Neusser Schützen 2018: Scheibenschützen schließen Jens Hartmann aus

Beleidigungen beim Neusser Schützenfest: Scheibenschützen schließen ehemaligen Stadtverordneten aus

Auf Antrag von nicht weniger als 24 Schützen hat die älteste Vereinigung im traditionsreichen Neusser Schützenwesen am Dienstagabend in einer Sondersitzung den Ausschluss des ehemaligen CDU-Stadtverordneten Jens Hartmann beschlossen.

Die Offiziellen schweigen, denn der Vorgang ist für die Gesellschaft der Scheibenschützen mehr als unangenehm: Dem Unternehmer wird ungebührliches und beleidigendes Verhalten vorgeworfen. Ein Vorwurf, den dieser inhaltlich nicht kommentieren will.

Hartmann ist Teil der Neusser Gesellschaft und wird derzeit in einigen Kreisen (auch öffentlich) als möglicher Bürgermeisterkandidat der CDU gehandelt. Solchen Spekulationen hat er am Donnerstag erneut die Spitze zu nehmen versucht. Er strebe kein hauptberufliches politisches Amt an, sagt er - und habe das schon mehrfach geäußert.

"Viele fühlten sich von ihm beleidigt"

Aber ganz losgelöst von diesem Punkt: Die Öffentlichkeit sucht der 47-Jährige oft und gerne. In der Mittelstandsvereinigung auf Kreisebene ist er seit Jahren in Vorstandsverantwortung und stieg erst im November in die Führungsmannschaft dieser CDU-Organisation auf Landesebene auf. Engagiert ist er zudem in der IHK und in seiner Heimatstadt - auch wenn er nach Kaarst verzogen ist - in der Vereinigung der Heimatfreunde Neuss. Als deren zweiter Vorsitzender war er einer der Starthelfer für die geglückte Neuauflage des "Nüsser Ovend".

In der Gesellschaft der Scheibenschützen fiel er jedoch nicht als Aktivposten auf, sondern durch sein Verhalten. "Viele fühlten sich von ihm beleidigt", sagt Dieter Krüll. Die Gründe dafür legten sie auch in schriftlichen Stellungnahmen an den Vorstand dar. Der Ehrenmajor der Gesellschaft hatte noch in der Versammlung am Dienstag zu vermitteln versucht, gab aber am Ende auch den Antragstellern recht. "Es ging nicht anders", sagt Krüll, der in den 57 Jahren Vereinzugehörigkeit nichts Vergleichbares erlebt hat.

Das Votum der Mitglieder - von etwa 300 waren 90 erschienen - war eindeutig: 73 votierten geheim für den Ausschluss. Sie sanktionierten damit Hartmanns Verhalten an allen Schützenfesttagen - und keinen einmaligen "Ausrutscher". Versuche von Oberschützenmeister Robert Schlune, die Angelegenheit ohne Mitgliedervotum zu bereinigen, waren zuvor gescheitert.

Das Votum der Schützen wird nun auch andere Vereine wie die Heimatfreunde beschäftigen. Christoph Napp-Saarbourg als Vorsitzender zeigt sich irritiert, dass Hartmann seine Vorstandskollegen nicht früher über diese Vorgänge informiert hat. Er wünscht, dass sich Hartmann gegenüber dem Vorstand bei nächster Gelegenheit dazu erklärt.

(-nau)