor Augen. Ebenso ihr Straßenfest beim Schmücken der Tilmannstraße, das sich 2007 vor dem Königsehrenabend ausgerichtet wurde, und immer noch als Nachbarschaftsfest gefeiert wird. Schön sei auch, dass die Königin in der Kutsche nachmittags mitfahren dürfe, so Maria Meyen.

Dass das erst 19 Jahre her ist, mag heute kaum jemand nachvollziehen. „Schön, dass das Königspaar bei den Umzügen nicht getrennt wird“, sagt Carmen Kuhnert und erinnert noch an andere Zeiten, als die Frau einfach nicht einbezogen wurde. „Ein beinahe revolutionärer Schritt, der aber nötig war“, kommentiert sie die Änderung. „Es ist schon richtig, dass wir Frauen uns selbstbewusst äußern“, betont Carmen Kuhnert, die jedoch die Tradition nicht in Frage stellt. „Dass so viele Ex-Königinnen mit so viel Freude an ihr Jahr denken und sich über die Erlebnisse austauschen, ist doch bemerkenswert“, sagt die Initiatorin der Treffen: „Wir wollen unser Leben als Königin gern noch mal Revue passieren lassen, ohne dass wir Vorträge halten – wir wollen Freude weitergeben.“

Keine Königin bereut ihr Regierungsjahr

Bereut hat das Königsjahr an der Seite ihres König wohl keine der ehemaligen Majestätinnen, wie auch Dorothee Antony (2012/13) betont: „Ich habe mich immer wohlgefühlt und wurde mit meinem Mann immer herzlich willkommen geheißen.“ Da sei sie immer umsorgt worden. Von Natur aus ein offener Mensch, der auf Leute zugeht, hat Doro Antony den Rat von Gabi Flecken, der Frau des damaligen Oberschützenmeisters und heutigen Präsidenten, beherzigt: „Ein Lächeln kommt immer zurück.“ Es sei berührend gewesen, wie die Leute sich gefreut hätten, wenn der König und die Königin sie besucht hätten. „So viele Neusser tragen zum Gelingen des Festes bei, wenn man dann als Königin mithelfen kann, sie zu ehren und sich bei ihnen zu bedanken, ist das wunderbar.“

Die Spannung während ihres Königsjahres sei für sie und ihren Mann Jörg Antony „fast wie vor der Bescherung“ gewesen: „Toll, was es alles Überraschendes rund ums Schützenfest gibt, und dass die Leute einen miteinbeziehen. Sie erinnern sich gern an das Jahr: „Das ist es, was bleibt: die Begegnungen, Freundschaften und die Liebe zur Gemeinschaft.“